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Linke Politiker jubeln, die Presse kommentiert

Uli Hoeness wird zu einer Gefängnisstrafe verurteilt: Wie Politiker, Prominente, Fussballkollegen und die Medien auf das Urteil reagieren.

Als hart aber fair bezeichnen die meisten deutschen Medien das Urteil gegen Uli Hoeness. Er habe kaum Reue gezeigt oder für Transparenz gesorgt, schreibt die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Deshalb könne Hoeness die Schuld nun nicht seinem damaligen Steuerberater in die Schuhe schieben, ebenso wenig wie seiner Schweizer Bank.

Hoeness werde trotz dieses Urteils immer ein «überragender Mann des Sports» bleiben, schreibt die «Zeit». Doch das Gericht habe nicht über den Menschen Hoeness entschieden, sondern, wie es seine Aufgabe sei, lediglich sein schweres Steuervergehen beurteilt. Das Kalkül von Hoeness und seiner Anwälte sei nicht aufgegangen. Dem Gericht sei nichts anderes übrig geblieben als Hoeness zu einer Haftstrafe ohne Bewährung zu verurteilen. «Alles andere wäre als ungerechtfertigte Bevorteilung eines überaus Prominenten, mit der Wirtschaft und der Politik eng Verbandelten ausgelegt worden.»

«Spiegel Online» bezeichnet das Urteil als Schlusspunkt einer gesellschaftlichen Entwicklung – Steuerhinterziehung werde endgültig nicht mehr als Kavaliersdelikt verharmlost. Es mache klar, dass Steuerhinterzieher sich genauso asozial verhalten wie andere Kriminelle. «Entscheidend beigetragen haben zu diesem gesellschaftlichen Wandel die Ankäufe von Kontodaten und auch der politische Druck auf die Schweiz und deren Banken.»

Linke Politiker jubeln

Renate Künast von den Grünen hat als erste namhafte Politikerin in Deutschland auf das Urteil gegen Uli Hoeness reagiert. «Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Angesichts der riesigen Summen konnte das Gericht nicht anders entscheiden», zitieren sie deutsche Medien. «Vor dem Gesetz sind alle gleich. Trotz des ungeheuren Rummels, das Gericht hat seine Aufgabe im Rechtsstaat erfüllt.»

«Das ist ein guter Tag für den Rechtsstaat», sagte die Vize-Chefin der Deutschen Linken, Sahra Wagenknecht. Und sie setzt gleich noch zu einer Spitze gegen die Regierung an: «Uli Hoeness' Mannschaft sitzt aber nicht in der Allianz-Arena, sondern auf der Regierungsbank».

Wagenknecht übte zugleich Kritik an der Möglichkeit der strafbefreienden Selbstanzeige für Steuersünder. Das sei nur für «Bagatellfälle» zu rechtfertigen, erklärte sie. Bei keiner anderen Tat könnten sich Täter durch eine Selbstanzeige der Strafe entziehen.

«Ich bin menschlich betroffen»: Bayerns Landeschef Horst Seehofer zum Hoeness-Urteil. (Video: Reuters)

Eine Woche haben Uli Hoeness und die Staatsanwaltschaft Zeit, um in Revision zu gehen. Das ist allerdings schon geschehen: «Wir werden das Urteil natürlich mit dem Rechtsmittel der Revision angreifen», sagt sein Anwalt. Hoeness bleibt auch nach Urteil auf freiem Fuss.

Der CDU-Finanzpolitiker Michael Meister wertete es als Beitrag im Kampf gegen Steuerkriminalität. «Das Urteil wird die Steuermoral der Bürger stärken. Es zeigt, dass es sich nicht lohnt, Steuern zu hinterziehen», sagte er der «Rheinischen Post».

Auch bei offenem Vollzug keine Bayern-Spiele

Selbst wenn das Urteil rechtskräftig wäre, müsste Hoeness mit etwas Glück nur die Hälfte der Strafe hinter Gitter verbringen, also 21 Monate - und diese dann womöglich auch nur nachts. Denn das Strafgesetzbuch (StGB) ermöglicht so genannte Halbstrafen, wenn «Milderungsgründe von besonderem Gewicht vorliegen». Über den Freigang zur Arbeit in Freiheit entscheidet - womöglich schon nach wenigen Wochen - der Gefängnisleiter.

Allerdings müsste Hoeness gar nicht mal zwingend die Hälfte der Strafe im Gefängnis verbringen. Paragraf 11 StGB zur «Lockerung des Vollzugs» erlaubt es, dass Häftlinge als sogenannte Freigänger ausserhalb der Vollzugsanstalt arbeiten und nur nachts zum Schlafen einrücken müssen. Über solche Vollzugslockerungen entscheidet der Anstaltsleiter. Der Besuch von Abend- oder gar Auslandsspielen des FC-Bayern wären dann allerdings tabu.

Warten auf eine Reaktion des Clubs

Noch kein offizielles Statement gibt es von Hoeness' Club, dem FC Bayern München. Laut Reuters sollt sich der Verwaltungsrat noch heute zur Beratung treffen. Hoeness ist VR-Präsident.

Auch das deutsche Kanzleramt lehnte eine Stellungnahme ab: «Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel äussert sich generell nicht zu Urteilen von Gerichtsprozessen», hiess es dort.

Ein Reporter der «Bild»-Zeitung twittert ein Foto aus dem Gerichtsgebäude:

Wettermann Jörg Kachelmann, der weiss wie es sich als Prominenter in einem Gefängnis anfühlt, twittert:

Der Finanzexperte der SPD, Joachim Poss, empfindet den Richterspruch als «ein Urteil mit Augenmass». «Das Urteil nimmt, glaube ich, das Rechtsempfinden der Menschen ernst», erklärt er gegenüber dem Fernsehsender Phoenix.

Jörg Hackhausen, Journalist beim deutschen Handelsblatt, fragt auch nach dem Urteil kritisch nach:

Mit Humor geht der frühere englische Internationale Gary Lineker auf das Urteil gegen Hoeness ein:

AFP/sda/dapd/cpm/fko

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