Die «Banlieue der Schweiz» feiert Geburtstag

Kosovo begeht den zehnten Jahrestag der Unabhängigkeit. Unterwegs mit kreativen und weltoffenen Menschen, die viel von der Schweiz gelernt haben.

Der amerikanische Freund: Zum Dank für sein Einschreiten im Kosovokrieg wurde Bill Clinton in Pristina mit einem Denkmal geehrt. Foto: Tobias Kruse (Ostkreuz)

Der amerikanische Freund: Zum Dank für sein Einschreiten im Kosovokrieg wurde Bill Clinton in Pristina mit einem Denkmal geehrt. Foto: Tobias Kruse (Ostkreuz)

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Vielleicht kommt das Wunderkind ja doch. Die Mädchen und Jungs in Kosovo werden sich bestimmt freuen, ihre Seelen fliegen schon jetzt. Sie werden aus allen Teilen des Landes anreisen, um in der Hauptstadt Pristina im Rausch der Freiheit zu jubeln und zu tanzen, und sie werden die Sorgen des Alltags für ein paar Stunden vergessen, wenn Rita Ora die Bühne betritt.

Der Popstar ist das Idol der kosovarischen Teenager. «Unsere Tochter» wird sie gerne von Jung und Alt genannt, denn Rita Ora kam 1990 in Pristina zur Welt, flüchtete mit ihrer Familie nach London, um dem Krieg zu entkommen, und ist heute auf allen Kontinenten, in jeder Bruchbude und an fast jeder Bar zu hören. Vielleicht wird sie also kommen, um den zehnten Jahrestag der Unabhängigkeit Kosovos am 17. Februar zu feiern. Das ist Stadtgespräch derzeit in Pristina – neben der Politik, die im jüngsten Staat Europas eher ein Synonym für Korruption, Intrigen und Verschwörungstheorien ist.

Von Rüti ZH nach Pristina: Deutschlehrer Arbër Xheladini. Fotos: Arben Llapashtica

Dies ist eine Geschichte über enttäuschte Hoffnungen, herrschende Haudegen, grosse und kleine Erfolge und kreative und weltoffene Menschen, die in Pristina, dieser chaotischen und unfertigen Stadt, dem Elend trotzen.

An diesem Wintertag weht eine angenehm leichte Brise durch die Strassen der Kapitale, doch in der Luft liegt immer noch der säuerliche Geruch der alten Kohlekraftwerke, die in der Nähe des Flughafens Strom produzieren. So etwas kann die Laune von Vllaznim Xhiha nicht verderben. Zur Verabredung in den Büros seines Jugendförderungsprojekts Bonevet kommt er auf die Minute pünktlich, schüttelt allen Mitarbeitern die Hand, verbreitet schon in den Morgenstunden einen grenzenlosen Optimismus.

Der Weltbürger und die Kinder

«Bonevet» heisst so viel wie «Mach es selbst». Hier können sich die Kinder frei entfalten, experimentieren, spielend lernen, basteln, malen, hier erwerben sie Kenntnisse über Roboter, CAD-Software, 3-D-Drucker, Elektrotechnik. «Jedes Kind ist ein Genie, es muss nur die Chance haben, die Zukunft anzupacken», sagt Xhiha. Er ist ein Weltbürger. Sein Vater war einer der wenigen Kosovo-Albaner, die in der jugoslawischen Diplomatie Karriere machen konnten. Xhiha besuchte die Grundschule in Neuseeland, machte die Matura in Zürich und studierte in den 70er-Jahren Elektrotechnik an der ETH. Kurz nach der Gründung der Universität Pris­tina kehrte er in die Heimat zurück, wo der Bedarf an jungen Wissenschaftlern riesig war.

«Nicht jammern, sondern mit einem guten Beispiel vorangehen.»Vllaznim Xhiha

Doch bald zog es ihn wieder in die Schweiz. Im Tessin gründete er 1992 eine erfolgreiche Firma für unterbrechungsfreie Stromversorgung, die 2011 von der ABB für 170 Millionen Franken übernommen wurde. Als Multimillionär hätte sich Xhiha in eine schöne Villa am Zürichsee zurückziehen und das Leben geniessen können. Doch er entschied sich für eine zweite Rückkehr in die alte Heimat. Der Philanthrop unterstützt mit seiner Stiftung Start-ups, fördert junge Künstler, und mit Bonevet bietet er den Jugendlichen eine Werkstatt für kreative Ideen an.

Angefangen hat er in Gjakova, einer Stadt im Westen Kosovos, wo während des Krieges Ende der 90er-Jahre Hunderte Männer von den serbischen Streitkräften massakriert wurden. Nun hat er in Pris­tina Räumlichkeiten für sein Zukunftslabor gemietet. Vom Projekt sind die westlichen Botschaften überzeugt. Die Deza, die Schweizer Organisation für Entwicklungszusammenarbeit, sowie ihr deutsches und amerikanisches Pendant unterstützen Xhiha. Bonevet ist eine Antwort auf das theorielastige Bildungssystem Kosovos und auf die Ergebnisse der letzten Pisa-Studie, die für die junge Republik beschämend schlecht ausfielen. «Nicht jammern, sondern mit einem guten Beispiel vorangehen», sagt Xhiha zum Abschied. Er hat zu tun. Derzeit sucht er das Gespräch mit Vertretern der serbischen Minderheit. Bald soll Bonevet auch in einer serbischen Gemeinde ein «Makerspace» eröffnen. Auch dort wird Xhiha darauf beharren, dass die Hälfte der Kursteilnehmer Mädchen sind.

Pristina sieht wie eine Banlieue der Schweiz aus.

Die junge Republik ist die Heimat der jüngsten Bevölkerung Europas. Kosovo hat knapp 1,8 Millionen Einwohner, fast die Hälfte sind unter 25 Jahre alt. Das fällt überall auf in Pristina: auf dem Mutter-Teresa-Boulevard, in den hippen Cafés wie Soma Book Station und in Restaurants wie Papirun (Gabellos), wo man vermutlich die besten Sandwiches zwischen Zürich und Istanbul essen kann. Produziert wird in diesem Land wenig, die Industrie­anlagen rosten vor sich hin, die Arbeitslosenrate beträgt über 30 Prozent, fast die Hälfte der Jugendlichen sucht einen Job, und eine Bande von Kleptokraten, die mit dem Nimbus von Freiheitskämpfern nach 1999 die Macht übernommen hat, tut so, als würde sie regieren.

Knoblauch aus China

«Wir importieren sogar Knoblauch und Zahnstocher aus China», sagt Agron Demi vom Forschungsinstitut GAP. Ohne Überweisungen aus der Diaspora würde Kosovo kollabieren. Manchmal hat man das Gefühl, Pristina sei eine Banlieue der Schweiz: alte Postautos, rote Flaggen mit weissem Kreuz, Fahrzeuge mit dem CH-Aufkleber, verschiedene Deutschschweizer Dialekte. Allein während der letzten Festtage landeten auf dem kleinen Flughafen der kosovarischen Hauptstadt über 200 Passagiermaschinen aus Zürich, Basel und Genf. In den vergangenen drei Jahren haben laut Demi 111'000 Kosovaren in westeuropäischen Staaten einen Asylantrag gestellt. Es handelt sich fast ausschliesslich um Wirtschaftsflüchtlinge, die schnell ausgeschafft werden. Um die soziale Not zu lindern, hat Deutschland begonnen, Arbeitskräfte auf dem Balkan zu rekrutieren. Innerhalb von weniger als zwei Jahren fanden fast 40'000 kosovarische Bauarbeiter, Kellner, Ingenieure, Krankenschwester und Ärzte einen Job in Deutschland.

Bevor sie der Heimat den Rücken kehren, besuchen viele einen Deutschkurs bei Arbër Xheladini. Der 31-Jährige leitet eine Sprachschule in Pristina. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft will er nicht aufgeben, noch ist er nicht in Fatalismus verfallen wie viele Menschen in Kosovo. Vielleicht hat das auch mit seinem Lebensweg zu tun. Er war ein Kleinkind, als die Familie zu Beginn der 90er-Jahre beschloss, vor der serbischen Repression in die Schweiz zu flüchten. Xheladini lernte früh, sich in einer Welt mit vielen Hürden durchzusetzen.

Werkstatt der Ideen: Das Jugendförderungsprojekt des Philanthropen Vllaznim Xhiha.

In der Primarschule in Rüti ZH wollte er der Beste im Deutschunterricht sein, in der sechsten Klasse fragte er die Lehrerin – «die liebe Frau Wolf» –, was er nach der Matura werden könnte. «Rechtsanwalt», sagte die Lehrerin. Daraus wurde nichts, weil in Kosovo etwas Unvorstellbares geschah. Die Nato vertrieb die serbischen Terrortruppen, die Heimat der Familie Xheladini wurde frei – und sie entschied sich, die heile Schweiz zu verlassen. Als anerkannte Flüchtlinge hätten sie bleiben können, aber der Vater wollte wieder Polizist werden, anstatt in einem Billigjob zu landen. Sein Sohn Arbër studierte deutsche Sprache und Literatur an der Uni Pristina, wurde Lehrer und verfolgt jetzt den in Rüti begonnenen Traum: Er will Jurist werden. Derzeit absolviert er das dritte Studienjahr.

Serbien torpediert Unabhängigkeitsbestrebungen

So etwas wäre ohne Freiheit und Unabhängigkeit kaum möglich gewesen. Während der serbischen Herrschaft waren die Kosovo-Albaner von öffentlichen Schulen ausgeschlossen, vor dem Grand Hotel Pristina, einem Symbol der jugoslawischen Moderne, stand ein Schild mit der Aufschrift: «Eintritt für Hunde und Albaner verboten». Die Nato-Intervention beendete das Apartheidsystem. Deshalb wurde Bill Clinton in Pristina mit einem Denkmal geehrt, daneben gibt es eine Hillary-Kleiderboutique, und die Strasse vor der neuen Kathedrale trägt den Namen George W. Bush. Fast 19 Jahre nach dem Krieg und ein Jahrzehnt nach der Proklamation der Unabhängigkeit sind immer noch Nato-Truppen im Land stationiert, darunter auch Swiss­coy-Soldaten. Die Zukunft der fragilen Republik ist keineswegs sicher. Zwar haben mehr als 110 Länder Kosovo als eigenen Staat anerkannt, doch die ehemalige Besatzungsmacht Serbien lässt nichts unversucht, um die Entwicklung zu torpedieren.

Die Vetomacht Russland verhindert die UNO-Mitgliedschaft, und auch fünf EU-Staaten weigern sich, die Unabhängigkeit zu akzeptieren. Belgrad kämpft mehr oder weniger offen für die territoriale Teilung der ehemaligen Provinz. Darüber wollen serbische Politiker am liebsten mit der albanischen Regierung in Tirana verhandeln. Die Idee findet auch dort allmählich Gefallen. Solange der Westen Serbien nicht zwingt, sich mit der Unabhängigkeit Kosovos abzufinden, bleibt der Zwergstaat auf tönernen Füssen.

Dass Kosovo den Glauben an sich selbst verliert, hat jedoch vor allem mit der aus dem Krieg hervorgegangenen politischen Klasse zu tun. Die ehemaligen Befehlshaber der kosovarischen Befreiungsarmee UCK haben sich fast alle Ressourcen unter den Nagel gerissen, viele Menschen fühlen sich belogen und betrogen. Nach dem Konflikt gegen Serbien, der etwa 10'000 Kosovo-Albanern das Leben kostete, schalteten die UCK-Heroen politische Rivalen aus, infiltrierten die Verwaltung mit dubiosen Gestalten und betreiben ein umfassendes Klientelsystem. Wer die Haudegen unterstützt, wird belohnt – zum Beispiel mit einem Arbeitsplatz im Staatsdienst. Wer die grenzenlose Gier kritisiert, wird mundtot gemacht mithilfe der lokalen Medienmafia: In Pristina ist es ein offenes Geheimnis, dass mehrere News­portale von Parteibonzen finanziert werden.

Teurer Spass in St. Moritz

Die neue Elite residiert in dekadenten Palästen, die sich in «Gated Communities» befinden, also eingezäunten und bewachten Wohnvierteln nach amerikanischem Vorbild. Die Politmatadoren rauschen in Geländewagen mit getönten Scheiben durch Pris­tina, essen in teuren Restaurants und lassen ihre Ehefrauen an der Zürcher Bahnhofstrasse shoppen. Ministerpräsident Ramush Haradinaj, in den 90er-Jahren Rausschmeisser in der Westschweiz, feierte den Jahreswechsel laut kosovarischen Medien in St. Moritz im Hotel Carlton, wo man für eine Suite bis zu 5000 Franken hinblättert und ein Glas Cognac fast 300 Franken kostet. Etwa so viel beträgt der Monatslohn eines Lehrers in Kosovo. Wer die Ferien des Ex-UCK-Kommandanten bezahlt hat, bleibt ein Rätsel. Haradinaj behauptet, es handle sich um Privatausgaben. Kurz vor seinem Trip in die Schweizer Berge verdoppelte er seinen Lohn – von umgerechnet 1800 auf 3500 Franken pro Monat.

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Die Plünderorgie und die organisierte Verantwortungslosigkeit beschleunigen den moralischen Verfall der Politikerkaste. Mit 3525 Franken pro Kopf hat Kosovo das niedrigste Bruttoinlandprodukt auf dem Balkan, aber man leistet sich 21Ministerien. Der junge und unerschrockene Forscher Agron Demi spricht von einem «chinesischen Kabinett». Als wäre das nicht genug, hat Haradinaj über 70 stellvertretende Minister ernannt – vermutlich ein weltweiter Rekord. Geschäftsleuten mit engen Verbindungen zur Regierung werden die Steuern nachgelassen, die Vergabe öffentlicher Aufträge ist völlig intransparent. Etwa bei der Autobahn von Pristina nach Albanien, deren Bau die Staatskasse vermutlich über eine Milliarde Franken gekostet hat. Der Vertrag mit dem amerikanisch-türkischen Konsortium Bechtel-Enka bleibt unter Verschluss. «Dem Vogel der Freiheit der jetzt am Spiess gebraten wird / haben sie die Flügel gestutzt / um ihn mit Körnern aus der Ernte des Schreckens zu mästen», schreibt der Dichter Xhevdet Bajraj aus dem mexikanischen Exil.

Derzeit herrscht Panik unter den früheren Rebellenführern. Ein Sondertribunal mit Sitz in Den Haag könnte sie wegen Kriegsverbrechen an Angehörigen der serbischen Minderheit anklagen. Staatschef Hashim Thaci, der in den 90er-Jahren teilweise in Dietikon lebte und zum UCK-Politkommissar aufstieg, fordert die westlichen Schutzmächte offen heraus: Er unterstützt eine parlamentarische Initiative, um den Gerichtshof abzuschaffen. Kürzlich wurde bekannt, dass der kosovarische Präsident für 600'000 Franken einen Beratervertrag mit Brian Ballard abgeschlossen hat. Dem Lobbyisten aus dem US-Bundesstaat Florida werden enge Verbindungen zu Donald Trump nach­gesagt. Ballard werde das Image Kosovos verbessern, heisst es offiziell. Vertreter der Zivilgesellschaft in Pristina haben einen anderen Verdacht: Die «Schlange», so lautete Thacis Nom de Guerre, wolle in Washington dafür werben, dass er und seine engsten Weggefährten von der internationalen Justiz geschont werden.

Der Theatermann und die Nashörner

Der Dramatiker Jeton Neziraj spricht von grotesken Auswüchsen einer Realsatire, wenn er auf die Machenschaften der kosovarischen Politiker und der im Land stationierten internationalen Demokratieexperten angesprochen wird. Keiner kann diese Zom­bie­welt besser ad absurdum führen und parodieren als Neziraj. Seine Stücke sind wild, unverschämt und vor allem respektlos gegenüber Autoritäten. Es wimmelt darin von UCK-Veteranen, die überzeugt sind, dass Freiheit und Unabhängigkeit nichts anderes seien als eine Epoche des grossen Fressens und der Selbstbereicherung. Die Premiere von «Bordell Balkan», einer Be­ar­bei­tung der grie­chi­schen Tragödie «Die Ores­tie», fand im vergangenen Jahr in Pristina unter Polizeischutz statt, nachdem Neziraj Morddrohungen erhalten hatte.

«Die Reaktionen zeigen, dass meine Stücke etwas bewirken und ernst genommen werden. Das ist doch sehr spannend», sagt der Dramatiker mit bemerkenswerter Unbekümmertheit. Von seinem politischen Kabarett, das vom Handwerk des Tötens handelt, fühlen sich auch serbische Nationalisten provoziert. Bisher hat der international bekannteste Theatermann Kosovos mehr als 20Stücke geschrieben, viele von ihnen wurden an europäischen, amerikanischen und türkischen Bühnen aufgeführt. Auch in der Schweiz war Neziraj mit seiner Truppe unterwegs. Und im Frühling kommt er mit anderen Autoren auf Lesereise. Schon jetzt freut er sich auf die nächste Begegnung mit Pedro Lenz. Die beiden haben sich im Frühjahr 2016 in Pristina kennen gelernt, als der Schweizer Autor eine kulturgeschichtliche Entdeckungsreise durch Kosovo machte. Lenz sei «ein fantastischer Mann», sagt Neziraj. «Er hat meinen schwarzen Humor sofort verstanden.»

Nezirajs Stücke bringen das Publikum allein durch ihre Titel zum Lachen und Nachdenken. Im Bühnenwerk «Carla Del Pon­te trinkt in Pris­ti­na ei­nen Vanilla Chai Latte» fahndet die ehemalige UNO-Chefanklägerin nach Kriegsverbrechern und stellt überrascht fest, dass auch in Kosovos Hauptstadt die Getränke wie in Westeuropa schmecken. In «Kosovo for Dummies», einer Koproduktion mit dem Berner Schlachthaus-Theater, geht es um Identitätsprobleme von Flüchtlingen, die einem übereifrigen Staatsbeamten nachweisen müssen, dass sie keine Nashörner sind. Westwärts von Russland sind die Kosovaren die einzigen Europäer, die ein Visum für den Schengen-Raum benötigen. Ein ganzes Volk wird von der EU bestraft, weil die kosovarischen Politiker nicht in der Lage sind, ein Grenzabkommen mit Montenegro zu verabschieden.

EU-Bürokraten paktieren mit Machthabern

Aus den Worten von Jeton Neziraj klingt dennoch keine Bitternis. «Meine Aufgabe ist es, die Grenzen der Freiheit zu verschieben. Schliesslich haben wir kein anderes Land», sagt er in der Hinterhoftaverne Miqt (Die Freunde). Es sind Leute wie Neziraj, ein paar Publizisten und Aktivisten der Zivilgesellschaft, die mit öffentlichen Wutausbrüchen geholfen haben, die Angst vor der regierenden Clique zu überwinden.

Schuld an der Misere trägt auch die grösste und teuerste EU-Auslandsmission (Eulex). Als sie nach der Unabhängigkeit 2008 die Arbeit in Kosovo aufnahm, hatten die Menschen grosse Hoffnungen. Der Auftrag war klar umrissen: beim Aufbau des Rechtsstaats die lokalen Behörden unterstützen und Korruption auf der höchsten Staatsebene bekämpfen. Mittlerweile gibt es genug Hinweise, dass die EU-Bürokraten lieber mit den kosovarischen Machthabern paktieren, um die oberfläch­liche Stabilität zu garantieren, als den Sumpf trockenzulegen. Mutmassliche Bestechungsaffären, Intrigen und inkompetente Beamte haben die EU-Mission völlig diskreditiert.

Für eine grosse Wende zum Besseren müssen die Kosovaren selbst die Kraft aufbringen. Die lernbegierigen Jugendlichen, die beim Jugendförderungsprojekt Bonevet des Philanthropen Vllaznim Xhiha mitwirken, machen es vor: Sie haben erstmals in Kosovo ein benzinbetriebenes Auto in ein Elektrofahrzeug umgewandelt. Das Ding läuft.

Erstellt: 26.01.2018, 18:42 Uhr

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