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Hohe Gefängnisstrafen für Karadzic-Vertraute

Das Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien hat zwei ehemals hochrangige bosnische Serben schuldig gesprochen. Sie seien in Morde, Folter und Verfolgung gegen Muslime und Kroaten verwickelt gewesen.

Der ehemalige bosnische Innenminister Mico Stanisic begrüsst vor der Urteilsverkündung seinen Anwalt. (27. März 2013)
Der ehemalige bosnische Innenminister Mico Stanisic begrüsst vor der Urteilsverkündung seinen Anwalt. (27. März 2013)
Keystone

Die serbischen Lager Omarska und Keraterm sind Symbole für unvorstellbare Schrecken im Bosnien-Krieg: Mord, Folter, Massenvergewaltigungen. Das Tribunal für Ex-Jugoslawien verurteilte den ehemaligen bosnisch-serbischen Innenminister und seinen Polizeichef wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit nun zu jeweils 22 Jahren Gefängnis.

Der 58-jährige Mico Stanisic und der 61-jährige Stojan Zupljanin seien schuldig des Massenmordes, der Folter, Vertreibung und Verfolgung von Kroaten und Muslimen während des Bosnienkrieges 1992, urteilten die Richter am Mittwoch in Den Haag.

Stanisic und Zupljanin waren Vertraute des ehemaligen Serbenführers Radovan Karadzic, dem zurzeit in Den Haag der Prozess gemacht wird. Sie hätten einen «entscheidenden Beitrag» zu den Verbrechen serbischer Sicherheitskräfte geleistet, sagte der Vorsitzende Richter Burton Hall. «Sie haben sie dazu ermutigt und unterstützt.» Dafür verhängte das Tribunal die verhältnismässig hohe Haftstrafe.

Beispiellose Grausamkeit

Im Zentrum der Anklage standen etwa 50 Schreckenslager der Serben wie Omarska, Keraterm und Trnopolje. Dort wurden Tausende nicht-serbische Männer, Frauen und Kinder Opfer beispielloser Grausamkeit. Männer wurden massenweise exekutiert, Frauen systematisch vergewaltigt.

Die Angeklagten gehörten nach Ansicht des UNO-Gerichts einer «kriminellen Vereinigung» um Ex-Serbenführer Karadzic an. Diese verfolgte eine «weit verbreitete und systematische Kampagne von Terror und Gewalt», sagte Richter Hall. Zehntausende wurden vertrieben und verfolgt. «Das Ziel war die Errichtung eines serbischen Staates, so ethnisch rein wie möglich.»

Unschuld beteuert

Der Ex-Polizeichef Zupljanin bekreuzigte sich mehrfach bei der Verkündung des Urteils, sein Gesicht halb verborgen von einem dicken nach oben gezwirbelten Schnurrbart. Der ehemalige Innenminister Stanisic wankte leicht. Er hatte sich 2005 dem Tribunal gestellt.

Sein Polizeichef war drei Jahre später festgenommen und von Serbien ausgeliefert worden. Seit Beginn ihres Prozesses 2009 hatten beide ihre Unschuld beteuert.

Noch 25 Verfahren hängig

Das UNO-Tribunal verurteilte bisher 69 Personen für schwere Kriegsverbrechen meist zu mehrjährigen Gefängnisstrafen, 18 wurden freigesprochen. Zurzeit laufen noch 25 Verfahren, darunter auch gegen den Ex-General Ratko Mladic.

Der Prozess gegen den ehemaligen serbisch-jugoslawischen Staatspräsidenten Slobodan Milosevic wurde nicht beendet. Er starb 2006 in seiner Zelle in Den Haag. Während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 wurden rund 100'000 Menschen getötet. 2,2 Millionen weitere flohen oder wurden vertrieben.

SDA/rub

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