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Geldgeberin in der Pflicht

Hat die Angst vor dem Grexit Tsipras zur Umkehr bewogen?

MeinungStephan Israel
Der greichische Regierungschef Alexis Tsipras hat überraschend eingelenkt. Foto: Keystone
Der greichische Regierungschef Alexis Tsipras hat überraschend eingelenkt. Foto: Keystone

Das soll noch jemand verstehen. Alexis Tsipras hat den europäischen Partnern einen Reformplan unterbreitet, der teilweise über das hinausgeht, was seine Regierung gerade noch mit einem Referendum erfolgreich bekämpft hat. Es ist die vorerst letzte Wendung nach überraschungsreichen Wochen. Diese letzte Wendung wirft Fragen auf. Ist es die Angst vor dem Abgrund des Grexit, die Tsipras zur Umkehr bewogen hat? Oder steckt dahinter eine tiefere Logik? Vielleicht versucht der Premier ja nur, den Widerspruch auf­zulösen, mit dem seine Regierung von Anfang an zu kämpfen hatte.

Die Griechen wollen die Einheitswährung behalten. Sie haben aber bei den Wahlen und noch einmal beim Referendum eine Regierung unterstützt, welche die Regeln im Euroclub nicht länger akzeptieren wollte. Rückblickend war das Referendum vielleicht weniger gegen das Angebot der Geldgeber gerichtet als ein Votum für die nationale Würde. Auf dem Tisch ist nun ein griechisches Angebot, diskret ­mi­tformuliert von französischen Experten.

Für die Geldgeber und europäischen Partner stellt sich natürlich die Frage, wie glaubwürdig die Regierung in Athen Reformen umsetzen kann, die sie gerade noch heftigst bekämpft hat. Doch auch Griechenlands Partner sollten jetzt diese letzte Chance nutzen. Es gilt dabei, zwei Gefahren gegeneinander abzuwägen. Klar kann die Eurozone nicht endlos zahlen, wenn in Athen Reformverweigerer regieren. Die Einheitswährung kann auch in Gefahr geraten, wenn die Glaubwürdigkeit der gemeinsamen Regeln verspielt ist. Doch der Grexit ist zumindest auf absehbare Zeit mit grösseren Gefahren verbunden.

Wie verheerend die Folgen eines Austritts aus der Eurozone auch ausserhalb Griechenlands wären, weiss niemand. Es gibt schlicht keinen Präzedenzfall für eine Staatspleite innerhalb einer Währungsunion. Nicht umsonst haben Amerikaner und Chinesen die Europäer gedrängt, endlich mit den Griechen zu einer Lösung zu kommen. Die Eurofinanzminister haben es in der Hand, ein Erdbeben mit möglicherweise ­glo­balen Auswirkungen zu verhindern.

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