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Kampf um die letzten Meter

Frankreich biegt auf die Zielgerade ein: Seit Mitternacht ist der Wahlkampf passé. Während Nicolas Sarkozy sich nochmals angriffig gab, bereitet das Team Hollande bereits die Machtübernahme vor.

Die letzten Stunden des Wahlkampfs: Nicolas Sarkozy reiste für eine Kundgebung an die Atlantikküste, sein Herausforderer François Hollande trat im Fernsehen auf.
Die letzten Stunden des Wahlkampfs: Nicolas Sarkozy reiste für eine Kundgebung an die Atlantikküste, sein Herausforderer François Hollande trat im Fernsehen auf.
AFP/Keystone

Bis zur letzten Minute haben die beiden französischen Präsidentschaftskandidaten am Freitag um Stimmen geworben. «Jede Stimme zählt», rief der in Umfragen zurückliegende Amtsinhaber Nicolas Sarkozy seinen Anhängern auf einer Kundgebung in Les Sables d'Olonnes an der Atlantikküste zu.

Sein sozialistischer Herausforderer François Hollande erklärte in Forbach bei Saarbrücken: «Ich vertraue auf den Sonntag, ich vertraue auf das französische Volk. Der lang ersehnte Moment ist da.»

Letzte Umfragen sehen Hollande im Vorteil

Sarkozy erklärte, er spüre eine «beispiellose Mobilisierung». «Wir werden gewinnen», riefen seine Unterstützer darauf. Sarkozy holte in den Umfragen am Freitag ein wenig auf, liegt aber weiter klar hinter Hollande. In drei Umfragen erzielte Sarkozy 47,5 Prozent, Hollande dagegen 52,5 Prozent.

Hollande hat also Grund zu hoffen, nach François Mitterrand der zweite Sozialist im Präsidentenamt zu sein. Sarkozy seinerseits wäre nach Valéry Giscard d'Estaing der zweite Präsident, der aus dem Amt abgewählt wurde. Soweit wollte der Amtsinhaber bei seinem letzten Wahlkampfauftritt aber nicht blicken.

«Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie eng es am Sonntag wird, wie sehr es auf Messers Schneide steht», rief er seinen Anhängern zu. Zuvor hatte er bereits im Radiosender «Europe 1» eine hohe Wahlbeteiligung sowie einen extrem knappen Ausgang der Stichwahl vorhergesagt.

Rückschläge für Sarkozy

Das TV-Duell vom Mittwochabend fiel aber nicht zugunsten Sarkozys aus. Und am Donnerstagabend gab es einen neuen schweren Rückschlag für ihn. Der in der ersten Wahlrunde ausgeschiedene Zentrumspolitiker François Bayrou verweigerte Sarkozy wegen des zuletzt stark nach rechts ausgerichteten Wahlkampfes die erhoffte Unterstützung. Er selbst werde für Hollande stimmen, sagte Bayrou, der neun Prozent der Stimmen erhalten hatte.

Die Anhänger der ausgeschiedenen Kandidaten gelten bei der Stichwahl als Zünglein an der Waage, weil im ersten Wahlgang am 22. April nur etwas mehr als die Hälfte der Wähler für Sarkozy oder Hollande gestimmt hatten. Die drittplatzierte Marine Le Pen sagte ihren Anhängern, sie werde für keinen der beiden stimmen.

Pläne für den Fall der Fälle

Hollande forderte in seinen letzten Auftritten einen «breiten Sieg», um genügend Rückhalt für seine Politik zu haben. Sollte der Sozialist gewinnen, bleibt nur knapp eine Woche für die Amtsübergabe.

Deshalb bereitete das Team Hollande für den Fall eines Machtwechsels schon jetzt erste mögliche Auftritte des Sozialisten auf EU-Ebene vor. Hollande werde im Falle seines Sieges Ende Mai oder Anfang Juni an einem informellen EU-Gipfel teilnehmen, kündigte sein Wahlkampfmanager Pierre Moscovici am Freitag an.

Es könne sogar sein, dass Hollande bei einem Wahlsieg schon vor der für den 15. Mai vorgesehenen Amtsübergabe nach Deutschland reisen werde, hiess es aus seinem Umfeld.

46 Millionen Franzosen sollen wählen

In der zweiten Runde der Präsidentenwahl sind am Wochenende rund 46 Millionen Franzosen aufgerufen, das Staatsoberhaupt für die kommenden fünf Jahre zu wählen. Ab Freitag Mitternacht gibt es keine Auftritte mehr, keine neuen Umfragen, keine Interviews.

Die Wahllokale öffnen am Sonntag um 8 Uhr (MESZ) und schliessen in den meisten Bezirken um 18 Uhr. In Grossstädten bleiben sie noch bis 20 Uhr geöffnet. Ab dann ist auch mit den ersten Hochrechnungen auf Basis von Teilergebnissen zu rechnen.

sda/dapd/fko

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