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«Jihadisten von morgen» in Idomeni – Minister schlägt Alarm

Bilder wie aus dem Krieg erreichen uns aus Griechenland. Die brutale Niederschlagung des Flüchtlingsaufstands könnte schlimme Folgen haben, warnt ein Politiker.

Bilder wie aus dem Krieg: Flüchtlinge gegen Polizisten an der griechisch-mazedonischen Grenze. (10. April 2016)

Angesichts der Spannungen im wilden Flüchtlingslager Idomeni an der mazedonischen Grenze warnt der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, vor einer Radikalisierung wütender Migranten. Der Umgang der Behörden mit den Protestierenden müsse gut überlegt sein. «Was Sie heute sehen, sind die Jihadisten von morgen», sagte Toskas am Montag dem griechischen Nachrichtensender Skai. Damit meinte er, dass islamische Extremisten unter den verzweifelten Menschen Mitkämpfer rekrutieren könnten.

Am Sonntag hatten Migranten versucht, gewaltsam den mazedonischen Grenzzaun zu überwinden, um sich den Weg nach Mitteleuropa freizukämpfen. Sie zerstörten einen Teil des Zauns und schleuderten Steine auf die mazedonischen Sicherheitskräfte.

Mazedonien bestätigte die von Griechenland gemeldeten Tumulte vom Sonntagmittag, machte aber griechische Beamten für den Tränengaseinsatz verantwortlich. Ausgelöst wurden die Zusammenstösse in der Nähe des Grenzübergangs im griechischen Idomeni offenbar wie bereits vor wenigen Wochen durch das Gerücht, Mazedonien werde die Grenze öffnen.

Hunderte Schutzsuchende versammelten sich deshalb nach Angaben der griechischen Polizei am Sonntagvormittag an der Grenze und forderten deren Öffnung. Als einige versuchten, gewaltsam die Absperrungen zu durchbrechen, setzten mazedonische Beamte demnach Tränengas ein.

Bei dem Polizeieinsatz trugen nach Angaben von Ärzte ohne Grenzen rund 260 Flüchtlinge Verletzungen davon. Mediziner der Hilfsorganisation hätten rund 200 Menschen wegen Atemproblemen nach dem Einsatz von Tränengas behandelt, sagte ein Vertreter der Organisation am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP.

30 weitere seien durch Plastikgeschosse verwundet worden, und noch einmal 30 Flüchtlinge seien wegen anderer Verletzungen in Behandlung gewesen.

Ein griechischer Regierungssprecher kritisierte Mazedonien, auch Gummigeschosse eingesetzt zu haben und sprach von einem «gefährlichen und verabscheuungswürdigen» Vorgang.

Entschlossen: Eine Gruppe von Migranten versucht von Hand Löcher in den Grenzzaun von Idomeni zu reissen. (10. April 2016)
Entschlossen: Eine Gruppe von Migranten versucht von Hand Löcher in den Grenzzaun von Idomeni zu reissen. (10. April 2016)
Alexandros Avramidis, Reuters
Beharrlich: Die Lücken im Zaun werden immer grösser. (10. April 2016)
Beharrlich: Die Lücken im Zaun werden immer grösser. (10. April 2016)
Bulent Kilic, AFP
Die mazedonische Polizei treibt die Migranten von der Grenze zurück: Menschen flüchten.
Die mazedonische Polizei treibt die Migranten von der Grenze zurück: Menschen flüchten.
Bulent Kilic, AFP
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Mazedonien weist Kritik zurück

Mazedonien bestätigte zwar die Zusammenstösse, wies aber die Verantwortung für den Tränengas-Einsatz zurück. Die griechische Polizei habe Tränengas eingesetzt, nicht die mazedonische, sagte ein Polizeivertreter. Auf der mazedonischen Seite sei es «ruhig». Wie ebenfalls aus mazedonischen Polizeikreisen verlautete, wurden drei eigene Beamte durch Steine verletzt.

In Idomeni sitzen mehr als 11'000 Menschen fest, seit die Fluchtroute über den Balkan vor wenigen Wochen abgeriegelt worden war. Seitdem fordern sie immer wieder die Öffnung der Grenze zu Mazedonien, um von dort aus weiter Richtung Deutschland und in andere europäische Länder zu kommen. Regelmässig kommt es zu Protesten in dem provisorischen Lager.

Bemühungen der griechischen Behörden, die Flüchtlinge zum Verlassen von Idomeni und zum Aufsuchen nahegelegener Registrierungszentren zu bewegen, waren bislang kaum erfolgreich. Die meisten Schutzsuchenden wollen dort bleiben, um die erhoffte Grenzöffnung nicht zu verpassen.

Flüchtlinge vor Samos ertrunken

Vor Samos ertranken am Samstag vier Frauen und ein Kind, nachdem ihr Boot auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland gesunken war. Fünf Menschen konnten gerettet werden, nach mehreren weiteren Menschen wurde nach dem Unglück gesucht, wie die griechische Küstenwache mitteilte. Unter den Überlebenden war demnach auch der mutmassliche Schlepper der Flüchtlingsgruppe, er wurde festgenommen.

Es war das erste Mal seit Inkrafttreten des EU-Abkommens mit der Türkei, dass die Behörden von ertrunkenen Flüchtlingen in der Ägäis berichteten. Gemäss dem Abkommen werden alle Menschen, die nach dem 20. März auf illegalem Weg Griechenland erreichen, in die Türkei zurückgeschickt.

Wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» unter Berufung auf Zahlen der EU-Grenzschutzbehörde Frontex berichtete, gelangten seitdem 80 Prozent weniger Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland.

Agenturen/«Die Welt»

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