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Gigafabrik in Deutschland: Musks Plänen droht ein schnelles Aus

«Amis go home!»: In Brandenburg kämpfen Umweltschützer gegen Elektroautos. Und erhalten von der AfD Unterstützung.

Die Bürgerinitiative Grünheide protestierte gegen die geplante hohe Wassernutzung der Tesla-Gigafabrik.
Die Bürgerinitiative Grünheide protestierte gegen die geplante hohe Wassernutzung der Tesla-Gigafabrik.
Pawel Kopczynski, Reuters
Rund 300 Menschen zogen durch den Ort, wo Elon Musk das Werk bauen will.
Rund 300 Menschen zogen durch den Ort, wo Elon Musk das Werk bauen will.
Pawel Kopczynski, Reuters
In Anlehnung an die sonst üblichen «XY ich will ein Kind von dir»-Schilder wurde an einer kleinen Gegendemo ein Auto von Tesla-Chef Elon Musk gewünscht.
In Anlehnung an die sonst üblichen «XY ich will ein Kind von dir»-Schilder wurde an einer kleinen Gegendemo ein Auto von Tesla-Chef Elon Musk gewünscht.
Pawel Kopczynski, Reuters
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Wald, Wasser und Weltkriegsbomben stehen dem Bau von Teslas Gigafabrik in Deutschland derzeit noch im Weg. Wald steht auf dem 300 Hektaren grossen Grundstück in der Nähe von Berlin, und dieser muss für den Bau gerodet werden. Zuvor muss das Gelände von übrig gebliebenen Weltkriegsbomben gereinigt werden. Und zuletzt muss Tesla nachweisen, dass nicht zu viel Wasser verbraucht wird.

Denn die Pläne für die riesige Fabrik in Brandenburg hat Umweltschützer auf den Plan gerufen. Sie demonstrierten für den Erhalt des Waldes und des Wassers. 70 bis 90 Hektaren Wald müssen für den 4 Milliarden Dollar teuren Bau gerodet werden. Tesla will sich dafür verpflichten, die dreifache Fläche andernorts wieder aufzuforsten, mit qualitativ hochwertigem Wald. Nicht so wie der derzeit auf dem Gelände stehende Kiefernwald.

Dieses Waldstück muss für die Tesla-Fabrik gerodet werden.
Dieses Waldstück muss für die Tesla-Fabrik gerodet werden.
Sean Gallup/Getty Images
Das Gelände liegt unmittelbar neben der Autobahn A10.
Das Gelände liegt unmittelbar neben der Autobahn A10.
Patrick Pleul, Keystone
Sollte sich die Genehmigung verzögern, kann der Wald erst Monate später gerodet werden. Es ist ungewiss, ob Elon Musk mit dem Bau der Fabrik so lange warten würde.
Sollte sich die Genehmigung verzögern, kann der Wald erst Monate später gerodet werden. Es ist ungewiss, ob Elon Musk mit dem Bau der Fabrik so lange warten würde.
Sean Gallup/Getty Images
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Dieser soll gemäss Tesla-Chef Elon Musk ohnehin nur gepflanzt worden sein, um für die Kartonproduktion später wieder abgeholzt zu werden. Die Süddeutsche Zeitung berichtet gar von einem «Autobahnwald», ein paar Bäume also, damit die daran vorbeiführende Schnellstrasse nicht so karg aussieht. Leben gebe es in dieser «spröden Baumansammlung» keines.

Auch der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) spricht im Interview mit dem Handelsblatt nur von Ameisenhaufen, die für den Bau umgesiedelt werden müssten.

AfD-Anhänger in der Umwelt-Demo

Den Umweltschützern macht aber neben dem Wald auch das Wasser Sorgen. 372 Kubikmeter Wasser pro Stunde wird das Werk benötigen, hiess es im Antrag zur Genehmigung der Fabrik. «Tesla gräbt uns das Wasser ab» schrieben Demonstranten daraufhin auf ihre Schilder, «Tesla oder Trinkwasser» stand auf dem Banner eines Umzugs der Bürgerinitiative Grünheide, dem Ort, wo die Fabrik entstehen soll. Mehrere Medien berichteten im Anschluss, dass dabei auch Sprüche wie «Ami go home» fielen.

Rund 300 Personen demonstrierten in Grünheide. Dazu aufgerufen haben auch AfD-Mitglieder. Foto: Reuters
Rund 300 Personen demonstrierten in Grünheide. Dazu aufgerufen haben auch AfD-Mitglieder. Foto: Reuters

Zu Hause bleiben aber vorerst nur die Demonstranten, denn diese wurden gegen ihren Willen von der AfD unterstützt. In die Proteste von Mitte Januar mischten sich Teilnehmer aus der rechten Szene, wie die Bürgerinitiative nach Auswertung von Videoaufnahmen feststellte. Nun soll es keine weiteren Demonstrationen mehr geben, welche Vertretern mit rechter Gesinnung eine Plattform bieten könnten, sagte Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative der deutschen Agentur DPA. «Es besteht jetzt der Vorwurf, dass wir der AfD nahestehen.»

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) berichtet, dass bei einer Fragerunde zum Tesla-Projekt vor allem Angehörige der AfD Landkreis Oder-Spree kritische Fragen stellten. Bei einer Versammlung der Bürgerinitiative forderte ein AfD-Mitglied gemäss rbb, dass das Bundesland über den Standort der Fabrik entscheiden solle und nicht Tesla – ein Anliegen, das an die Staatswirtschaft der DDR erinnere, meint der rbb-Kommentator.

Die Schnittstelle der Umweltschützer und der AfD sei von Anfang an denkbar klein gewesen und habe nur in der Bewahrung der gegenwärtigen Idylle bestanden – für die Bürgerinitiative bestehe diese aus dem Kiefernwald, für die AfD im Status quo der Diesel- und Benzinfahrzeuge. Elektroautos seien für die Klimaleugner überflüssig, heisst es im Beitrag der rbb. Für die Bürgerinitiative war der rechte Schulterschluss zu viel; lieber brach sie den Protest gegen die Fabrik ganz ab, als von der AfD instrumentalisiert zu werden.

Wasserverbrauch angepasst

Aber auch ohne Proteste auf der Strasse wird es für Elon Musk und seine Gigafabrik knapp. Zwar nahm er sich der Probleme in Grünheide persönlich an und reagierte auf die Kritik auf Twitter. Er bekräftigte dabei, dass es kein natürlicher Wald sei und nur ein kleiner Teil abgeholzt werde. Und auch zum Thema Wasser ging Tesla offenbar nochmals über die Bücher.

Der Wert von 372 Kubikmeter pro Stunde sei nur ein Maximalwert, twitterte Musk. Die Angabe aus den Plänen wurde diese Woche auf 238 Kubikmeter gesenkt, nachdem sich Vertreter von Tesla und des Brandenburger Bundes für Natur und Umwelt (Bund) trafen. Es gebe Ideen zum effektiveren Einsatz des Wassers, sagte Bund-Geschäftsführer Axel Kruschat der DPA.

Zeit wird knapp: Brutsaison beginnt

Mit Hochdruck gearbeitet wird derzeit auch an der Beseitigung von Weltkriegsbomben. 85 Kilogramm Munition wurden bereits gefunden, diese Woche sind sieben Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt worden. Das Material muss weg, damit das Waldstück gerodet werden kann.

Die Zeit dafür drängt, denn im März müssen die Bäume spätestens weg sein, wie der brandenburgische Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) sagt. Anfang März beginne die Brutperiode, spätestens ab Mitte März dürfe deshalb nicht mehr gerodet werden. Das bedeutet: «Die dafür notwendigen Massnahmen dürfen nicht später als Mitte Februar genehmigt werden», sagt Steinbach im Interview mit dem Handelsblatt. Das sei mit einem immensen Aufwand verbunden, denn der Massnahmenplan dürfe nichts mehr enthalten, was juristisch angreifbar wäre.

Bis Mitte März müssen die Weltkriegsbomben geräumt und der Wald gerodet sein. Dann beginnt die Brutsaison, und die Bäume müssen stehen bleiben. Foto: Sean Gallup/Getty Images
Bis Mitte März müssen die Weltkriegsbomben geräumt und der Wald gerodet sein. Dann beginnt die Brutsaison, und die Bäume müssen stehen bleiben. Foto: Sean Gallup/Getty Images

Auch die Kampfmittelbeseitigung muss bis dann vollständig abgeschlossen sein. Zuständig ist für diese das Bundesland, wie Steinbach sagt. Wann immer man über Funde informiert werde, müssten diese sofort entfernt werden, unabhängig davon, ob auf dem Land eine Nutzung geplant ist oder nicht. Für Steinbach ist klar: Räumung und Rodung müssten bis zur Brutzeit im März vollbracht sein, ansonsten verschiebe sich das Projekt um rund neun Monate. Und er glaube nicht, dass Tesla so lange bei der Stange bleibe.

Denn schon im Juli 2021 will Elon Musk die ersten Elektro-SUVs in Brandenburg ab dem Band rollen sehen. Künftig sollen jährlich 500'000 Teslas in Grünheide entstehen, wovon auch die Region wirtschaftlich profitieren soll. Nicht nur durch den Landpreis von rund 41 Millionen Euro, sondern auch für Arbeitnehmer und die zusätzlich entstehende Infrastruktur.

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