«Ich lebe übrigens noch – aber wir gehen runter!»

Ab heute muss sich Peter Madsen für den mutmasslichen Mord an der schwedischen Journalistin Kim Wall verantworten. Kurz vor ihrem Tod schrieb sie eine letzte SMS.

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Vor dem Gericht in Kopenhagen haben sich lange Schlangen gebildet. Es ist ein spektakulärer Mordprozess, der an diesem Donnerstagmorgen begonnen hat: An Bord seines U-Boots soll Peter Madsen die Journalistin Kim Wall gefesselt, misshandelt und ermordet haben. Zahlreiche Angehörige des Opfers sind gekommen, der Angeklagte erscheint mit dunklem T-Shirt und Brille.

Zu Beginn des Prozesses lässt Madsen eine Erklärung von seiner Anwältin verlesen. Ihr Mandant bestreitet, Kim Wall ermordet zu haben. Auch im Punkt des sexuellen Missbrauchs plädiere er auf unschuldig.

Die Journalistin hatte den 47-Jährigen im August vergangenen Jahres an Bord seines selbst gebauten U-Boots besucht, um ein Interview zu führen. Einen Tag später sank das Boot in der Köge-Bucht vor Kopenhagen, Madsen wurde gerettet. Wall wurde seitdem vermisst. In den Wochen danach wurden in Gewässern rund um Kopenhagen nach und nach Teile ihrer Leiche gefunden.

Letzte SMS an ihren Freund

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen sagt bei der Anklageverlesung, dass Wall kurz vor ihrem Tod eine letzte SMS an ihren Freund geschickt habe. Aus heutiger Sicht hat der Wortlaut besondere Tragik. «Ich lebe übrigens noch – aber wir gehen runter! Ich liebe dich!!!!!! Er hat Kaffee und Biskuits mitgebracht», schrieb die Journalistin gegen 20.15 Uhr am 10. August auf Englisch. Etwa eine Viertelstunde danach sei ihr Telefon noch einmal kurz ins Internet gegangen. Das sei das letzte Lebenszeichen der 30-Jährigen gewesen, sagte Buch-Jepsen.

In jener Nacht war das U-Boot stundenlang abgetaucht. Madsen, so der Staatsanwalt, habe auf Kontaktversuche zunächst nicht reagiert. Erst am nächsten Morgen habe er einen Funkspruch abgesetzt. Er sprach dabei lediglich von technischen Problemen an seinem U-Boot.

Der Staatsanwalt zeigt eine Zeichnung von Walls Körper, auf der die Einstichstellen zu erkennen sind und erklärt, dass an der Leiche Walls keine DNA-Spuren gefunden worden seien. Allerdings habe man in Madsens Unterhose Spermaspuren sicherstellen können. Ausserdem zeigt er Fotos von Metallteilen, mit denen die Plastiksäcke mit den Leichenteilen beschwert worden sein sollen.

Angeklagter präsentierte verschiedene Versionen

Die Anklage geht von einem planvollen Verbrechen aus, unter anderem deshalb, weil Madsen Werkzeuge an Bord des U-Boots mitgenommen habe, die er sonst nicht mit sich führte. Sie strebt eine lebenslange Verurteilung an. Madsens Verteidigerin Betina Hald Engmark will auf unschuldig plädieren. Das auf zwölf Prozesstage angesetzte Verfahren soll bis zum 25. April dauern.

Madsen gibt lediglich zu, die Leiche der jungen Frau zerteilt und über Bord geworfen zu haben. Der Angeklagte hat in Vernehmungen mit der Polizei allerdings mehrfach seine Aussage geändert und verschiedene Versionen der Ereignisse im Inneren des U-Bootes präsentiert.

Kurz nach dem Untergang des U-Bootes erklärte Madsen zunächst, er habe Wall abgesetzt und wisse nicht, wo sie sei. Als erste Teile der verstümmelten Leiche gefunden wurden, sagte er, die 30-Jährige sei bei einem Unfall von einer schweren U-Boot-Luke erschlagen worden. Als die Ermittler den Schädel fanden, der keine Brüche aufwies, sagte Madsen, Wall sei an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben, während er an Deck war.

Foltervideos auf dem Computer

Vor Gericht präsentiert er nun erneut eine andere Version: Wall sei erstickt, weil sich Unterdruck im Boot gebildet habe. Er habe etwas reparieren wollen, deshalb einen Kompressor und zwei Motoren gestartet und sei durch eine Luke nach draussen geklettert, die sich anschliessend nicht mehr habe öffnen lassen, sagte Madsen. Erst nach einer Weile sei sie wieder aufgegangen. Dabei sei ihm sei warme Luft entgegengekommen und er habe gesehen, wie Wall leblos im Boot lag.

Auf dem Computer des U-Boot-Konstrukteurs fand die Polizei bei einer Durchsuchung mehrere Wochen nach der Tat Videos, in denen Frauen gequält und auch getötet wurden. Madsen gab damals an, nichts von diesen Videos gewusst zu haben. Zu seinem Computer hätten mehrere Personen Zugang.

(Mit Material der Agenturen) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2018, 15:05 Uhr

Die schwedische Journalistin Kim Wall.

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