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«Ich könnte jeden Moment sterben»

Ist Recep Tayyip Erdogan nun ein Diktator? In seinem ersten Interview nach dem Referendum hat er sich und das neue Präsidialsystem verteidigt.

Der türkische Präsident beim Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN. (19. April 2017) Video: CNN

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erstmals nach dem gewonnenen Referendum über sein Präsidialsystem mit einem ausländischen Medium gesprochen. Im Gespräch mit der britischen CNN-Journalistin Becky Anderson beteuert Erdogan, das neue Präsidialsystem mache ihn nicht zum Diktator: «Dieses neue System gehört nicht Tayyip Erdogan», so der Präsident. «Ich könnte jeden Moment sterben. Kann man überhaupt ein System für eine sterbliche Person errichten?»

Bei der Abstimmung am Wochenende hatten 51,4 Prozent für eine Verfassungsänderung gestimmt, mit der die Macht beim Präsidenten konzentriert wird. Erdogan sieht darin eine generelle «Transformation in der demokratischen Geschichte der Türkei», wie er im Interview sagt. Mit der geänderten Verfassung kann er künftig per Dekret regieren, den Ausnahmezustand beschliessen, das Parlament auflösen oder Minister entlassen.

«Das ist gegenüber den Wählern respektlos»

Anderson hakt nach und fragt, was der Präsident denn seinen Kritikern antworte, die ihm vorwerfen, dass sich die Türkei unter seiner Führung auf dem Weg in eine Diktatur befinde. «Das sagen die ja schon seit 14 oder 15 Jahren», weicht Erdogan aus. Für eine Diktatur brauche man kein Präsidialsystem.

«Falls Sie sagen, Wahlurnen produzierten einen Diktator, dann ist das ungerecht und unfair für die Person, die gewählt wurde.» Zusätzlich sei es gegenüber den Wählern «respektlos».

«Die Macht der Demokratie stammt vom Volk», so der Präsident. «Das nennen wir den Willen der Nation.» Den Einwand, dass der Entscheid knapp ausgefallen sei, lässt Erdogan nicht gelten: «Ich hatte ja früher mit Fussball zu tun», erklärt er. «Es kommt nicht draufan, ob man 1:0 oder 5:0 gewinnt. Das oberste Ziel ist es, das Spiel zu gewinnen.»

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