IS-Kämpfer – «eine Zeitbombe für Russland»

Im Nordkaukasus haben russische Soldaten eine Bande von IS-Terroristen liquidiert. Russland fürchtet zunehmend die Rückkehr von IS-Söldnern aus dem Nahen Osten.

Einer der meistgesuchten Jihadisten: Abu Omar al-Schischani, auch bekannt als «Omar, der Tschetschene».

Einer der meistgesuchten Jihadisten: Abu Omar al-Schischani, auch bekannt als «Omar, der Tschetschene».

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Das sogenannte Kaukasische Emirat, eine Organisation selbst ernannter Gotteskrieger, hat sich gemäss einer im Juli verbreiteten Internetbotschaft dem Islamischen Staat (IS) angeschlossen. Und es hat gleichzeitig ein «Gouvernement» im Nordkaukasus ausgerufen. Das ist nach Ansicht von Experten ein weiteres Anzeichen, dass die Terrormiliz ihren Einfluss in den russischen Teilrepubliken Tschetschenien, Dagestan und Inguschetien auszubauen gedenkt. Das «Gouvernement» kann auf militärische und finanzielle Unterstützung des IS hoffen. Damit wächst die Gefahr eines erstarkenden Jihadismus im notorisch unruhigen Nordkaukasus. Gordon Hahn, Russland-Experte des US-Thinktanks Geostrategic Forecasting, spricht laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von einer «Zeitbombe für Russland».

Die russischen Sicherheitsbehörden fürchten insbesondere die Rückkehr von Kämpfern, die sich derzeit für den IS im Irak und in Syrien verdingen. Der Geheimdienst FSB schätzt die Zahl der russischen IS-Kämpfer auf bis zu 5000, wobei die Mehrheit dieser Söldner aus Tschetschenien stammt. Einer von ihnen hat es gemäss Medienberichten in den Führungszirkel der Terrormiliz geschafft: Tarkhan Batiraschwili, Sohn eines Georgiers und einer Tschetschenin. Mittlerweile heisst der 29-Jährige Abu Omar al-Schischani. Man nennt ihn auch «Omar, der Tschetschene».

«Omar, der Tschetschene» droht mit Rache

Ein grosser Teil der Jihadisten aus dem Nordkaukasus wird in die Heimat zurückkehren, kampferprobt und möglicherweise noch radikaler als zuvor. In den russischen Medien häufen sich die Berichte über die jihadistische Bedrohung. «Omar, der Tschetschene» soll Russland Rache angedroht haben. Die Tschetschenienkriege, die Russland in den 1990er-Jahren mit unerbittlicher Härte und Rücksichtslosigkeit geführt hatte, sind nicht vergessen. Zudem ist der Hass der islamischen Extremisten auf Russland historisch tief verwurzelt. Sie sehen sich dazu berufen, den Kampf der nordkaukasischen Völker gegen Russland seit dem 19. Jahrhundert fortzusetzen. In einem «Focus»-Interview äusserte der deutsche Terrorexperte Udo Steinbach die Ansicht, dass die Jihadisten eine Art Befreiungskrieg im Namen Allahs führen wollten.

Im Moment sind die Jihadisten im Nordkaukasus nicht so stark, dass sie eine wirksame separatistische Bewegung organisieren könnten. Aber sie können mit Terroranschlägen die Lage in den russischen Teilrepubliken destabilisieren und den Terror wieder in das russische Kernland tragen. Wie zum Beispiel im Dezember 2013, als islamistische Attentäter in Wolgograd Dutzende Menschen in den Tod rissen.

Kaukasus-Emir Umarow getötet

Russland führt schon seit Jahren einen Antiterrorkampf im Nordkaukasus. Im Frühjahr 2014 gelang es Spezialeinheiten, den selbst ernannten «Emir des Kaukasus», Doku Umarow, zu töten. Im Kampf gegen die Jihadisten kann sich der Kreml auf den Putin-treuen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow verlassen.

Einen Erfolg vermeldeten die russischen Sicherheitsbehörden am gestrigen Sonntag. Sondereinheiten sei es in Gebirgswäldern in Inguschetien gelungen, acht mutmassliche Mitglieder der Terrormiliz IS zu töten. Unter den Opfern befand sich angeblich auch Adam Tagilow, Anführer einer IS-Zelle im Nordkaukasus. Tagilow soll verantwortlich sein für einen Anschlag in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, bei dem im vergangenen Dezember 25 Menschen ums Leben gekommen waren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.08.2015, 14:05 Uhr

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