Lieblinge des Boulevards

Gewinnt Emmanuel Macron die Präsidentenwahl, wird die 24 Jahre ältere Brigitte Trogneux Première dame. Das ungewöhnliche Paar fasziniert die Franzosen.

Ein starkes Duo: Brigitte Trogneux mit dem Wahlprogramm ihres Mannes Emmanuel Macron.

Ein starkes Duo: Brigitte Trogneux mit dem Wahlprogramm ihres Mannes Emmanuel Macron. Bild: Keystone

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Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat knapp sieben Wochen vor der Wahl sein Programm für einen radikalen Umbau Frankreichs vorgestellt. Wie immer in den vergangenen Wochen, sass beim gestrigen Wahlkampfauftritt in Paris auch Brigitte Trogneux in der ersten Reihe des Publikums. Die Ehefrau von Macron bereitet seine Auftritte vor, hilft da und dort, feilt auch an seinen Reden. Sie ist nicht nur eine moralische Stütze, sondern auch eine wichtige Beraterin des Chefs der Bewegung En marche.

«Glücklicherweise habe ich sie nie dafür bezahlt», witzelte Macron kürzlich – eine freche Bemerkung gegen seinen konservativen Rivalen François Fillon, der durch eine Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau Penelope unter Beschuss geraten ist.

Sie ist 24 Jahre älter als er

Die Macrons haben gute Chancen, das mächtigste Ehepaar Frankreichs zu werden. Ein ungewöhnliches Duo sind sie jetzt schon – vor allem wegen des Altersunterschiedes von 24 Jahren und der berührenden Liebesgeschichte, die an einem Gymnasium begonnen hatte. Die People-Medien sind begeistert von den Macrons. «Paris Match», das bekannteste aller französischen People-Magazine, brachte den 39-jährigen Macron und seine 63-jährige Gattin in weniger als einem Jahr viermal auf seiner Frontseite. Und nächste Woche veröffentlichen zwei Journalisten das Buch «Les Macron», in dem Macrons Frau ausführlich zu Wort kommt und dabei Details ihrer Biografie preisgibt. Das Ehepaar Macron beherrscht auch die Kunst der Selbstinszenierung.

Der französischen Öffentlichkeit bekannt wurde Brigitte Trogneux, als sie ihren Mann 2015 auf einen Empfang im Präsidentenpalast begleitete. Die Franzosen staunten nicht schlecht über die Ehe des damaligen Wirtschaftsministers mit einer Frau, deren Kinder so alt sind wie er und die bereits mehrfache Grossmutter ist. Grossmütterlich tritt «Bibi», so ihr Spitzname, aber nicht auf: Die blonde, schlanke und braun gebrannte Frau mit dem breiten Lächeln ist bekannt für ihre todschicke wie körperbetonte Kleidung. Und sie gilt als starke, intelligente Frau mit eigenen Vorstellungen. Die Pariser Kulturwelt verehrt Brigitte Trogneux als gebildete Frau und «femme exceptionelle». Der prominente Modemacher Karl Lagerfeld sagte, dass sie für Emmanuel Macron das sei, was Michelle Obama für ihren Mann Barack war.

Brigitte Trogneux hatte in den 1990er-Jahren als Französischlehrerin am Jesuitengymnasium La Providence in der nordfranzösischen Stadt Amiens gearbeitet. Eben dieses Gymnasium besuchte der damals 15-jährige Macron. Er war aber nie ihr Schüler, wie Trogneux betont. In einem Theaterkurs, den Trogneux nebenbei leitete, lernten sie sich kennen. Die Lehrerin war sofort sehr angetan von der Intelligenz und vom vielseitigen Talent des Gymnasiasten. Ihre Tochter Lauriane hatte schon zuvor über den «Verrückten» erzählt, der «alles über alles» wisse. Auch die Lehrerkollegen berichteten ständig über das «kleine Genie» Emmanuel, Spross eines Ärztepaares.

Am Anfang der «amour fou» mit Brigitte Trogneux stand das Theater: Gymnasiast Emmanuel Macron auf der Theaterbühne in der Rolle einer Vogelscheuche. Video: Youtube/LeScrupteurDuNet

Macron und Trogneux kamen einander näher, als sie gemeinsam ein Theaterstück für eine Aufführung überarbeiteten. «Das Schreiben hat uns zusammengebracht und eine unglaubliche Nähe ausgelöst», erzählte sie letztes Jahr dem «Paris Match». «Ich spürte, dass ich ins Gleiten gerate, und er auch.» Weil eine solche Liebesbeziehung zwischen Lehrerin und Schüler undenkbar war, veranlassten die Eltern von Macron dessen Wechsel an das Pariser Elitegymnasium Henri IV. Beide blieben aber in engem Kontakt. Mit 17 Jahren, so die Legende, soll Macron seiner Ex-Lehrerin ein Versprechen abgegeben haben: «Egal, was Sie tun: Ich werde Sie heiraten.» 2007, also zwölf Jahre später, heirateten sie tatsächlich. Die Ehe verläuft frei von Skandalen.

Drei Kinder und sieben Enkelkinder

Brigitte Trogneux, Tochter eines wohlhabenden Chocolatiers, war in erster Ehe mit einem Banker verheiratet. Ihre drei Kinder – Sébastien, Laurence und Tiphaine – arbeiten als Ingenieur, Kardiologin und Anwältin. Mittlerweile ist sie Grossmutter von sieben Enkelkindern – damit ist Macron mit nicht mal 40 Jahren Stiefgrossvater. Auf eigene Kinder verzichtet Macron, weil er immer der Karriere Vorzug gegeben hat.

Präsidentschaftskandidat Macron blickte bereits auf eine brillante Karriere zurück, als er 2014 Wirtschaftsminister der Regierung von François Hollande wurde. Er hatte die Elite-Kaderschmieden Sciences Po und ENA absolviert, wurde Finanzinspektor und verdiente viel Geld bei der Investmentbank Rothschild. Vor der Präsidentschaftswahl 2012 stellte er sich an Hollandes Seite und wurde später dessen Wirtschaftsberater. Die Chancen auf eine Rückkehr in den Elysée-Palast stehen offenbar sehr gut. Auch weil seine Gattin im Präsidentschaftswahlkampf eine wichtige, positive Rolle spielt.

«Stellt euch nur vor, wie ich 2022 aussehen werde»

Bei der anstehenden Präsidentenwahl liegt nun Emmanuel Macron erstmals in einer Umfrage für die erste Wahlrunde vor der Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen. Macron kommt gemäss der heute veröffentlichten Odoxa-Erhebung auf 27 Prozent, Le Pen auf 25,5 Prozent. Früheren Umfragen zufolge würde sich Macron in der zweiten Runde klar gegen Le Pen durchsetzen.

Brigitte Trogneux hofft, im Mai als Première dame in den Elysée-Palast einzuziehen. Gemäss dem Bericht eines People-Magazins soll die 63-Jährige Freunden spasseshalber gesagt haben, ihr Mann müsse unbedingt diese Präsidentschaftswahl gewinnen, denn bei der nächsten in fünf Jahren wäre es wegen ihres Alters zu spät: «Emmanuel muss es jetzt schaffen. Stellt euch nur vor, wie ich 2022 aussehen werde.»

Erstellt: 03.03.2017, 17:47 Uhr

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Frankreich

Macron will «radikalen Umbau»

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron hat sich zu einem Favoriten für den Job im Elysée-Palast gemausert. Mit seinem Wahlprogramm versucht er, weitreichende Reformen und das Bedürfnis nach sozialer Sicherheit zu verbinden.

Macron strebt nach eigenen Worten einen «radikalen Umbau» seines Landes an. «Die Gesellschaft, die ich will, ist zugleich von ihren Blockaden befreit und schützt die Schwächsten», sagte der momentan aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat bei der lange erwarteten Vorstellung seines Wahlprogramms am Donnerstag.

Der 39-Jährige kandidiert als unabhängiger Bewerber und positioniert sich «weder rechts noch links». Macrons Programm sieht Reformen des Rentensystems, der Arbeitslosenversicherung und des Arbeitsrechts sowie Entlastungen für Geringverdiener vor.

Kampf der Arbeitslosigkeit

Um linke Wählerschichten wirbt der frühere Investmentbanker mit dem Versprechen, Arbeitgeber zu bestrafen, die zu viele befristete Arbeitsverträge abschliessen. Die Arbeitslosenquote könne von 10 auf 7 Prozent im Jahr 2022 verringert werden. Zugleich schlug er vor, die Unternehmenssteuer von 33,3 auf 25 Prozent zu senken.
Macron kündigte zudem an, die grossen Unterschiede zwischen Pensionen im öffentlichen Dienst und Renten in der Privatwirtschaft anzugleichen.

Die Zahl der Staatsbediensteten will Macron um 120'000 verringern. Zugleich verspricht er, über fünf Jahre 60 Milliarden Euro einzusparen, um Frankreichs Defizit zu reduzieren. Auf Kritik könnte sein Vorhaben stossen, die Zahl der Abgeordnetensitze in beiden Kammern des Parlamentes um ein Drittel zu verringern.

Macron vertritt eine klar europafreundliche Linie und will damit der Rechtspopulistin Marine Le Pen vom Front National (FN) Paroli bieten. So fordert Macron einen eigenen Haushalt für die Eurozone. (vin/sda)

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