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Geständnis im Mordfall Nemzow

Ein Verdächtiger ist laut der russischen Justiz im Mordfall Boris Nemzow geständig. Es soll sich einen tschetschenischen Polizeiangehörigen handeln.

Abgeführt und vorgeführt: Drei der Verdächtigen sitzen in einem russischen Gerichtsgebäude. (8. März 2015)
Abgeführt und vorgeführt: Drei der Verdächtigen sitzen in einem russischen Gerichtsgebäude. (8. März 2015)
Reuters

Ein Moskauer Gericht hat offiziell Beschuldigungen gegen zwei von fünf festgenommenen Verdächtigen im Mordfall Boris Nemzow erhoben. Einer von ihnen habe gestanden, in die Tat verwickelt zu sein, sagte Richterin Natalija Muschnikowa Medienberichten zufolge. Offen blieb zunächst, was genau der am Samstag verhaftete Saur Dadajew zugegeben hat. Im Gerichtssaal selbst erkannte er am Sonntag keine Schuld an. Auch der mit ihm festgenommene Ansor Gubaschew sagte vor Gericht, er sei nicht schuldig. Gegen beide wurden Mordvorwürfe erhoben.

Die Anhörung der drei anderen ging am Sonntagnachmittag zu Ende, ohne dass Beschuldigungen gegen sie erhoben wurden. Sie blieben aber in Haft. Ihre Festnahme war erst am selben Tag mit ihrem Erscheinen vor Gericht offiziell bestätigt geworden. Einer der drei sei der jüngere Bruder von Gubaschew, Shagid, wie die Nachrichtenagentur Tass meldete. Die Namen der anderen beiden gab sie mit Chamsad Bachajew und Tamerlan Eskerchanow an.

Die Verdächtigen werden dem Haftrichter vorgeführt. (Video: Reuters)

Dadajew und die Gubaschew-Brüder waren nach Angaben von Behördensprechern am Samstag in der russischen Kaukasusrepublik Inguschetien gefasst worden, die anderen beiden am Sonntag kurz vor Sonnenaufgang in einem Vorort von Moskau. In russischen Medienberichten hiess es, Dadajew habe in einem Bataillon der Truppen des Innenministeriums in dem vom Krieg zwischen Russland und islamischen Separatisten geprägten Tschetschenien gedient. Gubaschew soll bei einer privaten Sicherheitsfirma in Moskau gearbeitet haben.

Die Behörden haben erklärt, alle fünf seien in den Mord an dem prominenten Oppositionellen verwickelt, sie gaben aber keine Details bekannt, auf welche Art und Weise. Die Opposition in Russland und andere Kritiker sind aber davon überzeugt, dass der Anschlag auf ihn in einer so stark bewachten Moskauer Gegend in Kreml-Nähe ohne Verwicklung staatlicher Stellen nicht möglich gewesen wäre. Ihrer Ansicht nach könnte es sich um einen Versuch handeln, andere Kritiker von Präsident Wladimir Putin einzuschüchtern.

Berichte über Selbstmord

Es tauchten Berichte auf, bei der Fahndung habe sich ein sechster Verdächtiger in seiner Wohnung in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny mit einer Handgranate selbst getötet. Von Moskau gab es dazu keine offizielle Erklärung. Dafür schien der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow diese Berichte teilweise zu bestätigen.

Kadyrow gilt als getreuer Gefolgsmann des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Menschenrechtsgruppen werfen ihm Gewalt gegen Dissidenten vor, die bis zu Entführung und Tötung gehen könne. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden der benachbarten Kaukasusrepublik Tschetschenien war Dadajew Polizist bei den Truppen des tschetschenischen Innenministeriums.

Kadyrow beschrieb ihn am Sonntag im sozialen Netzwerk Instagram als «tief religiösen Mann», der unter unklaren Umständen aus dem Polizeidienst ausgeschieden sei. Dadajew habe Anstoss an Äusserungen Nemzows nach dem Massaker französischer Islamisten in der Redaktion der Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» genommen gehabt. Russische Ermittler haben islamischen Extremismus als ein mögliches Motiv für die Ermordung Nemzows genannt.

Kadyrow bezeichnete zudem einen Beslan Schawanow als «tapferen Krieger» - der selbe Name wurde in den russischen Berichten über den Selbstmord bei dem Versuch einer Festnahme in Grosny genannt. Kadyrow schrieb ohne weitere Details, Schawanow sei «am Vortag bei einem Versuch seiner Festnahme umgekommen».

Nemzow war in der Nacht zum 28. Februar mit einer ukrainischen Begleiterin auf einer Brücke nahe dem Kreml unterwegs gewesen, als er von hinten erschossen wurde. Der Attentäter floh mit einem Auto. Der Fall hatte weltweit für Aufsehen und Entsetzen gesorgt. Unter anderem hatte die Bundesregierung rasche Aufklärung gefordert.

AFP/AP/spu

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