Ist Steve Bannon in Europa gescheitert?

Sein Traum von einer Denkfabrik in einem italienischen Kloster ist geplatzt. Und Bannon hat seinen wichtigsten Verbündeten verloren.

Ein eindrücklicher Bau inmitten von Tannen- und Eichenwäldern: Die Klosteranlage Trisulti südöstlich von Rom. Foto: Adam Eastland (Prisma)

Ein eindrücklicher Bau inmitten von Tannen- und Eichenwäldern: Die Klosteranlage Trisulti südöstlich von Rom. Foto: Adam Eastland (Prisma)

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Es hätte ein Refugium der Kontemplation und der Reflexion werden sollen. Eine Akademie, die Politiker und Geistliche im christlichen Denken festigt. Steve Bannons Projekt hat unbestritten einen romantischen und mönchischen Anstrich: In der weitläufigen Klosteranlage Trisulti südöstlich von Rom, umgeben von Eichen- und Tannenwäldern und mit Blick auf den Apennin, wollte er eine rechte Elite heranbilden. Die Kaderschmiede «zur Verteidigung des christlichen Abendlandes» nannte der frühere Wahlkampf- und Kommunikationsberater von US-Präsident Donald Trump auch schon eine «Gladiatorenschule für Kulturkämpfer», für Populisten und Nationalisten.

Doch jetzt verliert Bannon seinen wichtigsten Verbündeten, den US-Kardinal Raymond Leo Burke. Der 80-Jährige trat letzte Woche unvermittelt als Ehrenvorsitzender des Dignitatis Humanae Institute (DHI), wie Bannons Thinktank heisst, zurück. Dabei schienen Bannon und Burke Seelenverwandte zu sein – geeint im Kampf gegen Säkularismus, Kommunismus und Islamismus, geeint auch in der Opposition gegen Papst Franziskus, der mit seinem Engagement für Flüchtlinge, Klimaziele und den Dialog mit anderen Religionen, namentlich dem Islam, einer ganz und gar linken Agenda zu folgen scheint.

Unterschiedliche Ansichten

Für Bannon ist Franziskus ein Marxist auf dem Papstthron und für Burke ein Häretiker, der sogar Wiederverheiratete zur Kommunion zulassen will. Längst hat sich Burke im Vatikan mit seinen ­Attacken gegen den Papst ins ­Abseits manövriert, ist aber die Galionsfigur der reformkritischen Würdenträger geblieben. Kein Wunder, sind es innerkatholische Fragen der Kirchendisziplin, die Burke und Bannon jetzt entzweien. Letzterer kann sich etwa einen vom Zölibat befreiten Klerus vorstellen, was für Burke ein Frevel wäre. Unmittelbarer Anlass zum Bruch war ein Gespräch im Pariser Hotel Bristol zwischen Bannon und dem französischen Autor Frédéric Martel. Bannon wollte dessen Bestseller «Sodoma» über das verdeckte homosexuelle System im Vatikan verfilmen – für den homophoben Burke ein Affront. Schliesslich hat Martel im Buch die opulent ausgestattete römische Wohnung des Kardinals und dessen Hang für Schleppen, Brokat und Spitzen detailreich beschrieben. Burke stört auch, dass sich DHI zunehmend mit Bannons politischem Programm identifiziere.

Steve Bannon bleibt in Europa erfolglos. Foto: EPA

Ungemach droht Bannon und seinem DHI-Direktor Benjamin Harnwell auch von anderer Seite, in Form etwa einer uner­warteten Immobiliensteuer von 82'000 Euro und Ermittlungen der römischen Staatsanwaltschaft. «Wegen Verletzung verschiedener vertraglicher Verpflichtungen» hatte das italienische Kulturministerium, dem die 800-jährige Abtei in Trisulti als staatliches Kulturgut untersteht, im Mai ein Verfahren zum Entzug der Pacht eingeleitet. Letzte Woche nun bestätigte Italiens Kulturminister Alberto Bonisoli, dem Trägerverein von DHI werde die Konzession zur Nutzung des Klosterareals entzogen. DHI hatte es 2018 als Pächter übernommen, um dort angeblich eine theologische Akademie zu eröffnen. Seither ist die Sanierung der uralten Klosteranlage kaum vorangekommen. Es wird gemunkelt, dass die Rechtskatholikin Fürstin Gloria von Thurn und Taxis der Denkfabrik finanziell unter die Arme greifen könnte.

Auf Distanz zu Bannon

Der Brite Harnwell denkt jedenfalls nicht daran, aufzugeben, und will das «illegitime Manöver» des Kulturministeriums anfechten. Er, der früher für einen britischen Abgeordneten in Brüssel arbeitete und die Überregulierung der EU hassen lernte, ist überzeugt, in Trisulti «an der wichtigsten politischen Schlacht unserer Zeit teilzunehmen». Politiker, die christliche Werte hochhielten, würden in Europa als Rechts­extremisten beschimpft. Leider habe auch Papst Franziskus anders als sein Vorgänger Benedikt die christlich-westliche Zivilisation aus den Augen verloren.

Insgesamt ist Bannon in Europa nicht der Einfluss beschieden, den er sich erhofft hatte. Gleichzeitig mit dem Bildungsprojekt im Kloster Tri­sulti hatte der ehemalige Chef der reaktionären «Breitbart News» die Sammelbewegung The Movement gegründet, in der Hoffnung, diese werde vor den Europawahlen zum Dach aller rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien Europas. Doch sind diese zu Bannon eher auf Distanz gegangen. Sie haben ihm signalisiert, dass sie nicht auf seine Unterstützung angewiesen sind.

Erstellt: 01.07.2019, 19:30 Uhr

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