Gegen Deepfakes hilft nur eines: Faktencheck

Die grossen Techfirmen scheinen unfähig zu sein, die Risiken ihrer Plattformen einzudämmen. Das könnte eine Chance für die klassischen Medien sein.

Doch kein Musterknabe: Mark Zuckerberg am 10. Mai, als er bei Emmanuel Macron lobbyierte. Foto: Marlene Awaad (Getty)

Doch kein Musterknabe: Mark Zuckerberg am 10. Mai, als er bei Emmanuel Macron lobbyierte. Foto: Marlene Awaad (Getty)

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Er wäre ein perfekter Bond-Bösewicht – manche sagen, er ist es auch: Dieser Tage macht ein Video von Facebook-Chef Mark Zuckerberg die Runde, in dem die Fantasie wahr zu sein scheint: Darauf gibt Zuckerberg zu, die Daten von Millionen Menschen gestohlen zu haben. Jetzt kontrolliere er deren Leben, deren Geheimnisse, deren Zukunft. «Das alles», sagt er in einem viralgegangenen Video auf Instagram, «verdanke ich Spectre» – also der bösartigen Geheimorganisation, gegen die Geheimagent James Bond im gleichnamigen Film kämpft.

Das Video ist eine täuschend echte Fälschung – ein sogenannter Deepfake. Es ist Teil einer Kunstinstallation namens Spectre, die im Rahmen eines Dokfilm-Festivals im englischen Sheffield zeigen wollte, wie täuschend echt solche Deepfakes mittlerweile daherkommen. Die sozialen Medien haben dann das ihre beigetragen, den Betrug zuverlässig und schnell an ein Millionenpublikum zu bringen.

Es braucht ein Einsehen der Plattformen

Die Implikationen sind klar: Deepfakes sind eine grosse Gefahr für offene Gesellschaften, genauso wie Facebook. Solange die Plattform sich weigert, Verantwortung zu übernehmen für die Inhalte, die sie verbreitet, ist sie kein bisschen besser als die Terrororganisation Spectre. Denn mittlerweile ist klar, dass sich durch Facebook, Twitter und Youtube Demokratien im grossen Stil manipulieren lassen: mit Lügen, Propaganda oder eben auch mit Deepfakes. Offen bleibt nur, welcher James Bond uns vor einer solcherart manipulierten Zukunft schützen soll. Denn es wird in Zukunft immer mehr solche Fakes geben, und sie werden die Öffentlichkeit beeinflussen.

Es stellen sich also viele Fragen: Auf der technologischen Ebene braucht es Mittel, um damit Deepfakes zu entlarven, es braucht neue Strafnormen und politische Entscheide, um dem Missbrauch zu begegnen.

Und ganz sicher braucht es auch ein Einsehen jener Plattformen, auf denen solche Videos zirkulieren, es braucht griffige Strategien, wie man dem Problem begegnen will, und es braucht nachvollziehbare Regeln, die für alle gleich sind. Doch davon will Facebook nichts wissen: Die Plattform weigerte sich vergangene Woche, ein manipuliertes Video von der demokratischen US-Abgeordneten Nancy Pelosi zu entfernen. Solche Fakes würden nicht gegen die Richtlinien verstossen, liess Facebook verlauten.

Ein Alleinstellungsmerkmal seriöser Medien

Ganz lösen lassen wird sich das Problem der Manipulation nicht. Das zeigt sich schon daran, dass es für das Pelosi-Video nicht einmal einen Deepfake brauchte. Das Video wurde lediglich zu langsam abgespielt, sodass Pelosi betrunken wirkte. Dennoch könnte die neuste Entwicklung auch positive Effekte haben: Wenn die sozialen Medien sich selber diskreditieren, weil sie so anfällig sind für Fälschungen und Manipulationen, kommt das den klassischen Medien zugute. Journalisten sind verpflichtet, ihre Quellen zu prüfen und ausgewogen zu berichten, Sachverhalt und Meinung zu trennen, einzuordnen.

Taucht also plötzlich ein Video auf wie jenes von Strache auf Ibiza, wird es als Erstes auf seine Echtheit geprüft – und zwar doppelt und dreifach –, es wird nachrecherchiert und eingebettet, bevor es veröffentlicht wird. Der Faktencheck wird im Zeitalter von Deepfake wichtig und wertvoll wie nie – zum Alleinstellungsmerkmal gegenüber den sozialen Medien. Das dürfte auch den Konsumentinnen und Konsumenten zukünftig etwas wert sein.

Erstellt: 13.06.2019, 18:10 Uhr

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