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Jung, männlich, gebildet

Wer genau hat in Hamburg randaliert? Welche Rolle spielten Schweizer Autonome? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Yannick Wiget
Selfie als Erinnerung: Zwei Krawallmacher während der Ausschreitungen in Hamburg. Bild: Getty Images
Selfie als Erinnerung: Zwei Krawallmacher während der Ausschreitungen in Hamburg. Bild: Getty Images

Es waren Krawalle mit Ansage. Am Wochenende arteten die Anti-G-20-Demonstrationen in Hamburg unter dem Motto «Willkommen in der Hölle» völlig aus. Barrikaden und Autos wurden angezündet, Scheiben eingeschlagen und Geschäfte geplündert. Einsatzkräfte und Aktivisten lieferten sich wüste Strassenschlachten. Die Bilanz: 476 verletzte Polizisten, unzählige Verletzte auf der Gegenseite, 186 Festnahmen und viele offene Fragen. Wir versuchen, die fünf wichtigsten zu beantworten.

Wer genau hat in Hamburg randaliert?

«Waren es Linksradikale, Autonome, Krawalltouristen oder Wohlstandskinder auf der Suche nach Abenteuern, die Polizisten mit Steinen und Molotowcocktails bewarfen?», fragt sich die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Beobachter sind sich uneins. Wahrscheinlich trifft beides zu. In verschiedenen Medien berichten Augenzeugen über Jugendliche oder fast noch Kinder, die sich vermummten, um anonym im Mob wieder einmal – auf gut Deutsch – die Sau rauszulassen. Danach tauchten sie wieder im Strom der «Normalos» unter. Für die Polizei war es deshalb schwierig, zwischen friedlichen und gewaltbereiten Demonstranten zu unterscheiden.

Auch viele Personen aus der linksradikalen, international vernetzten Autonomenszene nutzten die Masse zum Untertauchen. Dies zeigt die Statistik der Festgenommenen deutlich. Von den 186 Randalierern, die wegen einer Straftat verhaftet wurden, stammt zwar der Grossteil (132) aus Deutschland. Aber auch Krawalltouristen aus ganz Europa landeten in der Gefangenensammelstelle: Italiener (7), Franzosen (8), einige Griechen, Spanier, Portugiesen, Österreicher, Niederländer, Engländer, Dänen, Schweden, Polen – und auch fünf Schweizer. Gemäss Recherchen der NZZ sitzt ein 29-jähriger Zürcher in U-Haft. Ihm wird vorgeworfen, zwei Glasflaschen auf Polizeibeamte geworfen zu haben. Anschliessend soll er einem Passanten einen Faustschlag versetzt haben, der sein Verhalten kritisiert hatte.

Allein die Dutzenden abgebrannten Autos schlagen mit insgesamt vier Millionen Euro zu Buche: Die Feuerwehr versucht ein in Brand gestecktes Auto zu löschen. (8. Juli 2017)
Allein die Dutzenden abgebrannten Autos schlagen mit insgesamt vier Millionen Euro zu Buche: Die Feuerwehr versucht ein in Brand gestecktes Auto zu löschen. (8. Juli 2017)
Clemens Bilan/EPA, Keystone
Ein demolierter Bancomat am Tag nach der Krawallnacht.
Ein demolierter Bancomat am Tag nach der Krawallnacht.
Keystone
«Sie sind verachtenswerte gewalttätige Extremisten, genauso, wie Neonazis das sind und islamistische Terroristen»: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach am Montag in Berlin über die Krawalle. (10. Juli 2017)
«Sie sind verachtenswerte gewalttätige Extremisten, genauso, wie Neonazis das sind und islamistische Terroristen»: Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach am Montag in Berlin über die Krawalle. (10. Juli 2017)
Felipe Trueba/EPA, Keystone
Die Polizei hat mehrere Krawalltouristen aus dem Ausland festgenommen. (8. Juli 2017)
Die Polizei hat mehrere Krawalltouristen aus dem Ausland festgenommen. (8. Juli 2017)
Christof Stache, AFP
Wasserwerfer standen pausenlos im Einsatz. (8. Juli 2017)
Wasserwerfer standen pausenlos im Einsatz. (8. Juli 2017)
AP/Axel Heimken, Keystone
Darunter befinden sich Linksautonome aus der Schweiz. (8. Juli 2017)
Darunter befinden sich Linksautonome aus der Schweiz. (8. Juli 2017)
Christof Stache, AFP
Einzelne Demonstranten zielten mit Laserpointern auf die Augen von Polizisten. In einem Fall wurde der Pilot eines Polizeihelikopters geblendet. Dem dafür verantwortlichen Demonstrant wird der Prozess gemacht. (7. Juli 2017)
Einzelne Demonstranten zielten mit Laserpointern auf die Augen von Polizisten. In einem Fall wurde der Pilot eines Polizeihelikopters geblendet. Dem dafür verantwortlichen Demonstrant wird der Prozess gemacht. (7. Juli 2017)
EPA/Filip Singer, Keystone
In den Strassen brannten Barrikaden. (8. Juli 2017)
In den Strassen brannten Barrikaden. (8. Juli 2017)
AP/Daniel Bockwoldt, Keystone
Es gab verletzte Polizisten. (8. Juli 2017)
Es gab verletzte Polizisten. (8. Juli 2017)
AP/Daniel Bockwoldt, Keystone
Beurteilt das Ausmass an Gewalt als «ganz schrecklich» und «bedrückend»: Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz steht während des Partnerprogramms des G-20-Gipfels im Rathaus in Hamburg. (8. Juli 2017)
Beurteilt das Ausmass an Gewalt als «ganz schrecklich» und «bedrückend»: Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz steht während des Partnerprogramms des G-20-Gipfels im Rathaus in Hamburg. (8. Juli 2017)
Axel Schmidt, Keystone
«Grenzenlose Solidarität statt G-20»: Rund 15'000 Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt. (8. Juli 2017)
«Grenzenlose Solidarität statt G-20»: Rund 15'000 Demonstranten zogen friedlich durch die Innenstadt. (8. Juli 2017)
AFP
Der Morgen nach der Krawallnacht: Putzequipen räumen in Hamburg auf. (8. Juli 2017)
Der Morgen nach der Krawallnacht: Putzequipen räumen in Hamburg auf. (8. Juli 2017)
AFP
Diese Gegenstände wurden von den Randalierern angezündet.
Diese Gegenstände wurden von den Randalierern angezündet.
Keystone
Ein neues Ausmass an Hass und Gewalt erlebt: Polizisten führen im Schanzenviertel mehrere Menschen ab. (7. Juli 2017)
Ein neues Ausmass an Hass und Gewalt erlebt: Polizisten führen im Schanzenviertel mehrere Menschen ab. (7. Juli 2017)
Daniel Bockwoldt, Keystone
Spezialeinheiten haben das Viertel gestürmt. (7. Juli 2017)
Spezialeinheiten haben das Viertel gestürmt. (7. Juli 2017)
Odd Andersen, AFP
Rund um das Gemeinschaftszentrum der linksautonomen Szene «Rote Flora» brannte es in den Strassen.
Rund um das Gemeinschaftszentrum der linksautonomen Szene «Rote Flora» brannte es in den Strassen.
Odd Andersen, AFP
Im Schanzenviertel brannten Barrikaden.
Im Schanzenviertel brannten Barrikaden.
AP/Matthias Schrader, Keystone
Die Hamburger Polizeiführung hat Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung angefordert. Insgesamt sollen mehr als 20'000 Beamte im Einsatz sein. (7. Juli 2017)
Die Hamburger Polizeiführung hat Hundertschaften aus anderen Bundesländern zur Unterstützung angefordert. Insgesamt sollen mehr als 20'000 Beamte im Einsatz sein. (7. Juli 2017)
Bodo Marks, Keystone
Demonstranten haben Geschäfte geplündert.
Demonstranten haben Geschäfte geplündert.
Odd Andersen, AFP
Beim Sturm auf das Schanzenviertel stehen auch SEK-Beamte mit Maschinenpistolen im Einsatz. (7. Juli 2017)
Beim Sturm auf das Schanzenviertel stehen auch SEK-Beamte mit Maschinenpistolen im Einsatz. (7. Juli 2017)
Screenshot N-TV
Demonstranten hatten ausgerufen, das Schanzenviertel sei eine «polizeifreie Zone».
Demonstranten hatten ausgerufen, das Schanzenviertel sei eine «polizeifreie Zone».
Leon Neal, Keystone
A barricade is set on fire during a protest against the G-20 summit in Hamburg, northern Germany, Friday, July 7, 2017. The leaders of the group of 20 meet July 7 and 8. (AP Photo/Michael Probst)
A barricade is set on fire during a protest against the G-20 summit in Hamburg, northern Germany, Friday, July 7, 2017. The leaders of the group of 20 meet July 7 and 8. (AP Photo/Michael Probst)
AP/Michael Probst, AFP
Es kam zu Plünderungen. Radikale Demonstranten haben einen Drogeriemarkt und einen Lebensmittelladen zerstört.
Es kam zu Plünderungen. Radikale Demonstranten haben einen Drogeriemarkt und einen Lebensmittelladen zerstört.
Alexander Koerner, Keystone
Krawalle in Hamburg: G-20-Gegner liefern sich Scharmützel mit der Polizei. (7. Juli 2017)
Krawalle in Hamburg: G-20-Gegner liefern sich Scharmützel mit der Polizei. (7. Juli 2017)
EPA/Armando Babani, Keystone
Die Demonstranten und die Polizei geraten aneinander. (7. Juli 2017)
Die Demonstranten und die Polizei geraten aneinander. (7. Juli 2017)
EPA/Armando Babani, Keystone
Die Polizei greift durch: Sie hat mindestens 70 Demonstranten festgenommen. (7. Juli 2017)
Die Polizei greift durch: Sie hat mindestens 70 Demonstranten festgenommen. (7. Juli 2017)
Christof Stache, AFP
Die Zugänge zur Elbphilharmonie sind abgesperrt. (7. Juli 2017)
Die Zugänge zur Elbphilharmonie sind abgesperrt. (7. Juli 2017)
Steffi Loos, AFP
Ungewöhnliche Methode: Die Polizei geht gegen Demonstranten vor. Ein Polizist hat einen Warnschuss abgegeben. (7. Juli 2017)
Ungewöhnliche Methode: Die Polizei geht gegen Demonstranten vor. Ein Polizist hat einen Warnschuss abgegeben. (7. Juli 2017)
Odd Andersen, AFP
Polizisten rennen durch Rauchwolken. (7. Juli 2017)
Polizisten rennen durch Rauchwolken. (7. Juli 2017)
Odd Andersen, AFP
Die Polizei versucht, G-20-Gegner zu vertreiben. (7. Juli 2017)
Die Polizei versucht, G-20-Gegner zu vertreiben. (7. Juli 2017)
AP/Matthias Schrader, Keystone
Die Polizei versucht mit Wasserwerfern, die Demonstranten bei der Landungsbrücke auseinanderzutreiben. (7. Juli 2017)
Die Polizei versucht mit Wasserwerfern, die Demonstranten bei der Landungsbrücke auseinanderzutreiben. (7. Juli 2017)
Ronald Wittek, Keystone
Die Hamburger Polizei hat mindestens 70 Demonstranten festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen. (7. Juli 2017)
Die Hamburger Polizei hat mindestens 70 Demonstranten festgenommen und 15 in Gewahrsam genommen. (7. Juli 2017)
Christof Stache, AFP
Gipfelgegner sitzen auf der Strasse. (7. Juli 2017)
Gipfelgegner sitzen auf der Strasse. (7. Juli 2017)
EPA/Carsten Koall, Keystone
Demonstranten versuchen, die Elbphilharmonie zu stürmen. (7. Juli 2017)
Demonstranten versuchen, die Elbphilharmonie zu stürmen. (7. Juli 2017)
Twitter
Die Polizei riegelt die Zugänge zur Elbphilharmonie ab. (7. Juli 2017)
Die Polizei riegelt die Zugänge zur Elbphilharmonie ab. (7. Juli 2017)
Bodo Marks, AFP
Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump ist von Demonstranten an der Teilnahme am Partnerprogramm des G-20-Gipfels gehindert worden.
Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump ist von Demonstranten an der Teilnahme am Partnerprogramm des G-20-Gipfels gehindert worden.
Keystone
Zwischen Demonstranten und der Polizei ist es zu Ausschreitungen gekommen.
Zwischen Demonstranten und der Polizei ist es zu Ausschreitungen gekommen.
Alexander Körner/Getty
Ein Auto wurde während der Ausschreitungen angezündet.
Ein Auto wurde während der Ausschreitungen angezündet.
Christophe Gateau, Keystone
Krawalle in Hamburg: Die Einsatzkräfte mussten sich auch um diesen brennenden Mülleimer kümmern.
Krawalle in Hamburg: Die Einsatzkräfte mussten sich auch um diesen brennenden Mülleimer kümmern.
Bodo Marks, AFP
Dieser Pizzalieferant scheint unberührt von den ihn umgebenden Strassenschlachten.
Dieser Pizzalieferant scheint unberührt von den ihn umgebenden Strassenschlachten.
Alexander Körner/Getty
Die Demonstranten warfen Flaschen und andere Gegenstände gegen die Einsatzkräfte.
Die Demonstranten warfen Flaschen und andere Gegenstände gegen die Einsatzkräfte.
Markus Schreiber, Keystone
Sanitäter tragen einen Verletzten weg.
Sanitäter tragen einen Verletzten weg.
Leon Neal/Getty
Fertig lustig: Die Bereitschaftspolizei setzt Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.
Fertig lustig: Die Bereitschaftspolizei setzt Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein.
John MacDougall, AFP
Die Polizei stürmt die Demo.
Die Polizei stürmt die Demo.
Odd Andersen, AFP
Die Polizei umzingelt die Demo mit Wasserwerfern.
Die Polizei umzingelt die Demo mit Wasserwerfern.
Boris Rössler, AFP
Die Polizei eskortiert die Anti-G-20-Demo durch Hamburg.
Die Polizei eskortiert die Anti-G-20-Demo durch Hamburg.
Boris Rössler, AFP
Ein gigantischer aufblasbarer schwarzer Block wird am Marsch mitgetragen.
Ein gigantischer aufblasbarer schwarzer Block wird am Marsch mitgetragen.
Odd Andersen, AFP
Teilnehmer des Protests «Welcome to Hell».
Teilnehmer des Protests «Welcome to Hell».
Odd Andersen, AFP
Man protestiert zu Livemusik.
Man protestiert zu Livemusik.
Odd Andersen, AFP
Die Polizei in Hamburg hat alle Kräfte am Fischmarkt vor Beginn des Protests mobilisiert.
Die Polizei in Hamburg hat alle Kräfte am Fischmarkt vor Beginn des Protests mobilisiert.
Filip Singer, Keystone
«Fähren, nicht Frontex»: Mit Bannern und Schildern versammeln sich Tausende.
«Fähren, nicht Frontex»: Mit Bannern und Schildern versammeln sich Tausende.
John MacDougall, AFP
Die Polizisten stehen in Hamburg mit einem Grossaufgebot für allfällige Scharmützel der Demonstranten bereit.
Die Polizisten stehen in Hamburg mit einem Grossaufgebot für allfällige Scharmützel der Demonstranten bereit.
Alexander Körner/Getty
Teilnehmer warten auf den Start der Demonstration.
Teilnehmer warten auf den Start der Demonstration.
Filip Singer, Keystone
Am Fischmarkt sind die ersten Demonstranten eingetroffen.
Am Fischmarkt sind die ersten Demonstranten eingetroffen.
Thomas Lohnes/Getty
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Was sind das für Leute?

Bei den Festgenommenen handelt es sich laut den Behörden überwiegend um Männer unter 30. Das deckt sich mit den Schilderungen von Armin Pfahl-Traughber. Der Politologe und Soziologe forscht zum Linksextremismus und beschrieb den typischen Autonomen gegenüber Redaktion Tamedia als jung, zwischen 16 und 30 Jahre alt; viele hätten ein Gymnasium besucht. Die einen würden ein Leben mit Sozialhilfe bevorzugen, andere gingen sozialen Berufen nach oder Minijobs, studierten oder seien zumindest an Universitäten und Hochschulen eingeschrieben.

Klassische Autonome, egal, aus welcher Schicht, haben eine Antihaltung, die sich unter anderem gegen Globalisierung, Faschismus, Neoliberalismus und Gentrifizierung richtet. Sie betrachten Gewalt laut dem Experten als unverzichtbares Element im Kampf gegen ein angebliches System von Ausbeutung und Unterdrückung. Wer dazugehören will, macht bei den Krawallen mit. Gewalt gilt zudem als eine Art Selbstverwirklichung. Den jungen, meist männlichen Aktivisten gehe es darum, die eigene Freiheit im Moment des Protests zu erfahren, schreibt auch die NZZ.

Ein Gipfel wie jener in Hamburg ist daher für Autonome aus ganz Europa ein Pflichttermin – auch für Krawalltouristen aus der Schweiz.

Welche Rolle spielten Schweizer Autonome?

Bei den Ausschreitungen am G-20-Gipfel hat die Polizei insgesamt neun Schweizer aus dem Verkehr gezogen. Vier Randalierer wurden in Gewahrsam genommen, also festgehalten, fünf wegen einer Straftat festgenommen. Sie könnten zu den Linksaktivisten gehört haben, die von Basel aus mit dem Extrazug nach Hamburg fuhren. Denn neben friedlichen Demonstranten nutzten auch Autonome diese Transportmöglichkeit, wie Recherchen von Redaktion Tamedia zeigen.

Die Aktivisten im Extrazug mussten im Basler Badischen Bahnhof strenge Polizeikontrollen über sich ergehen lassen. 33 Verdächtigen verweigerte Deutschland zunächst die Einreise, doch Juristen fochten die Verbote gerichtlich an und hatten damit zumindest teilweise Erfolg.

Der Revolutionäre Aufbau Schweiz – laut dem Nachrichtendienst des Bundes ein international bestens vernetzter «Taktgeber der gewalttätigen linksextremen Szene» – hatte intensiv für den Extrazug nach Hamburg geworben und zu Gewalt aufgerufen. Und auch die Berner Reitschule muss sich diesen Vorwurf gefallen lassen. Auf dem Dach des umstrittenen Kulturzentrums wurde vor dem Wochenende dazu aufgerufen, den Gipfel zu zerstören («Smash G-20»), in die Luft fliegen zu lassen («Blow up G-20») und darauf zu schiessen («Shoot G-20»). Die Junge SVP Bern erstattet nun Strafanzeige, und die Berner Staatsanwaltschaft prüft ein Verfahren, wie der «Blick» schreibt.

Erschöpft: Schweizer G-20-Demonstranten kommen mit dem Sonderzug aus Hamburg in Basel an. (Video: Tamedia, Quelle: «20 Minuten»)

Warum sind die Krawallmacher so schwierig zu fassen?

Bei Demonstrationen und Ausschreitungen wie jenen in Hamburg treten die Aktivisten meist schwarz gekleidet, mit hochgezogenen Kapuzen und vermummten Gesichtern auf, deshalb die Bezeichnung Schwarzer Block. Sie machen es der Polizei so extrem schwierig, Gewalttäter anhand von Bildern und Videoaufnahmen zu identifizieren.

Neben dem einheitlichen Auftreten ist auch das Vorgehen der Autonomen durchdachter, als es die chaotischen Szenen auf Hamburgs Strassen vermuten lassen. Wie verschiedene Experten beschreiben, waren die Krawalle nicht spontan, sondern teilweise koordiniert und gut vorbereitet. Im Schwarzen Block seien einige mit «Funkgeräten und Knopf im Ohr» ausgestattet gewesen und hätten über jeden Schritt der Polizei informiert, sagte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière.

Gleichzeitig steckt hinter dem Schwarzen Block keine homogene Gruppe, sondern eine Ansammlung von Autonomen, die Hierarchien und feste Strukturen ablehnen. Die Szene ist zwar gut vernetzt, vor allem über das Internet. Eine übergreifende Organisationsform und Anführer gibt es aber nicht. Für die Strafverfolgungsbehörden sind die Krawallmacher deshalb schwer fassbar. Auch Soziologen tun sich schwer, die linke, gewaltbereite Szene wissenschaftlich zu durchleuchten: «Wir wissen recht wenig über die sozialen Besonderheiten dieser Gruppe», sagt Armin Pfahl-Traughber. Zu sehr schotte sie sich ab, gegen Forscher und auch gegen Journalisten. Fragen würden als Ausspionieren gewertet. Deshalb könne man nur «sehr grobe Aussagen treffen».

Braucht es jetzt eine Extremistendatenbank?

Politiker fordern nach den Krawallen in Hamburg eine europaweite Extremistendatei. «Dann hätten die Behörden einen besseren Überblick über Gewalttäter und könnten Meldeauflagen auch im Ausland verhängen», sagte beispielsweise die Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion, Eva Högl.

Doch an der Wirksamkeit dieser Idee gibt es viele Zweifel. In Deutschland gebe es bereits eine Datei zu linken Gewalttätern, sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Ausserdem tauschten sich die Sicherheitsbehörden vor Grossereignissen wie dem G-20-Gipfel immer eng mit Polizei und Nachrichtendiensten anderer EU-Staaten aus. Dies bestätigte auch Europol. Die Behörden hätten rund um die Uhr zusammengearbeitet, liess die europäische Polizeibehörde verlauten. Trotzdem konnten die Ausschreitungen nicht verhindert werden.

Aus Sicht des «Spiegels» hätte eine europäische Datei zudem die üblichen Probleme: Verschiedene Behörden müssten sich absprechen. Eine einheitliche Definition, was ein Gefährder eigentlich ist, gibt es allerdings nicht – ein Problem, das auch Experte Armin Pfahl-Traughber anspricht. Deshalb stellen sich auch datenschutzrechtliche Fragen: Wer würde in diese Datenbank aufgenommen werden? Und was passiert sonst noch mit den gesammelten Daten?

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