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Jackett, Papst, E-Zigarette

Lesbos’ Bürgermeister Spyros Galinos durchlebt eine verrückte Zeit.

«Einen Ort der Solidarität, des Friedens und des Lichtes» will Galinos dem Papst präsentieren. Foto: Alamy
«Einen Ort der Solidarität, des Friedens und des Lichtes» will Galinos dem Papst präsentieren. Foto: Alamy

Spyros Galinos erlebt verrückte Abenteuer, seit er 2014 die Bürgermeisterwahl auf Lesbos gewann. Der Flüchtlingskrise kann sich auf der Insel niemand entziehen, dafür ist sie schlicht zu klein. Und er, der Bürgermeister, schon gar nicht. An einem Tag im Herbst wurde der 64-jährige Politiker sogar zum Rettungsschwimmer. Ein Flüchtlingsboot steuerte auf den Hafen zu, als er einen offiziellen Termin hatte. Es sah nicht danach aus, dass das Boot die letzten paar Hundert Meter schaffen würde. Die Leute schrien um Hilfe. Galinos entschuldigte sich bei seinen Gesprächspartnern mit den Worten, dass er jetzt gebraucht werde. Er legte das Sakko ab und sprang ins Wasser, um zu helfen.

In Spitzenzeiten kamen täglich mehrere Tausend allein auf dieser einen Insel an. Sie wurde zum Symbol für Europas Hilflosigkeit. Fernseh­bilder zeigen schon lang nicht mehr Strände und Häuser, sondern meist nur noch den sogenannten Hotspot in Moria. Die betongewordene Angst, die Europa vor den Flüchtlingen hat. Aus Galinos Sicht ist es nur folgerichtig, dass er am kommenden Samstag Besuch vom Papst bekommt. Es gehört aber noch viel Vorstellungskraft dazu, in dieser Insel «einen Ort der Solidarität, des Friedens und des Lichtes» zu sehen, wie Galinos sagt. Aber genau diesen Ort will er dem Papst zeigen.

Mytilini kaum wiedererkannt

Galinos sitzt in seiner Amtsstube, saugt an seiner E-Zigarette und denkt an die Zeit zurück, als allein im Hafen noch Hunderte Flüchtlings­familien ihre Zelte aufgeschlagen hatten. Er habe Mytilini kaum wiedererkannt. So viele Ver­zweifelte waren angekommen. Vergangenes Jahr im Spätsommer ging es drunter und drüber. Er habe sich in den vergangenen Monaten oft von den grossen, starken Ländern Europas im Stich gelassen gefühlt. Konnte es wirklich sein, dass diese mächtigen Staaten sich weniger Hilfsbereitschaft zutrauen als er und seine Insel? Wenn Galinos in dieser Krise etwas Schönes erkennen will, dann das Mitgefühl der Menschen. Tausende freiwillige Helfer reisten nach Lesbos, um mit?anzu­packen. «Unsere Insel ist schöner ­geworden», glaubt Galinos.

Monate bevor die EU die Türkei zum Partner machte und beide einen Flüchtlingspakt schlossen, hatte Galinos vorgeschlagen, die Migranten mit Fähren aus der Türkei abzuholen. Ihnen sollte die lebensgefährliche Überfahrt erspart bleiben. Kein einfacher Standpunkt für einen Politiker wie Galinos, der früher Generalsekretär der rechtspopulistischen Partei Anel war. Sie ist Juniorpartner der Regierung von Premier Alexis Tsipras und steht nicht gerade für Willkommenskultur. Galinos denkt heute zuerst an seine Insel.

Und er denkt schon an die Zeit nach der Krise. Wenn der Flüchtlingsdeal mit der Türkei hält, dann dürften bald kaum noch Flüchtlinge nach Lesbos kommen. Dann muss sich die heutige Flüchtlingsinsel noch einmal neu erfinden, damit bald die Touristen wiederkommen.

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