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Journalisten berichten aus dem Zentrum von Slowjansk

Am Rand der ostukrainischen Stadt Slowjansk bricht Gewalt aus, es kommt zu Toten. Im Zentrum halten sich Journalisten auf und schreiben auf Twitter.

Sturm auf weitere Verwaltungsgebäude in der Ostukraine: Prorussische Separatisten in Lugansk.
Sturm auf weitere Verwaltungsgebäude in der Ostukraine: Prorussische Separatisten in Lugansk.
Reuters
Bietet die festgehaltenen Militärbeobachter, wenn die EU ihre neuen Sanktionen zurücknimmt: Der selbsternannte Bürgermeister von Slowjansk Wacheslaw Ponomarew. (28. April 2014)
Bietet die festgehaltenen Militärbeobachter, wenn die EU ihre neuen Sanktionen zurücknimmt: Der selbsternannte Bürgermeister von Slowjansk Wacheslaw Ponomarew. (28. April 2014)
Alexander Zemlianichenko, Keystone
Die Nato verstärkt wegen der Ukraine-Krise ihre Präsenz an der Ostgrenze: Die ersten amerikanischen Soldaten treffen im polnischen Swidwin ein. (23. April 2014)
Die Nato verstärkt wegen der Ukraine-Krise ihre Präsenz an der Ostgrenze: Die ersten amerikanischen Soldaten treffen im polnischen Swidwin ein. (23. April 2014)
Janek Skarzynski, AFP
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Am Dienstag hatte die ukrainische Regierung angekündigt, die über die Osterfeiertage gestoppte «Anti-Terror-Operation» gegen prorussische Separatisten im Osten des Landes fortzusetzen. Heute rückte dann das Militär gegen die Aktivisten in Slowjansk vor, mehrere Menschen starben bei dem Einsatz.

Die ukrainische Armee geht gegen Separatisten in Slowjansk vor. (Quelle: Youtube/RafaVideoart)

Die Reaktion aus Moskau liess nicht lange auf sich warten: Von einem «Verbrechen am eigenen Volk» sprach Russlands Präsident Wladimir Putin laut der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Der Einsatz der ukrainischen Armee werde «ohne Frage Konsequenzen für diejenigen haben, die diese Entscheidungen treffen, vor allem für die zwischenstaatlichen Beziehungen», erklärte er vor den Medien in St. Petersburg. Gleichzeitig sah sich Putin durch den Einsatz des ukrainischen Militärs in Slowjansk bestätigt: «Die Ereignisse zeigen, dass die Annexion der Krim richtig war.»

Auch die prorussischen Separatisten reagierten umgehend: Vertreter der kürzlich ausgerufenen «Volksrepublik Donezk» kündigten gemäss der ukrainischen Nachrichtenagentur Interfax die «Mobilisierung aller Kräfte in der Region» an. «In Slowjansk hat eine Militäroperation begonnen – das bedeutet Bürgerkrieg», erklärte einer der Aktivisten. Auch der selbst ernannte Chef der Verwaltung in Slowjansk, Wjatscheslaw Ponomarjow, gab sich kämpferisch: «Wir werden die Stadt in ein Stalingrad verwandeln», sagte er heute vor den Medien. Die Schlacht von Stalingrad im Winter 1942/43 gilt als eine der bekanntesten während des Zweiten Weltkriegs – und als Wendepunkt im Kampf der Roten Armee gegen die deutsche Wehrmacht.

Möglicher Sturm in der Nacht

Die Lage vor Ort ist unterdessen unübersichtlich. Mehrere Journalisten berichteten, wie die ukrainische Armee südlich von Slowjansk Kontrollpunkte errichtet. Laut einem BBC-Reporter, der sich vor Ort befindet, ist die Lage in Slowjansk selbst weitestgehend ruhig, das bestätigt auch die Korrespondentin der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ). Auf den Strassen der Stadt seien Zivilisten unterwegs, obwohl die Armee zuvor die Anwohner aufgefordert hatte, in ihren Häusern zu bleiben. Ein Korrespondent des «Guardian» stellte ein Foto der von der Armee verteilten Flugblätter auf Twitter, in denen die Bevölkerung dazu aufgerufen wird, «sich von russischen Terroristen fernzuhalten».

Wie mehrere Reporter auf Twitter schreiben, versucht das Militär offenbar die Stadt einzukreisen. Gegenüber der FAZ sprachen Aktivisten von einem möglichen Sturm auf die Stadt in der Nacht auf morgen. Der deutsche Journalist Dirk Emmerich berichtet derweil auf Twitter von Kontrollpunkten ausserhalb der Stadt.

Auch ein Reporter des «Guardian» bestätigte eine neue Station der ukrainischen Armee etwa zehn Kilometer von Slowjansk entfernt.

Kiew unterbricht Operation

Dmitri Trenin, Direktor des russischen Thinktanks Carnegie-Zentrum und einer der führenden Experten zu Russlands Aussenpolitik, zeigt sich äusserst besorgt über die aktuellen Ereignisse. «Die Kämpfe in Slowjansk werden zum Bürgerkrieg in der Ukraine führen», schreibt Trenin auf Twitter. Der Politologe befürchtet, Russland könnte sich durch die Militäroperation provoziert fühlen und in die Ostukraine einmarschieren.

Als Antwort auf die Ereignisse in der Umgebung von Slowjansk startete Moskau unterdessen ein Militärmanöver an der Grenze zur Ukraine. Wie die Zeitung «Kiyv Post» unter Berufung auf Quellen in den ukrainischen Sicherheitskräften berichtet, soll die Armee daraufhin ihre Operation vorübergehend unterbrochen haben. Aufgrund der erhöhten Gefahr eines Einmarsches russischer Truppen in die Ukraine überarbeite man die Pläne des Militärs, heisst es. Von einer Beruhigung der Lage berichtet auch ein Korrespondent des Fernsehsenders «Al Jazeera», der sich in der Nähe von Slowjansk vor einem Kontrollpunkt der ukrainischen Armee befindet.

(Quelle: Youtube/Al Jazeera English)

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