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Jude gibt sich als Neonazi aus – und enttarnt SS-Mann

Ein Amerikaner hat SS-Veteranentreffen in Deutschland besucht. Dort lernte der vermeintliche Neonazi den Mann kennen, der die Erschiessung von 28 Verwandten veranlasst hatte.

SS-Obersturmbannführer, rechte Hand von SS-Chef Heinrich Himmler, letzter Kommandant auf Adolf Hitlers Regierungssitz Obersalzberg: Bernhard Frank war ein übler Nationalsozialist. Trotzdem wurde er nach dem Krieg nicht zur Rechenschaft gezogen und lebte unbehelligt in Frankfurt am Main. Bis Ende 201o, als der 97-jährige SS-Verbrecher von Mark Gould überführt wurde. Gould ist ein 43-jähriger amerikanischer Jude und Historiker, der sich als Neonazi ausgegeben hatte, um mit dem Mann in Kontakt zu treten, der den Tod von 28 Familienangehörigen zu verantworten hat.

In der «Bild»-Zeitung erzählt der Nazi-Jäger, wie er vor fünf Jahren in die Neonazi-Szene in Deutschland abgetaucht war. An einem Treffen von SS-Veteranen lernte Gould schliesslich Frank kennen. Für seine Mission habe er sich ein «zweites Ich» zurechtgelegt, sonst hätte er es nicht ausgehalten, unter Nazis zu verkehren. Dann kam der entscheidende Moment: «Irgendwann schrieb mir Frank einen Brief – und da erkannte ich seine Unterschrift wieder. Es war die gleiche Signatur wie die unter dem ersten Befehl zum Massenmord an den Juden vom 28. Juli 1941.» In diesem Befehl heisst es: «Ist die Bevölkerung rassisch oder menschlich minderwertig, (...) so sind alle zu erschiessen.»

«Ich bin dein Feind, du hast meine Familie getötet»

Als der als Neonazi getarnte Jude den früheren SS-Mann auf den Erschiessungsbefehl anspricht, erweist sich Frank als Antisemit ohne Reue. Es gebe nichts am Befehl zu kritisieren. Die Juden hätten die Deutschen unterdrückt und damit ihr eigenes Grab geschaufelt. Schliesslich outet sich Gould und konfrontiert Frank mit den Namen der getöteten Verwandten. «Bist du mein Freund oder mein Feind?» soll der 97-Jährige gemäss der «Bild»-Zeitung gefragt haben. «Ich bin dein Feind», sagt Gould, «du hast meine Familie getötet.» Gemäss dem Medienbericht läuft nun ein Strafverfahren gegen den ehemaligen SS-Obersturmbannführer.

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