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Im Epizentrum der Revolte

Marseille spielt eine Vorreiterrolle im Kampf gegen die Rentenreform: mit Müllbergen und Hafenblockaden. Eine Seelenschau der rebellischsten Stadt Frankreichs.

Berge von Abfall: Aufgebotene Zivilschützer räumen den Müll von den Strassen Marseilles.
Berge von Abfall: Aufgebotene Zivilschützer räumen den Müll von den Strassen Marseilles.
Reuters

Wenn der Mistral nicht so mächtig bliese und allen Gestank aufs Meer hinaustrüge, würde Marseille gerade sehr übel riechen. Der Wind aber wischt die Schwaden weg, die sich über den modernden Müllbergen in den Strassen und den Gassen bilden. Er wirbelt den Kehricht auch auf, treibt ihn durch die Boulevards. Überall liegt Abfall: vor den Bäckereien und Brasserien, am Eingangstor der Spitäler, an der Canebière – der Ladenstrasse, so etwas wie die Bahnhofstrasse Marseilles. Am Gemüse- und Fleischmarkt im arabischen Viertel türmte sich die faulende, unverkaufte Ware nach einigen Tagen so hoch und so bedrohlich, dass der Präfekt 150 Soldaten und Zivilschützer aufbot, um den Berg abzutragen. Die Leute steigen mit Ausfallschritten über den Müll, schütteln den Kopf: genervt, aber erstaunlich geduldig. Fatalistisch, aber solidarisch mit den streikenden Kehrichtmännern.

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