Zum Hauptinhalt springen

Grösstes Stahlwerk Europas vergiftet Anwohner

Die italienische Polizei hat den «Stahlkönig» Riva festgenommen. Eines seiner Stahlwerke, das grösste in Europa, soll am Tod von 300 Menschen schuld sein. Die Arbeiter des Werks fürchten nun um ihre Stellen.

Ein Richter liess das Stahlwerk teilweise stilllegen: Arbeiter in Taranto protestieren dagegen. (26. Juli 2012)
Ein Richter liess das Stahlwerk teilweise stilllegen: Arbeiter in Taranto protestieren dagegen. (26. Juli 2012)
Keystone

Durch Emissionen aus dem Werk in der Stadt Taranto im Süden des Landes soll der italienische Stahlkonzern Ilva in den vergangenen 13 Jahren den Tod von 386 Menschen verursacht haben. Der 86 Jahre alte Eigentümer Emilio Riva, sein Sohn Nicola und sechs Manager wurden verhaftet.

Sechs Abteilungen des mit mehr als 11'500 Beschäftigten grössten Stahlwerks Europas wurden geschlossen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft wurden in Taranto wesentliche Umweltauflagen nicht erfüllt, sodass unter anderem Dioxin in die Umwelt gelangte, wie diese mitteilte. Ein im Auftrag des Gerichts erstelltes Gutachten über das Stahlwerk in Tarent hatte bereits im vergangenen Jahr ergeben, dass das Werk hohe Mengen Dioxin und anderer umwelt- und gesundheitsschädlicher Stoffe freisetzt. Dies habe zu einer hohen Zahl von Krebs-, Herz- und Luftweg-Erkrankungen in der Bevölkerung und bei den Arbeitern geführt. Die Sterblichkeit in der Umgebung liege dadurch um zehn bis 15 Prozent über dem Durchschnitt.

Verzerrte Umweltschutz-Ideologien

«In diesem ernsten Augenblick für die Wirtschaft des Landes sind diese traumatischen Massnahmen gegen das grösste Stahlwerk Europas ein nicht tragbarer Schlag», erklärte der Chef des italienischen Industrieverbandes Federmeccanica, Pierluigi Ceccardi. Der Stahlverband Federacciai erklärte, die Industrie werde sich «klar gegen jeden Versuch wehren, aufgrund irgendwelcher verzerrter Umweltschutz-Ideologien die Präsenz von Industrie in Italien in Frage zu stellen».

Aus Angst um ihre Arbeitsplätze gingen schon am Donnerstag Tausende Beschäftigte auf die Strasse. Sie befürchten die Schliessung des Werks. Heute setzten sie den Streik fort. Mit Strassenblockaden brachten sie das Leben in der Stadt in der Region Apulien zum Erliegen. Dies würde nach Überzeugung eines Gewerkschaftssprechers viele Familien in den Ruin treiben. In der Stadt beträgt die Arbeitslosigkeit elf Prozent, das Stahlwerk ist der grösste Arbeitgeber.

Umweltminister Corrado Clini versicherte, dass die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti und der Ilva-Konzern die Sanierung des verseuchten Geländes um das Stahlwerk vereinbart hätten. «Wir müssen um jeden Preis die Produktion retten», erklärte der Politiker.

Der Ilva-Konzern zählt zu den zehn stärksten Stahlgruppen der Welt. Das 1905 gegründete Unternehmen besitzt in Italien und im Ausland 36 Produktionsstätten und beschäftigt 21'711 Personen. 2011 meldete der Konzern unter Kontrolle der Familie Riva Umsatz von zehn Milliarden Euro.

sda/AFP/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch