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Ganz oben angekommen

Der Schweizer Medienmanager Ralph Büchi übernimmt das Zepter beim deutschen Grossverlag Axel Springer.

Schweizer auf wichtigen Führungsposten in Deutschland? Joe Ackermann bei der Deutschen Bank kommt einem in den Sinn, Roger Schawinski beim Fernsehsender Sat 1. Beides ist lange her. Aber jetzt steigt Ralph Büchi ganz nach oben an die Spitze des mit Abstand mächtigsten deutschen Medienunternehmens, eines der grössten Europas. Gestern wurde überraschend bekannt, dass der 61-jährige Schweizer Medienmanager nächstes Jahr Aufsichtsratspräsident des Axel-Springer-Verlags werden soll. Ausgerechnet Büchi.

Es gibt da eine Anekdote, die mehr über Ralph Büchi aussagt als sein ganzer Lebenslauf. Seit 1999 ist er Chef des Schweizer Ablegers von Axel Springer, fusionierte dessen Zeitschriftengeschäft mit demjenigen des Schweizer Konkurrenten Ringier, verantwortet das Osteuropageschäft des Mutterhauses und wurde als Chief Operating Officer auch noch die rechte Hand von Ringier-Chef Marc Walder. Mehr als genug Arbeit, denkt man. Aber als vor einem guten Jahr der Bezug neuer Büros von ­Ringier Axel Springer Schweiz in Zürich anstand, wem fiel da als Erstem auf, dass in den Toiletten noch Wände fehlten? Ralph Büchi.

Er sei ein Mikromanager, meinen einige, die mit ihm zu tun haben. Einer, der es genau nehme, sagen andere. So genau, wie man das eben muss in einer Zeit, in der man mit Journalismus nicht mehr so einfach Geld verdient. Jedenfalls: Für seine unermüdliche Quirligkeit, mit der er das alles auf sich nimmt, wird Büchi bewundert. Er setzt seinen Chefredaktoren klare wirtschaftliche Ziele. Wer sie erfüllt, hat mit ihm keine Probleme. Die anderen erleben ihn auch als hart, kalt sogar. Der journalistische Handwerk allerdings, das hat den einstigen Reporter nie ganz losgelassen. Als auf der Redaktion der «Handelszeitung» einmal gerade Personalnotstand herrschte, setzte er sich selbst wieder an die Tastatur, gestaltete die nächste Ausgabe mit.

In der «Handelszeitung» begann Büchi seine Karriere. Selbst Unternehmer zu sein, lag dem einstigen Betriebswirtschaftsstudenten dann aber näher, als darüber nur zu schreiben. Er wurde Verlagsdirektor und erwarb einen Anteil am Wirtschaftsblatt. Später fädelte er den Verkauf an Axel Springer ein.

Mit umgerechnet 4,1 Milliarden Franken Jahresumsatz ist Axel Springer mehr als viermal so gross wie Tamedia, der Verlag, der Redaktion Tamedia und viele weitere Schweizer Zeitungen herausgibt. Unter seinem Gründer Axel Springer wurde das Unternehmen in der Nachkriegszeit mit dem Massenblatt «Bild» gross, reich und mächtig. Aber früher, schneller und radikaler als andere verschrieb sich der Verlag dann dem Medienwandel. Dutzende von Regionalzeitungen und Zeitschriften verkaufte der heutige Springer-Chef Mathias Döpfner emotionslos.

Als Visionär, der den digitalen Wandel gestaltet, galt Ralph Büchi nie. Diese Rolle kommt bei Springer Mathias Döpfner zu. Axel Springers Witwe Friede hat nun aber den Schweizer handgepflückt, um Döpfner einen zur Seite zu stellen, der es genau nimmt, mit Zahlen und mit anderem. Einer, der unermüdlich auch noch die Wände in einem Neubau kontrolliert.

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