Zum Hauptinhalt springen

«Ich liebe den Tod so wie ihr das Leben»

Die von TF1 veröffentlichten Aufnahmen der Verhandlungen zwischen dem Attentäter von Toulouse und der Polizei sorgen für Empörung. Angehörige der Opfer sind entsetzt.

Höchst umstritten: Der französische Sender TF1 hatte am Sonntagabend Auszüge der Verhandlungen zwischen dem Attentäter von Toulouse und der Polizei ausgestrahlt.
Höchst umstritten: Der französische Sender TF1 hatte am Sonntagabend Auszüge der Verhandlungen zwischen dem Attentäter von Toulouse und der Polizei ausgestrahlt.
Youtube
Eigenaufnahme von Mohammed Merah beim Autorennen: Auch seine Verbrechen filmte der Attentäter mit einer Minikamera.
Eigenaufnahme von Mohammed Merah beim Autorennen: Auch seine Verbrechen filmte der Attentäter mit einer Minikamera.
Keystone
Französische Tageszeitungen im März 2012: Der Fall Mohammed Merah hatte in Frankreich für grosses Entsetzen gesorgt.
Französische Tageszeitungen im März 2012: Der Fall Mohammed Merah hatte in Frankreich für grosses Entsetzen gesorgt.
Keystone
1 / 6

Angehörige der Opfer des «Attentäters von Toulouse» zeigten sich schockiert und entsetzt. Zwei Opferanwälte kündigten am Montag einen Eilantrag an, um eine weitere Ausstrahlung verbieten zu lassen. Ein Anwalt hob hervor, dass demnächst wohl «die Videos der Morde im Fernsehen gezeigt werden und der Schaden wäre dann nicht wiedergutzumachen». Merah hatte seine Bluttaten mit einer Minikamera gefilmt; die Aufnahmen hatte die Justiz beschlagnahmt, sie wurden aber auch Fernsehsendern zugestellt.

Auch Minister sind schockiert

Der französische Sender TF1 hatte am Sonntagabend im Rahmen der Sendung «Sept à huit» Auszüge aus den Verhandlungen zwischen dem Attentäter von Toulouse Mohammed Merah und der Polizei ausgestrahlt. Darin sprach Merah über seine Verbrechen, schilderte weitere Attentatspläne und berichtete von seinem Training durch pakistanische Taliban. Merah versicherte, er habe «keine Angst vor dem Tod» und sagte den Beamten: «Ich weiss, dass ihr mich erschiessen könntet, das ist ein Risiko, das ich eingehe» und erklärte weiter: «Ich liebe den Tod so wie ihr das Leben».

Auch Innenminister Manuel Valls verurteilte die Ausstrahlung der Aufnahmen und warf TF1 vor, «keine Massnahmen zum Schutz der Opfer» ergriffen zu haben. Die ehemalige Ministerin Valérie Pécresse zeigte sich «schockiert» und appellierte an das «Verantwortungsbewusstsein» der Fernseh- und Radiosender. «Ich habe Angst, dass es zu einem Nachahmeffekt kommen könnte, oder dass gegenüber diesem Mann, der monströse Verbrechen begangen hat, Sympathien gehegt werden könnten.» Die Abgeordnete des Departements Yvelines wünscht eine Untersuchung, «damit wir verstehen, warum und wie diese Dokumente veröffentlicht werden konnten», erklärte Pécresse.

TF1 weist Vorwürfe zurück

Die Nachrichtenchefin von TF1, Catherine Nayl, wies den Vorwurf des Sensationsjournalismus zurück. Die gesendeten Auszüge umfassten «sehr wichtige Informationen über die Art und Weise, wie die Männer der französischen Eliteeinheit Raid verhandelt haben», sagte Nayl der Nachrichtenagentur AFP. Das Dokument beweise, dass die Polizisten bis zum Schluss versucht hätten, Merah lebend zu ergreifen.

Die Attentatserie des 23-jährigen Mohamed Merah hatte im März in Frankreich und darüber hinaus für Entsetzen gesorgt. Bei drei Attentaten hatte er im Grossraum Toulouse in Südfrankreich insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer vor einer jüdischen Schule. Nach 32-stündiger Belagerung seiner Wohnung wurde Merah am 22. März von Polizisten der Eliteeinheit Raid erschossen. Merahs Vater hatte daraufhin Anzeige erstattet, weil die Polizei seinen Sohn seiner Ansicht nach absichtlich erschossen hatte.

(cor)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch