Ibiza-Video: Die fragwürdige Rolle des schillernden Detektivs

Dem Privatermittler Julian H. kommt eine zentrale Bedeutung zu im Skandal um FPÖ-Politiker Strache. Gestern hatte er einen Gerichtstermin. Und es wurden neue Details bekannt.

In die Falle gelockt: Johann Gudenus, seine Ehefrau Tajana und Heinz-Christian Strache.

In die Falle gelockt: Johann Gudenus, seine Ehefrau Tajana und Heinz-Christian Strache.

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Im letzten Mai veröffentlichten der «Spiegel» und die «Süddeutsche Zeitung» ein heimlich aufgenommenes Video, das Österreichs Politik erschütterte. Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) und Johann Gudenus, Fraktionschef der Freiheitlichen, traten von ihren Ämtern zurück. Dann brach die ÖVP/FPÖ-Regierung auseinander.

Das Skandalvideo zeigt, wie Strache mit einer angeblichen russischen Investorin über eine Zusammenarbeit redet. Dabei geht es auch um mögliche Staatsaufträge im Gegenzug für verdeckte Wahlhilfe für die FPÖ sowie um Einflussnahme auf österreichische Medien. Bei den Gesprächen in einer Villa auf Ibiza war auch ein Mann anwesend, der sich Julian Thaler nannte. Er spielte den Vertrauten der vermeintlichen Nichte eines Kreml-nahen Oligarchen. Und er hatte das Treffen auf Ibiza im Sommer 2017 organisiert, nachdem er mehrmals mit Gudenus in Kontakt gewesen war.

Beim Mittelmann im Ibiza-Video handelt es sich um Julian H., einen 38-jährigen Österreicher mit Berufserfahrungen als IT-Fachmann, Sicherheitsberater und Detektiv. Inzwischen arbeitet er als geschäftsführender Gesellschafter einer Detektei in München. Diese beschäftigt sich vor allem mit der Aufklärung von Straftaten für Unternehmen.

Szenen aus dem Ibiza-Video. Quelle: Youtube/Spiegel

Julian H. ist eine schillernde Person, über die viele Geschichten und Gerüchte kursieren. Und er wehrt sich mit rechtlichen Mitteln, wenn ihm die Berichterstattung der Medien missfällt. Aus diesem Grund hatte der Detektiv am Donnerstag einen Gerichtstermin in Berlin.

In einer Klage gegen die Wochenzeitung «Die Zeit» bestreitet er Details aus einem Artikel über seine Person, etwa Probleme mit der Polizei wegen Drogendelikten in seiner Vergangenheit oder Detektivaktionen in der juristischen Grauzone. Ausserdem soll Julian H. für das FBI und das Bundeskriminalamt Österreichs gearbeitet haben. Gemäss den Schilderungen eines früheren Chefs von Julian H. ergab sich das Bild eines Mannes mit Vorleben, «dem normale Menschen eher in Netflix-Serien begegnen». Vor Gericht forderte Julian H., dass solche Medienberichte nicht mehr erscheinen.

Mischten auch Nachrichtendienste mit?

Neue Informationen nähren nun die Vermutung, dass staatliche Stellen am Ibiza-Video beteiligt gewesen sein könnten. Der Detektiv aus München erklärte in einer eidesstattlichen Versicherung, die der Zeitung «Die Welt» vorliegt, dass er vor der Entstehung des Videos für eine Behörde eine Operation durchgeführt habe.

Waren Nachrichtendienste oder andere Behörden in die Ibiza-Affäre verwickelt? Diese Frage steht nach wie vor im Raum. Noch immer ist nicht klar, welche Personen mit welchen Motiven die FPÖ-Politiker Strache und Gudenus in die Falle lockten. Die Freiheitlichen vermuten eine Aktion von politischen Gegnern. Deren Ziel sei gewesen, der FPÖ zu schaden und deren Koalition mit der ÖVP zu Fall zu bringen.

Weitere Personen im Hintergrund

Schon wenige Wochen nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos hatte ein Anwalt aus Wien seine Beteiligung an den verdeckten Aufnahmen zugegeben. Dabei sagte er, dass es von Beginn an geplant gewesen sei, Strache und Gudenus hereinzulegen. «Mit dem Video sollte dokumentiert werden, wie gefährlich die FPÖ ist.» Es handelte sich, so der Anwalt, «um ein zivilgesellschaftlich motiviertes Projekt, bei dem investigativ-journalistische Wege beschritten wurden». Seitens des Detektivs Julian H. gibt es bislang keine Erklärungen dafür, warum er beim Ibiza-Video mitwirkte.

Neben Julian H., dem Wiener Anwalt sowie der noch nicht identifizierten «Russin» sollen im Hintergrund noch mindestens zwei weitere Personen an der Videoproduktion mitgewirkt haben, wie der «Standard »berichtet. Der Kontakt zwischen dem Lockvogel Julian H. und FPÖ-Mann Gudenus soll über eine Immobilienmaklerin hergestellt worden sein.

Erstellt: 09.08.2019, 12:49 Uhr

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