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Schiffe mit geretteten Flüchtlingen müssen auf dem Meer bleiben

Italien lässt ein Rettungsschiff und ein dänisches Containerschiff nicht in seine Häfen einlaufen, weil Flüchtlinge an Bord sind.

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Auf dem Hilfsschiff «Lifeline» warten über 200 aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge in Ungewissheit auf die Einfahrt in einen italienischen Hafen. Nachdem Italien am Freitag gedroht hatte, das Schiff zu beschlagnahmen, musste das von der deutschen Hilfsorganisation Mission Lifeline betriebene Schiff mit 239 Flüchtlingen an Bord am Sonntag weiter in internationalen Gewässern nahe Malta warten. Der Inselstaat sowie Italien hatten dem Schiff das Anlaufen eines Hafens verweigert. Am Sonntag trafen Hilfslieferungen an Bord ein.

Derweil berieten in Brüssel am Sonntag die Vertreter von 16 EU-Staaten über den stärkeren Schutz der Aussengrenzen und die Verhinderung der Weiterreise von Asylbewerbern innerhalb Europas. Italiens neue Regierung weigert sich, weitere Flüchtlinge aufzunehmen.

«Italien anlaufen - das können sie vergessen!» hatte Italiens Innenminister Matteo Salvini am Samstag auf Facebook geschrieben. «Ich will dem Geschäft der Schlepper und der Mafia ein Ende setzen.» Der Politiker der fremdenfeindlichen Lega-Partei hatte die geretteten Flüchtlinge zudem als «Menschenfleisch» bezeichnet. Mission Lifeline empörte sich am Sonntag über diese Äusserung.

«Kein Fleisch an Bord, nur Menschen»

«Lieber Matteo Salvini, wir haben kein Fleisch an Bord, nur Menschen», antwortete die Hilfsorganisation auf ihrer Facebook-Seite. «Wir laden Sie herzlich ein, sich davon zu überzeugen, dass das Menschen sind, die wir vor dem Ertrinken gerettet haben. Sehen Sie selbst, Sie sind herzlich willkommen.»

Unter den 239 Flüchtlingen auf der «Lifeline» sind 14 Frauen und vier Babys. Die Flüchtlinge waren am Mittwoch nahe der libyschen Küste gerettet worden. Am Sonntag traf nach Angaben der Organisation eine Versorgungslieferung aus Malta ein, die Trinkwasser und Lebensmittel enthielt. Die Schiffe «Sea-Eye» und «Sea-Watch» hätten zudem Medikamente und Decken gebracht, hiess es auf Facebook.

Italien wirft der «Lifeline» sowie dem Schiff «Seefuchs» der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye vor, ohne rechtliche Grundlage unter niederländischer Flagge zu fahren. Die Organisationen weisen dies zurück. Zudem beschuldigt Italien Nichtregierungsorganisationen generell, mit Schleppern unter einer Decke zu stecken. Rom wirft den Helfern auf der «Lifeline» vor, gegen internationales Recht verstossen zu haben, als die vor der libyschen Küste Flüchtlinge an Bord nahmen, obwohl bereits die libysche Küstenwache im Einsatz gewesen sei.

Die Hilfsorganisation Lifeline hatte sich am Freitag gegen die Attacken der italienischen Regierung verteidigt. Die Rettung Hunderter Menschen am Donnerstag sei in internationalen und nicht in libyschen Gewässern erfolgt, wie Italien behaupte, schrieb die Organisation auf Twitter.

Warten auf diplomatische Lösung

Das Schiff warte auf eine diplomatische Lösung, sagte Axel Steier von der Hilfsorganisation Lifeline am Samstag. Auf der Suche nach einem Hafen liefen Gespräche mit mehreren Staaten, die die Flüchtlinge an Bord aufnehmen könnten. Am Sonntag werde eine Versorgungslieferung aus Malta erwartet, um Decken, Medikamente und Nahrung für die 230 Flüchtlinge an Bord zu bringen.

Steier betonte, die Papiere des Schiffes seien in Ordnung. Er fürchte eine ähnliche Situation wie bei dem Flüchtlings-Hilfsschiff «Aquarius», das vor einer Woche tagelang mit 630 Flüchtlingen an Bord über das Mittelmeer geirrt war, nachdem Italien ihm das Anlaufen seiner Häfen verweigert hatte. Die «Aquarius» konnte schliesslich im spanischen Valencia anlegen.

Der maltesische Regierungschef Joseph Muscat schrieb unterdessen auf Twitter, die «Lifeline» habe «die Regeln gebrochen», indem sie Anweisungen der italienischen Regierung ignoriert habe. Das Schiff solle «an sein ursprüngliches Ziel zurückkehren, um eine Eskalation zu vermeiden».

Unterstützung von dänischer Reederei

Die dänische Reederei Maersk Line berichtete derweil, eines ihrer Containerschiffe, die Alexander Maersk, habe nahe der italienischen Küste 113 Flüchtlinge aus Seenot gerettet. Die Besatzung der «Lifeline» half dabei, die Flüchtlinge von einem Schlauchboot an Bord des Containerschiffs zu bringen. Auch das Containerschiff wartet nun vor Italien auf die Einfahrt in einen Hafen.

Die spanische Seenotrettung brachte bei drei Rettungseinsätzen am Samstag insgesamt 569 Menschen in Sicherheit. Vor der libyschen Küste wurden nach Angaben der libyschen Marine fast 200 Flüchtlinge gerettet, fünf Menschen ertranken. Wegen des guten Wetters nahm die Zahl der Flüchtlinge, die von Libyen aus in häufig kaum seetauglichen Booten in Richtung Europa aufbrechen, in den vergangenen Wochen wieder zu.

(SDA)

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