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Joe Ackermann auf Liste der Plagiatsjäger

Nach dem Fall Guttenberg nehmen Online-Aktivisten andere Prominente mit Doktortitel ins Visier. Eine Website nennt 200 Dissertationen, die auf Plagiate geprüft werden sollen. Problematisch ist der Generalverdacht.

Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank (Titel der Doktorarbeit: «Der Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen: Eine theoretische Analyse»)
Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank (Titel der Doktorarbeit: «Der Einfluss des Geldes auf das reale Wirtschaftsgeschehen: Eine theoretische Analyse»)
Keystone
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel («Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden»)
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel («Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden»)
Keystone
Gabriele Pauli, fraktionslose Abgeordnete im Bayerischen Landtag («Polit-PR – strategische Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien – zur PR-Praxis der CSU»)
Gabriele Pauli, fraktionslose Abgeordnete im Bayerischen Landtag («Polit-PR – strategische Öffentlichkeitsarbeit politischer Parteien – zur PR-Praxis der CSU»)
Keystone
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Nach Karl-Theodor zu Guttenberg hat am Mittwoch auch Silvana Koch-Mehrin, FDP-Politikerin im Europaparlament, wegen einer Plagiatsaffäre alle politischen Ämter niedergelegt und den Doktortitel verloren. Fast gleichzeitig wurde Veronica Sass, Tochter von Edmund Stoiber, Ex-Ministerpräsident Bayerns, die Doktorwürde aberkannt. Es waren im Wesentlichen Plagiatsjäger im Internet, die Guttenberg, Koch-Mehrin und Sass zu Fall gebracht haben. Und die Online-Aktivisten wollen weitermachen, wie «Spiegel online» berichtet.

Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die eine Dissertation verfassten, müssen zittern, falls ihre Arbeiten nicht den wissenschaftlichen Standards entsprechen. Sie könnten ins Visier der Plagiatsjäger geraten. Diese veröffentlichen ihre Ergebnisse auf Webseiten wie «Guttenplag-Wiki», «Vroniplag-Wiki» oder «Plagipedi-Wiki».

Vorschläge für Überprüfungen

Plagipedi-Wiki hat eine Liste von 200 Doktorarbeiten zusammengestellt, die zur Überprüfung vorgeschlagen werden. Die Verfasser der Dissertationen sind Prominente aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kirche – von Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, über Kanzlerin Angela Merkel und Joseph Ratzinger respektive Papst Benedikt XVI. bis zu Einwanderungskritiker Thilo Sarrazin und Grünen-Politiker Jürgen Trittin. Bei den Politikern ist das ganze Parteienspektrum vertreten. Auch mehrere Mitglieder der deutschen Regierung sind aufgeführt – neben der Kanzlerin auch Finanzminister Wolfgang Schäuble, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Aussenminister Guido Westerwelle.

Auf der Liste ist auch Andreas Fischer-Lescano, der Rechtswissenschaftler der Universität Bremen, der als erste Person den Plagiatsvorwurf gegen Guttenberg geäussert hatte. Unter den 200 Dissertationen befindet sich auch die Arbeit «Die Klein-AG der Schweiz», die vom früheren österreichischen Finanzminister Karl-Heinz Grasser verfasst wurde. Die Arbeit der Plagiatsjäger steht erst am Anfang. Die Einträge zu einzelnen Namen sind rudimentär. Bisher liegen nur vage Verdächtigungen gegen diese Prominenten vor.

Vorverurteilung von umstrittenen Personen?

Bei solchen Personenlisten, die an einen Pranger erinnern und wie Vorverurteilungen wirken, stellt sich die Frage, was die Motivation der anonymen Plagiatsjäger sein könnte. «Die Idee dahinter ist keinesfalls die Unterstellung, dass es sich bei den gelisteten Arbeiten um Plagiate handelt, sondern es ist der Versuch einer öffentlichen Dokumentation in Form einer Datenbank», heisst es auf der Webseite Plagipedi-Wiki.

Dennoch: «Einige Plagiatsjäger scheint eher die Abneigung gegen bestimmte Personen und Posten anzutreiben als ein unvoreingenommener Erkenntniswille», schreibt «Spiegel online» zu Recht. Zum Teil werde die Unschuldsvermutung umgekehrt. Und weiter: «Der Generalverdacht ist ein Problem der Plagiatsjäger.»

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