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Karadzic fordert Belohnung

In Den Haag wird der Prozess gegen Radovan Karadzic fortgesetzt. In seiner Verteidigung bezeichnete sich der frühere bosnische Serbenführer als «milden» Menschen, der um jeden Preis den Krieg verhindern wollte.

Laut Anklage ist Lebenslänglich «das einzig angemessene Strafmass»: Radovan Karadzic in Den Haag während den Prozesstagen im Juli 2013.
Laut Anklage ist Lebenslänglich «das einzig angemessene Strafmass»: Radovan Karadzic in Den Haag während den Prozesstagen im Juli 2013.
Keystone
Sieht sich für den Völkermord von Srebrenica 1995 nicht schuldig: Radovan Karadzic grinst im Gerichtssaal in Den Haag. (16. Oktober 2012)
Sieht sich für den Völkermord von Srebrenica 1995 nicht schuldig: Radovan Karadzic grinst im Gerichtssaal in Den Haag. (16. Oktober 2012)
AFP
In Bosnien sind noch nicht alle Wunden verheilt. Hinterbliebene demonstrierten im September 2009 vor dem Hauptquartier der UNO gegen das Vergessen.
In Bosnien sind noch nicht alle Wunden verheilt. Hinterbliebene demonstrierten im September 2009 vor dem Hauptquartier der UNO gegen das Vergessen.
Reuters
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Der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic hat nach eigenen Angaben in den 90er Jahren «alles Menschenmögliche zur Vermeidung eines Krieges» getan. Dafür habe er eine Belohnung verdient, sagte er am Dienstag vor dem UNO- Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag. Er sei ein «milder und toleranter Mensch».

Karadzic verteidigt sich vor Gericht selbst und fordert einen Freispruch in allen Anklagepunkten. Er will unter anderem beweisen, dass er keine Schuld am Völkermord von Srebrenica 1995 trägt. Beim schlimmsten Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der damaligen UNO-Schutzzone etwa 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet.

«Nie etwas gegen Muslime gehabt»

«Ich habe nie etwas gegen Muslime gehabt», betonte Karadzic, der sich den UNO-Richtern vor allem als Psychiater und Dichter präsentierte. Der 67-Jährige will nach eigenen Angaben 300 Entlastungszeugen aufrufen.

Karadzic muss sich seit Oktober 2009 wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnienkriegs vor dem Haager Tribunal verantworten. Er war im Juli 2008 in der serbischen Hauptstadt Belgrad gefasst worden, nachdem er sich 13 Jahre lang versteckt gehalten hatte.

Insgesamt starben im Bosnienkrieg zwischen 1992 und 1995 etwa 100'000 Menschen. Rund 2,2 Millionen weitere Menschen wurden vertrieben.

Beginn des Prozesses gegen Hadzic

In Den Haag hat heute auch der Prozess gegen den letzten Angeklagten vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für das ehemalige Jugoslawien begonnen. Der frühere kroatische Serbenführer Goran Hadzic muss sich in 14 Anklagepunkten wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Kroatien-Kriegs (1991-1995) verantworten.

Zum Auftakt des Prozesses berichtete Ankläger Douglas Stringer von einem Massaker an 21 kroatischen Zivilisten in Lovas im Oktober 1991. Hadzic, der von 1992 bis 1993 Präsident der selbsternannten serbischen Republik Krajina war, soll für den Tod hunderter Zivilisten und die Verschleppung zehntausender Kroaten und anderer Nicht-Serben verantwortlich sein. Der 54-Jährige war im Juli 2011 als letzter noch flüchtiger Angeklagter des Tribunals in einer Bergregion im Norden Serbiens festgenommen worden.

sda/AFP/kpn/rub

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