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Hoeness gesteht Hinterziehung von 18,5 Millionen

In München hat der Prozess gegen FC-Bayern-Präsident Uli Hoeness wegen Steuerhinterziehung begonnen. Der Manager hat ein umfassendes Geständnis abgegeben.

Will früher aus dem Gefängnis raus: Uli Hoeness hat einen Antrag zur vorzeitigen Haftentlassung eingereicht. (13. März 2014)
Will früher aus dem Gefängnis raus: Uli Hoeness hat einen Antrag zur vorzeitigen Haftentlassung eingereicht. (13. März 2014)
Sven Hoppe, Keystone
Gezeichnet: Uli Hoeness und seine Frau verlassen das Gerichtsquartier in München. (13. März 2014)
Gezeichnet: Uli Hoeness und seine Frau verlassen das Gerichtsquartier in München. (13. März 2014)
AFP
«Gute Freunde kann niemand trennen»: Ein Anhänger von Uli Hoeness fordert Solidarität.
«Gute Freunde kann niemand trennen»: Ein Anhänger von Uli Hoeness fordert Solidarität.
Philipp Guelland, AFP
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Der Steuerfall Uli Hoeness hat enorme Dimensionen angenommen: Hoeness hinterzog mindestens 18,55 Millionen Euro an Steuern und damit deutlich mehr als bislang vermutet, wie heute in seinem Prozess vor dem Landgericht München II bekannt wurde.

Obwohl Richter Rupert Heindl den Angeklagten Hoeness hart befragte und Zweifel an dessen Glaubwürdigkeit zeigte, hofft dieser weiter darauf, am Gefängnis vorbei zu kommen. Hoeness legte ein umfassendes Geständnis ab. «Ich will ohne Wenn und Aber reinen Tisch machen und zeigen, dass ich steuerehrlich bin - vielleicht soll ich besser sagen, geworden bin», sagte Hoeness.

Er verwies ausserdem darauf, dass er hohe Summen gespendet und in Deutschland hohe Summen an Steuern gezahlt habe. Ausserdem habe er unterm Strich mit seinen Zockereien keinen Gewinn, sondern Verlust gemacht - nur hätte er zwischenzeitliche Gewinne versteuern müssen.

«Deutlich über 15 Millionen»

Hoeness hatte im Januar vergangenen Jahres Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung eingereicht. Die Staatsanwaltschaft erkannte diese aber nicht an und klagte ihn wegen siebenfacher Steuerhinterziehung an. Dies bezieht sich auf falsch abgegebene Steuererklärungen der Jahre 2003 bis 2009.

In der Anklageschrift ist von verschwiegenen Kapitalerträgen, Spekulationsgewinnen und sonstigen Einkünften in Höhe von 33,53 Millionen Euro die Rede, aus denen sich eine Steuerschuld von 3,55 Millionen Euro ergebe. Hoeness reichte nun aber kurz vor Prozessbeginn Unterlagen seiner Schweizer Bank Vontobel nach, die weitaus umfassendere, steuerpflichtige Geldbewegungen bei der Bank belegen.

Die damit verbundene Steuerschuld geht laut Hoeness' Anwalt Hanns Feigen «deutlich über 15 Millionen» hinaus. Diese Summe müsse «on top» auf die in der Anklageschrift genannten 3,55 Millionen Euro addiert werden. Wie es hiess, soll sich diese Summe bereits aus dem mit der von Hoeness erstatteten Selbstanzeige eingereichten Zahlenkonvolut ergeben haben. Hoeness sagte, er erwarte eine weitere Steuernachzahlung im zweistelligen Millionenbereich.

Von «allergrösster Bedeutung»

Wie die Sprecherin des Oberlandesgerichts München, Andrea Titz, am Rande des Verfahrens vor Journalisten sagte, muss im Fall einer Verurteilung bei der Strafzumessung nun die neue, höhere Summe berücksichtigt werden.

Hoeness' Verteidiger Feigen sagte, es müsse beachtet werden, dass ohne die Selbstanzeige die Ermittlungen der Behörden ergebnislos geblieben wären. Dies räume selbst die Staatsanwaltschaft ein, wie aus einem schriftlichen Vermerk der Ermittler hervor gehe. Doch auch wenn das Gericht von einer Unwirksamkeit ausgehe, müsse die inzwischen erfolgte Rückkehr von Hoeness zur Steuerehrlichkeit berücksichtigt werden. Dies sei von «allergrösster Bedeutung».

Vier Verhandlungstage geplant

Der Vorsitzende Richter Heindl zeigte sich allerdings äusserst kritisch zu den Darstellungen von Hoeness. Er äusserte sich «überrascht», dass Hoeness nie etwa schriftliche Kontoauszüge in die Hand bekommen haben will. Das Gericht habe inzwischen grob geschätzt 70'000 Blatt Papier zu den Kontobewegungen von Hoeness erhalten. Der Richter zeigte sich auch verwundert, warum Hoeness sich beim Auftauchen von CDs mit den Daten von Steuersündern nicht schon früher zur Selbstanzeige entschlossen hatte.

Besonders offen attackierte Heindl den Angeklagten Hoeness bei der Darstellung, dass er von Recherchen eines «Stern»-Journalisten zu dem Schweizer Konto nicht besonders beunruhigt gewesen sein will. «Das kann man glauben, muss man aber nicht», sagte der Richter. Für den Prozess sind bis Donnerstag vier Verhandlungstage angesetzt.

AFP/ajk

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