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Heisser Sesseltanz um den heiligen Stuhl

Am Dienstag beginnt die Wahl des neuen Papstes. Für die katholische Kirche ist es vor allem ein Entscheid zwischen einem Vertreter der alten und der neuen Welt. Diese Namen werden besonders oft genannt.

Das Konklave zur Wahl des neuen Papstes beginnt am Dienstag. Dies entschieden heute die in Rom versammelten Kardinäle. Die Bestimmung eines neuen Papsts ist seit jeher geheimnisumwittert. Unter Androhung der Exkommunikation ist es den im Wahlkonklave vertretenen Kardinälen verboten, über mögliche Nachfolger zu spekulieren.

Dennoch sind Namen im Umlauf, die auf eine Auseinandersetzung zwischen der westlichen Welt und den in der katholischen Weltkirche zahlenmässig starken Entwicklungs- und Schwellenländern hindeuten:

Italien:

Nach dem Polen Johannes Paul II. und dem Deutschen Benedikt XVI. sehen viele Beobachter die über Jahrhunderte dominierenden Italiener wieder an der Reihe. Heisseste Kandidaten sind Angelo Scola (71), Erzbischof der wichtigen Diözese Mailand, und Tarcisio Bertone (78), als Kardinalstaatssekretär bislang die Nummer zwei im Vatikan. Beide sind gut vernetzt, Scola gilt aber als wenig charismatisch, Bertone als möglicherweise zu eng mit Benedikt XVI. vertraut. Dies könnte etwa für Gianfranco Ravasi (70), nach weltlichen Massstäben vatikanischer Kulturminister, eine Chance bedeuten.

Lateinamerika:

Schon seit vielen Jahren gilt Claudio Hummes (78), emeritierter Erzbischof von Brasiliens Metropole São Paulo, der einst den Zölibat anzweifelte, als papabel. Auch der amtierende Erzbischof von São Paulo und sein Kollege aus der Hauptstadt Brasília, Odilo Scherrer (63) und Joo Braz De Aviz (65), werden genannt. Aus Argentinien und Honduras haben die Erzbischöfe der Hauptstädte Buenos Aires und Tegucigalpa, Jorge Mario Bergoglio (76) und Oscar Andrés Rodriguez Maradiaga (70), Chancen. Sie alle haben jedoch das Problem, dass die Kirche in Lateinamerika vielen im Vatikan als zu experimentierfreudig gilt.

Afrika:

Als aussichtsreicher Anwärter gilt Peter Turkson (64) aus Ghana, Präsident des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden im Vatikan. Dass er einst die These vertrat, die verbreitete Tabuisierung von Homosexualität habe Afrika weitgehend vom Missbrauchsskandal verschont, brachte ihm aber international Kritik ein. Überhaupt halten selbst Konservative im Vatikan die afrikanische Kirche mitunter für zu radikal. Aus Nigeria und der Demokratischen Republik Kongo gelten dennoch die Erzbischöfe der Hauptstädte Abuja und Kinshasa, John Onaiyekan (69) und Laurent Mosengwo Pasinya (73), als papsttauglich.

Nordamerika:

Vor allem dem Kanadier Marc Quellet (68), Präfekt der Bischofskongregation im Vatikan, werden gute Chancen eingeräumt. Dass er auch der Kommission für Lateinamerika vorsitzt, könne ihm von dort Unterstützung einbringen. Weiter steht der Erzbischof der US-Metropole New York, Timothy Dolan (63), ein Profi im Umgang mit den Medien, der sich bei der Aufklärung des Missbrauchskandals einen Namen machte, auf den Listen von Experten. Als dritter Kandidat aus den USA ist der Erzbischof von Boston, Sean Patrick Mellay (68), im Rennen.

Asien:

Als aufgehender Stern in der Kirche wird der Erzbischof der philippinischen Hauptstadt Manila, Luis Antonio Tagle (55), gesehen. Er gilt als dynamisch und ist bei den rund 75 Millionen Katholiken in seiner Heimat ausserordentlich beliebt. Ob seine Zeit allerdings bereits gekommen ist, steht dahin. Angenommen, er würde wie Benedikt XVI. mit 85 Jahren aus dem Papstamt ausscheiden, stünde er der Kirche immerhin 30 Jahre lang vor.

Europa:

Abseits von Italien hat der alte Kontinent diesmal eher Aussenseiterchancen. Manche Experten nennen zwar den Wiener Erzbischof Christoph Schönborn (68) als möglichen Nachfolger Benedikts XVI. Nach einem Polen und einem Deutschen erscheint ein Österreicher aber ebenso unwahrscheinlich wie der Erzbischof von Ungarns Hauptstadt Budapest, Péter Erdö (60), dessen Name verschiedentlich auftaucht.

SDA/mrs

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