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Kosovos zweite Befreiung

Der neueste Ermittlungsbericht zu den Kriegsverbrechen der UCK zeigt: Nicht alle Kosovo-Albaner waren Kriegs­opfer.

Der Westen ist aus edlen Motiven in den Krieg gezogen, als 1999 das Belgrader Regime alle Kosovo-Albaner aus ihrer Heimat vertreiben wollte und Tausende Menschen ermordete. Brüssel und Washington hatten eine Dekade lang tatenlos zugeschaut, wie der Gewaltherrscher Slobodan Milosevic ein Apartheid-Regime mitten in Europa besiegelte. Die Repressionswelle in der balkanischen Provinz hatte Folgen auch für die Schweiz: Zwischen Burgdorf und Brüttisellen ­fanden viele kosovarische Lehrer, Beamte und Bauern ­Zuflucht. Von ­dieser Solidarität können die vom ­Bürgerkrieg in ihrem Land geplagten Syrier heute nur träumen. Die Kinder der kosovarischen Bürgerkriegsflüchtlinge spielen ­inzwischen für das Schweizer Fussball­nationalteam.

Doch nicht alle Kosovo-Albaner waren Kriegs­opfer. Das zeigt exemplarisch der gestern in Brüssel veröffentlichte Bericht eines US-Ermittlers, der im Auftrag der EU und des Europarats die Kriegsverbrechen der kosovarischen Befreiungsarmee UCK untersuchte. Mehrere Rebellenführer haben während und unmittelbar nach dem Krieg Serben entführt, Roma ermordet, kritische Albaner mundtot gemacht. Wer sich diesen Männern in den Weg stellte, musste um sein Leben fürchten. Zeugen wurden erschossen, Beweise vernichtet. Die meisten der mutmasslichen Kriegsverbrecher haben in den 90er-Jahren in der Schweiz gelebt, sie gehören zur sogenannten Swiss-Connection und haben vom fast mythischen Nimbus der Befreier profitiert.

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