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«Ghadhafi war kein Krimineller»

Der italienische Geschäftsmann Alessandro Londero überbrachte Ghadhafis letzten Hilferuf an Silvio Berlusconi. Er und seine Frau erzählen Redaktion Tamedia von ihrer letzten Reise nach Tripolis.

Herr Londero, es heisst, Muammar al-Ghadhafi habe Sie nach Tripolis kommen lassen, damit Sie Berlusconi eine Nachricht überbringen. Wieso gerade Sie? Das wurde so geschrieben, ist aber nicht ganz korrekt, denn Ghadhafi hat mich nicht auserwählt, es war eher ein Zufall, dass ich als Bote bestimmt wurde. Ich und meine Frau hatten mit vier Freunden eine Reise nach Libyen organisiert, um uns über die tatsächliche Situation vor Ort ein Bild zu machen. Dabei begleiteten uns zwei italienische Journalisten. Am 29. Juli sind wir von Tunis über Djerba nach Tripolis angereist. Dort hätten wir bei Freunden leben sollen, doch als wir sahen, dass viele Häuser von Zivilisten zerstört worden waren, entschieden wir uns, im Hotel Radisson zu logieren. Doch vom Zimmer aus sah ich, dass nur wenige Meter vom Hotel entfernt, ein Gebäude dem Erdboden gleichgemacht worden war. Vermutlich, weil es neben einer militärischen Residenz gestanden hatte. Offensichtlich hatte die Nato ihr Ziel verfehlt. Das Radisson war uns zu riskant, also checkten wir im Rixos-Hotel ein, wo Journalisten aus aller Welt stationiert waren – dieses Gebäude würde bestimmt nicht aus Versehen bombardiert werden.

Sie haben Ghadhafis letzte Botschaft an den Westen überbracht. Was stand im Brief an Silvio Berlusconi? Ghadhafi appellierte darin an seinen Freund, an Berlusconi, zeigte sogar Verständnis dafür, dass dieser ihn hatte fallen lassen, und versicherte ihm, dass er dieses düstere Kapitel vergessen und die Freundschaft zwischen den beiden Ländern weiterhin aufrechterhalten würde. Er bat Berlusconi, ihm zu helfen, indem er seine Beziehungen nutzte, um diese schrecklichen Bombardements, die viele Libyer das Leben kosteten, zu stoppen. Er wollte, dass die Aggression gegen sein Land und sein Volk aufhört.

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