Kosovos falsche Helden

Der Westen hat viel zu lange eine Konfrontation mit der Führungsriege der UCK gescheut.

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Der Krieg in Kosovo liegt schon eine Ewigkeit zurück. Kinder, die im Jahr 1999 geboren wurden, sind bald volljährig. Rebellenführer, die mit der Waffe in der Hand das serbische Repressionsregime bekämpften, sind inzwischen zu neuen Herrschern des Zwergstaates geworden. Sie haben sich die knappen Ressourcen unter den Nagel gerissen, kontrollieren die Medien und pflegen ein Geschichtsbild, in dem die Kosovo-Albaner nur als Opfer erscheinen. Wer sich dieser Pseudoelite in den Weg stellt, wer auf die dunklen Seiten des «Befreiungskrieges» hinweist, wird an den Pranger gestellt – als Landesverräter.

Nun besteht erstmals seit Kriegsende eine Chance, dass auch hochrangige Befehlshaber der Rebellenarmee UCK wegen Kriegsverbrechen vor ein internationales Sondertribunal kommen. Erst nach massivem Druck aus Washington und Brüssel hat das Parlament in Pristina den Weg frei­gemacht zur Ahndung von Gräueltaten an Angehörigen von Minderheiten wie Serben und Roma während und unmittelbar nach dem Krieg.

Der Westen hat viel zu lange eine Konfrontation mit der Führungsriege der UCK gescheut – aus Angst vor einer Eskalation der Lage. Dass das Gericht jetzt gegründet wird, ist das Verdienst eines Schweizers: Der FDP-Politiker Dick Marty hatte 2010 als Sonder­berichterstatter des Europarats schwerwiegende ­Vorwürfe gegen ehemalige Befehlshaber der UCK ­erhoben. Sie sollen Angehörige der Minderheiten ­verschleppt, misshandelt und ermordet haben.

Die internationale Justiz ist bisher mehrmals ­gescheitert, die Kriegshaudegen zu verurteilen, weil diese Zeugen eingeschüchtert oder beseitigt haben. Teilweise hat sich der Westen aus pragmatischen Gründen mit dieser Clique arrangiert: Ehemalige UCK-Führer wie der heutige Aussenminister und langjährige Premier Hashim Thaci sorgen für oberflächliche Stabilität. Mit ihnen ist aber kein funktionsfähiger Staat zu machen.

Wie schlimm die Wirtschaftslage im ausgeplünderten Kosovo ist, zeigt nicht zuletzt die seit Monaten andauernde Massenflucht nach Westeuropa.

Erstellt: 04.08.2015, 19:01 Uhr

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