Gender-Streit um Ampelpärchen

Der Verkehrsstadtrat in Linz lässt die Ampelpärchen demontieren – wegen «Genderwahns». Das passt dem Bürgermeister gar nicht.

Vorbild aus Wien: Die Ampelpärchen sollen die Menschen zu mehr Toleranz animieren.

Vorbild aus Wien: Die Ampelpärchen sollen die Menschen zu mehr Toleranz animieren. Bild: Reuters

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Statt einem Männchen ein Pärchen: Mann mit Mann, Mann mit Frau, Frau mit Frau, und ein Herz dazu. Die Idee, Fussgängerampeln auf diese Weise zu Signalen der Toleranz zu machen, stammt von Wiens Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou. Sie liess in Wien einige Dutzend Ampeln anlässlich des Eurovision-Songcontests im Juni 2015 umrüsten.

Oberösterreichs Landeshauptstadt Linz zog dann nach, freilich nur mit einer Ampelanlage an der stark frequentieren Mozartkreuzung. Finanziert wurde die Umrüstung durch private Spenden.

Ampeln für den Verkehr – nicht für Botschaften

Jetzt sind die Ampelpärchen wieder weg. Denn Linz hat seit Oktober eine neue Stadtverwaltung und für den Verkehr zuständig ist die rechtspopulistische FPÖ. Deren Stadtrat Markus Hein liess als eine der ersten Amtshandlungen die Pärchen durch gewöhnliche Ampelmännchen ersetzen, angeblich «ohne Kosten für den Steuerzahler». Heins Begründung: Im Strassenverkehr hätten Gesinnungen und Genderwahn nichts verloren: «Der einzige Zweck einer Ampel ist, für mehr Sicherheit im Verkehr zu sorgen und nicht etwa linke Botschaften zu verbreiten.»

Damit provozierte Hein nicht nur die sozialistische Jugend, die am nächsten Tag die Ampelmasten mit Pärchen-Sticker beklebten. Auch der sozialdemokratische Bürgermeister Klaus Luger war von der Aktion Heins wenig begeistert. Er fordert nun seinen blauen Stadtrat auf, die Ampelpärchen unverzüglich wieder montieren zu lassen. Sie seien ein Symbol für Gleichbehandlung, die zu einer modernen Stadt passten, so der Bürgermeister. Das Abmontieren erwecke den Eindruck, Linz sei eine kleinkarierte Stadt: «Das wollen wir nicht sein!»

In Wien hatte die FPÖ ohne Erfolg Anzeige gegen die Ampelpärchen erstattet. Nun fordern die Wiener Rechtspopulisten die Demontage nach Linzer Vorbild. Allerdings können sie in der Hauptstadt als Oppositionspartei nicht mitbestimmen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.12.2015, 20:54 Uhr

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