Globalisierung lässt sich nicht verbieten

Das Freihandelsabkommen TTIP ist vielleicht die letzte Chance für Europa, den Welthandel mitzugestalten.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gegner gehen auf die Barrikaden, bevor das transatlantische Freihandelsabkommen (TTIP) zwischen der EU und den USA überhaupt ausverhandelt ist. Spät haben US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel jetzt ihr politisches Gewicht in die Waagschale geworfen.

Dabei brauchen insbesondere die Europäer angesichts schwachen Wachstums auf dem Alten Kontinent das Freihandelsabkommen mehr denn je. Zwar sicher nicht um jeden Preis. So werden etwa die Sozial- und Umweltstandards nicht zur Disposition stehen, auch wenn zuletzt der Abgasskandal um manipulierte Dieselmotoren das Bild der europäischen Überlegenheit etwas relativiert hat.

So oder so dürften aber für die exportorientierten Volkswirtschaften Europas am Ende die Vorteile überwiegen. Aus gutem Grund und mit Blick auf die Chancen für Wachstum und Beschäftigung hatten die nationalen Regierungen Brüssel 2013 einstimmig das Mandat erteilt, die Verhandlungen aufzunehmen. Allerdings haben die Regierungen es danach unterlassen, für ihr Prestigeprojekt zu werben und die Vorteile zu erklären.

Zwar werden die Verhandlungen heute transparenter geführt als je bei einem Freihandelsabkommen zuvor. Aber TTIP ist längst das Kürzel, das Vorurteile und Ängste mobilisiert. Die Gegner verbindet eine Portion Antiamerikanismus und generell die Ablehnung der Globalisierung. TTIP steht für die Illusion der Abschottung entlang nationaler Grenzen und gegen eine zunehmend unübersichtliche Aussenwelt.

Freihandel ist bei den TTIP-Gegnern längst ein Schimpfwort. Dabei ist die Globalisierung eine Kraft, die sich nicht verbieten, sondern bestenfalls gestalten und regulieren lässt. Das transatlantische Freihandelsabkommen ist der vielleicht letzte Versuch der Europäer und der Amerikaner, hier gemeinsame Standards festzulegen. Scheitert der Anlauf, werden andere Akteure in Asien oder im Pazifik die Regeln schreiben. Es ist die Frage, ob Angst und Abschottung siegen oder ob die Europäer es gemeinsam mit den Amerikanern schaffen, ihre Zukunft zu gestalten.

Erstellt: 25.04.2016, 22:12 Uhr

Artikel zum Thema

Viel Wirbel um vier Buchstaben

US-Präsident Obama und Kanzlerin Merkel werben für das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP. Was spricht dafür? Und was dagegen? Die Antworten. Mehr...

Zehntausende demonstrieren gegen TTIP

Es sorgt für Verschwörungstheorien, Proteststürme und kreative Aktionen: Das Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa. 10'000 gingen in Deutschland auf die Strasse. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Ein Fehltritt mit Folgen

Eine kleine Unaufmerksamkeit, ein bisschen Pech – ein Unfall ist schnell passiert. Zum Glück hat die Suva die Kosten im Griff.

Blogs

Never Mind the Markets Droht ein Wachstumsstopp?

Sweet Home Schon jetzt eine Ikone

Die Welt in Bildern

Zeigen Flagge: Luftaufnahme der Flaggen-Zeremonie für die Olympischen Jugendspiele, die 2020 in Lausanne stattfinden werden. (19. September 2019)
(Bild: Valentin Flauraud) Mehr...