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Hasch, Alkohol und Tierquälerei

Die österreichische Autorin Stefanie Sargnagel wird im Netz mit Hass überschüttet – wegen einer Katze.

Stefanie Sargnagel wurde Vergewaltigung gewünscht und Hinrichtung angedroht.
Stefanie Sargnagel wurde Vergewaltigung gewünscht und Hinrichtung angedroht.
Georg Hochmuth (APA)

Für Zurückhaltung und sensible Wortwahl waren die Leser der «Kronen Zeitung» nie bekannt. Doch was jetzt an Hass aus den Kommentaren auf der Facebook-Seite der grössten Boulevardzeitung Österreichs trieft, ist selbst für «Krone»-Standards beängstigend. Da wird einer jungen Frau die Vergewaltigung gewünscht und die Hinrichtung angedroht. Es wird «Zwangssterilisierung» empfohlen sowie der Transport ins Arbeitslager.

Nun sind Stefanie Sargnagel Provokation und Beschimpfungen nicht fremd. Sie selbst ist nicht gerade zurückhaltend, wenn sie die rechtspopulistische FPÖ attackiert. Doch diesen Shitstorm hat sie weder provoziert noch erwartet.

Drogenkonsum und desinteressierte Marokkaner

Anlass war ein Ferienspass: Über Weihnachten war Sargnagel im marokkanischen Essaouira. Dort wollte die 31-Jährige mit der roten Baskenmütze ihren Roman vollenden und schrieb als Nebenbeschäftigung mit Freundinnen ein sarkastisches Tagebuch. Vom Drogenkonsum erzählen sie darin, von desinteressierten Marokkanern («Der Kölner Hauptbahnhof hat echt zu viel versprochen») und wie sie «eine Babykatze zur Seite treten».

Für sargnagelsche Verhältnisse ist der Text, der Mitte Februar im «Standard» erscheint, weder besonders geistreich noch auffallend provokant. Zumindest nicht provokanter als ihre Facebook-Postings über die Arbeit im Callcenter, Übergewicht und Ausscheidungen. Die Bücher mit diesen Blog-Einträgen wurden zu Bestsellern, die Autorin wurde 2016 vom Publikum beim Wettlesen um den Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.

«Babykatzengate»

Das konnte die «Kronen Zeitung» noch ignorieren. Aber der Verdacht, es könnte eine Babykatze misshandelt worden sein, liess bei Redaktoren und Lesern alle Sicherungen durchbrennen. «Babykatzengate» begann am 8. März (Weltfrauentag) mit der Kolumne eines Wiener «Krone»-Journalisten, der sich über die «Literaturreise mit Hasch, Alkohol und Tierquälerei auf Kosten der Steuerzahler» erregte. Tatsächlich hatte die Autorin vom Kulturministerium 750 Euro Reisezuschuss erhalten.

Ein Journalist derselben Zeitung nannte Sargnagels Wohnort in Klagenfurt. Der Shitstorm erreichte Orkanstärke. Sargnagels Facebook-­Account wurde vorübergehend gesperrt. Möglicherweise war die Autorin von Rechtspopulisten denunziert worden.

Freunde und Kollegen der Autorin sind über das Ausmass der Hetze bestürzt: Sie sehen darin den Versuch, eine unbequeme junge Frau mundtot zu machen. Sargnagel selbst kommuniziert nun via Twitter. Interviews gibt sie keine, Solidaritätsbezeugungen empfindet sie als «unangenehmen Lovestorm». Um die Rechtspopulisten zu stoppen, will sie sich «irgendwas mit Babytieren überlegen». Dass ihr neuer Roman wieder ein Bestseller wird – dafür hat die «Kronen Zeitung» jedenfalls gesorgt.

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