Gespaltenes Land

Der neue Bundespräsident, wie er auch heisst, wird den Graben in Österreich nicht überwinden können.

Alexander van der Bellen (l.) und Norbert Hofer haben je das halbe Land hinter sich. Foto: Herbert Neubauer (APA/Keystone)

Alexander van der Bellen (l.) und Norbert Hofer haben je das halbe Land hinter sich. Foto: Herbert Neubauer (APA/Keystone)

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Es war ein langer und hart geführter Wahlkampf. Einen strahlenden Sieger aber gab es am Wahlabend nicht. Nur ein Ergebnis steht fest: Österreich ist ein gespaltenes Land. So gespalten wie nie zuvor. Alexander Van der Bellens Aufholjagd nach der ersten Wahlrunde war beachtlich, und er hatte zuletzt auch viele prominente Vertreter der Grossparteien, aus Kunst und Wirtschaft hinter sich.

Trotzdem haben rund 50 Prozent für Norbert Hofer gestimmt, dessen Partei die EU ebenso hasst wie den Islam und in dessen Umfeld sich deutschnationale Burschenschafter und ehemalige Neonazis tummeln. Die Hälfte der österreichischen Wähler findet das gut. Oder stört sich zumindest nicht daran. Diese Wähler wollten nicht nur ihren Protest kundtun, sie wollten Hofer an der Staatsspitze sehen.

Es gibt keine Verständigungsmöglichkeit mehr zwischen den verfeindeten Lagern. Fakten werden nicht als solche akzeptiert, alles wird nach dem eigenen Weltbild gedeutet: als Wahrheit oder als Lüge. Diese Teilung der Gesellschaft kennt man aus Polen und Ungarn. Jetzt ist sie in Österreich angekommen.

Der neue Bundespräsident, wie er auch heisst, wird die Spaltung nicht überwinden können. Hofer teilte im Wahlkampf das Land in Gut und Böse: in «die Eliten» für Van der Bellen und «das Volk», das er selbst vorgibt zu vertreten. Der Hass und die Gewaltfantasien, die Hofer-Anhänger in den sozialen Medien verbreiteten, lässt für die Zukunft nichts Gutes für dieses Land erwarten. Aber auch Alexander Van der Bellen ist kein grosser Vermittler. Er kann die Hand ausstrecken zu den Sozialdemokraten, zu Konservativen, zu liberalen Christen. Der Draht zu den Wutbürgern fehlt.

Es wird nun am neuen Regierungschef Christian Kern und seinem Team liegen, die Stimmung zu drehen, gegen den Hass zu arbeiten und Druck aus diesem Hexenkessel namens Österreich abzulassen.

Erstellt: 22.05.2016, 20:46 Uhr

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