Letzte Ehre für Guido Westerwelle

Zwei Wochen nach seinem Tod haben sich Familie, Freunde und politische Weggefährten in Köln vom ehemaligen FDP-Politiker verabschiedet.

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Bei einer Trauerfeier in der St. Aposteln-Kirche in Köln haben Familie, Freunde und politische Weggefährten des ehemaligen deutschen Aussenministers und FDP-Politikers Abschied genommen.

«Deutschland hat einen besonderen Menschen und Politiker verloren», sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Ansprache. Sie persönlich werde Westerwelle auch als engen Vertrauten und verlässlichen Partner vermissen.

In der römisch-katholischen St. Aposteln Kirche leitete Priester Karl Jüsten die Trauerfeier. Er kannte Westerwelle schon als Kind.

Zu dem ökumenischen Gottesdienst in der St. Aposteln-Kirche waren auch Bundespräsident Joachim Gauck, FDP-Chef Christian Lindner und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) gekommen.

«Ich liebe das Leben»

Die Familie um Westerwelles Ehemann Michael Mronz hatte den Gottesdienst sehr persönlich gestaltet. Vicky Leandros sang für ihren Freund Westerwelle das Lied «Ich liebe das Leben» mit verändertem Text. Die Schauspielerin Veronica Ferres trug die Lesung vor. Im Altarraum stand ein brauner Holzsarg, ein grosses Porträtfoto zeigte einen lächelnden Westerwelle.

«Er war für viele eine Identifikationsfigur – und für manche genau das Gegenteil», sagte Prälat Karl Jüsten, der Westerwelle von klein auf kannte, in seiner Predigt.

Der Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Dutzmann, erinnerte auch an den am Freitag gestorbenen Hans-Dietrich Genscher: «Wir denken an seine Familie und schliessen sie in unsere Gebete ein.» Westerwelles einstiges Vorbild Genscher war ihm in seinen Ämtern als FDP-Vorsitzender und Aussenminister vorausgegangen.

Nach dem Gottesdienst fuhr die Trauergemeinde unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Beerdigung auf dem zentralen Kölner Melaten-Friedhof.

Vier Jahre deutscher Aussenminister

Westerwelle war von 2001 bis 2011 FDP-Chef und von 2009 bis 2013 deutscher Aussenminister gewesen. Im Juni 2014 kam er wegen akuter Leukämie in stationäre Behandlung.

Ein Jahr nach der Diagnose zeigte er sich noch zuversichtlich, wieder zu genesen. So sprach er im November 2015 auch in Fernsehauftritten über seine Krankheit und stellte sein Buch «Zwischen zwei Leben» vor. Seit Ende November befand sich Westerwelle jedoch wieder im Spital.

Der am 27. Dezember 1961 in Bad Honnef bei Bonn geborene Anwaltssohn war Anfang der 80er Jahre Mitbegründer der Jungen Liberalen, wurde mit nur 32 Jahren FDP-Generalsekretär, 2001 mit 39 Jahren der bis dahin jüngste Parteichef. Nach der Bundestagswahl 2009 wurde der gelernte Jurist im Kabinett Merkels Aussenminister.

Doch zwei Jahre nach Eintritt in die Regierung gab Westerwelle 2011 unter innerparteilichem Druck den FDP-Vorsitz an Philipp Rösler ab. Bei den Bundestagswahlen 2013 verpasste die FDP den Wiedereinzug in den Bundestag, Westerwelle musste seinen Posten als Aussenminister räumen. Wenig später begann sein gesundheitlicher Leidensweg. (nag/sda)

Erstellt: 02.04.2016, 17:25 Uhr

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