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Im Würgegriff der Wegelagerer

Kosovos neue Regierung unterwandert den jungen Staat mit militanten Anhängern.

In der kleinen Balkanrepublik Kosovo hat eine Chaostruppe die Macht übernommen. Der neue Premierminister Ramush Haradinaj gefällt sich in der Rolle des zupackenden Kriegshelden, doch in seiner Vergangenheit gibt es Schatten, die ihn für das hohe Amt disqualifizieren. Für das UNO-Kriegsverbrechertribunal bestehen keine Zweifel, dass der Haudegen mit seinem mafiaähnlichen Netzwerk Zeugen eingeschüchtert hat. Vor allem deshalb sind zwei Prozesse gegen ihn in Den Haag gescheitert. Westliche Ermittler bringen Haradinajs Clan auch mit Schutzgelderpressung in Verbindung. Mehrere Minister gelten als korrupt, einer soll die Entlassung von zwei Polizisten durchgesetzt haben, weil sie ihn als Verkehrssünder gebüsst hatten.

Hinter Haradinaj steht eine Parteienkoalition der ehemaligen Kommandanten der kosovarischen Befreiungsarmee UÇK, die den jungen Staat wie Wegelagerer im Würgegriff halten und mit militanten Anhängern unterwandern. Auch deshalb war keine der grossen kosovo-albanischen Parteien bereit, mit den politischen Kräften zu koalieren, die aus der Rebellenarmee hervorgegangen sind. Die entscheidenden Stimmen für die Wahl Haradinajs lieferte eine Partei der serbischen Minderheit, die direkt von Belgrad gesteuert wird. Gleichzeitig will Serbien den Kosovo-Premier weiterhin mit internationalem Haftbefehl suchen – wegen mutmasslicher Kriegsverbrechen. So etwas nennt sich balkanischer Machiavellismus.

Dem einstigen Kriegsfeind Serbien, dessen Armee und Polizei fast 10'000 Kosovo-Albaner ermordet haben, kommt eine schwache Regierung in Pristina gerade recht: Sie kann jederzeit gestürzt oder erpresst werden. Im Parlament hat der neue Premier eine hauchdünne Mehrheit. Eine grosse, zum Teil militante Opposition wird weitere Konzessionen an Serbien ablehnen, wenn sich das Nachbarland mit der Unabhängigkeit Kosovos nicht abfindet. Hier müssen die EU und die USA ansetzen und Belgrad dazu bringen, seine Sabotagepolitik in Kosovo zu beenden. Mindestens genauso wichtig ist es aber auch, dass der Westen die Kumpanei mit den kosovo-albanischen Kriegsveteranen beendet.

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