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«Ich fürchtete Tag und Nacht, es könnte schiefgehen»

Redaktion Tamedia erinnert an den verstorbenen Hans-Dietrich Genscher, Aussenminister der deutschen Einheit, mit der nochmaligen Veröffentlichung eines Interviews vom 29. Oktober 2009.

«Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Nacht Ihre Ausreise...»: Hans-Dietrich Genscher im September 2009 auf dem berühmten Balkon der deutschen Botschaft in Prag, wo er 20 Jahre zuvor DDR-Flüchtlingen die Weiterreise in die BRD mitteilen konnte. (Video: Stefanie Hasler)

Was macht eine lebende politische Legende den ganzen Tag? Es ist ein Leben in grösserer Privatheit als früher, mit mehr Zeit für die Familie und mit vielen interessanten Aktivitäten. Ich halte Vorträge, schreibe Bücher und Kolumnen und ich berate, aber ich bin allein Herr meines Terminkalenders.

Wo waren Sie, als die Berliner Mauer fiel, und wie haben Sie davon erfahren? Am 9. November 1989 war ich mit Bundeskanzler Kohl in Warschau. Die Nachricht vom Fall der Mauer erfüllte mich mit einem grossen Glücksgefühl. Ich erinnerte mich an den 10. September, als die Ungarn die Grenze für die Deutschen aus der DDR öffneten – damals noch gegen den Willen der DDR-Führung –, ich erinnerte mich an den 30. September, als ich in Prag die Ausreise für die Flüchtlinge in unserer Botschaft bekannt geben konnte. Diese Ausreise vollzog sich mit Zustimmung der DDR-Führung. Damals im September 89 wurde die Mauer ein grosses Stück geöffnet, am 9. November 1989 zerbrach sie.

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