Ausgerechnet ein Gedicht wurde Erdogan zum Verhängnis

Der heutige türkische Präsident wurde 1999 ins Gefängnis gesteckt, weil er ein religiöses Gedicht vorgetragen hatte.

Abschiedsgruss: Recep Tayyip Erdogan wird in einem Bus ins Gefängnis gefahren. (1999)

Abschiedsgruss: Recep Tayyip Erdogan wird in einem Bus ins Gefängnis gefahren. (1999) Bild: Burhan Ozbilici/Keystone

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Der Fall sorgt für Wirbel: Recep Tayyip Erdogan verklagt den Satiriker Jan Böhmermann wegen dessen «Schmähgedicht» im deutschen Fernsehen. Der heutige türkische Präsident sass einst selbst wegen eines Gedichts vier Monate im Gefängnis, wie der «Telegraph» in einem Porträt über Erdogan schreibt.

«Moscheen sind unsere Kasernen»

Im Jahr 1997 – damals als Bürgermeister von Istanbul – hatte Erdogan an einer Demonstration vier Zeilen des islamischen Dichters Ziya Gökalp vorgetragen. Darin heisst es: «Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Kuppeln unsere Helme, die Minarette unsere Bajonette und die Gläubigen unsere Soldaten.»

Das Staatssicherheitsgericht verurteilte ihn daraufhin zu zehn Monaten Gefängnis wegen «religiöser Volksverhetzung». Demnach hatte Erdogan gegen die säkulare Staatsordnung, also die Trennung von Staat und Religion, verstossen. Die Richter sahen in Erdogan die Speerspitze einer radikalen, islamischen Bewegung in der türkischen Politik. Er sass die Strafe von März bis Juli 1999 ab und musste als Bürgermeister von Istanbul zurücktreten.

Strafverfolgung zugelassen

Die türkische Regierung will Böhmermann wegen Beleidigung von Organen und Vertretern ausländischer Staaten anklagen. Böhmermann hatte Ende März in seiner satirischen TV-Show «Neo Magazin Royale» (ZDF) ein Gedicht vorgetragen, in dem er den türkischen Präsidenten mit drastischen Worten angriff. Nach eigener Darstellung wollte Böhmermann den Unterschied zwischen erlaubter Satire und «Schmähkritik» aufzeigen. Angela Merkel hat gestern bekanntgegeben, dass Deutschland die Strafverfolgung zulässt. (ij)

Erstellt: 16.04.2016, 10:29 Uhr

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