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Linke wirft Altkanzler Schmidt Senilität vor

Nach dem Lafontaine-Hitler-Vergleich von Altkanzler Helmut Schmidt wirft die Linkspartei dem 89-Jährigen Senilität vor.

«Es ist an der Zeit, dass er nichts mehr sagt», sagte der stellvertretende Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst der «Passauer Neuen Presse». Zugleich wertete er die Äusserung Schmidts als Zeichen des moralischen Abstiegs der SPD: «Dass ein ehemaliger Bundeskanzler der SPD sich so äussert, zeigt den Verfall von Sitten und Moral in dieser Partei.»

SPD-Politiker Wolfgang Thierse verwies dagegen auf den berühmten NS-Vergleich, den der damalige SPD-Politiker Oskar Lafontaine im Zusammenhang mit Schmidt gezogen hatte. Lafontaine selbst gibt sich gelassen.

Lafontaine und Le Pen seien vergleichbar

Schmidt hatte am Wochenende Lafontaine in einem Atemzug mit Adolf Hitler und dem französischen Rechtsextremisten Jean-Marie Le Pen genannt. «Auch ‹Adolf Nazi› war ein charismatischer Redner. Oskar Lafontaine ist es auch», sagte er - Charisma alleine mache aber noch keinen guten Politiker aus. Zudem seien Lafontaine und Le Pen «vergleichbare Populisten» - «der eine ist links, der andere ist rechts». Lafontaine selbst hatte 1982 dem damaligen Bundeskanzler Schmidt vorgeworfen, er fordere «Sekundärtugenden» wie Pflichtgefühl, mit denen man «auch ein KZ betreiben» könne.

Lafontaine reagiert mit demonstrativer Gelassenheit auf Schmidts Äusserungen. «Helmut Schmidt hat auch Charisma», aber man solle «seine Worte auch nicht mehr so wichtig nehmen», sagte er in Berlin. «Wir gehen zur Tagesordnung über.»

Kritik an «unsäglichen Vergleichen»

Weniger gelassen zeigten sich Lafontaines Parteifreunde. Ernst bezeichnete Schmidts Worte als ungeheuerlich. «Da kann ich nur sagen: alterssenil», fügte er hinzu. Der stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, Bodo Ramelow, sprach von einer «unglaublichen Entgleisung» Schmidts. «Ein Vergleich zwischen Oskar Lafontaine und dem grössten Massenmörder ist einfach empörend.» Der Altkanzler könne seine Wut über den ehemaligen Parteikollegen ja formulieren - «ich würde mir aber wünschen, dass er sich nicht zum Mittel einer bösen Kampagne macht».

Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau von der Linken erklärte laut MDR Aktuell, sie wundere sich «schon seit Jahren, warum Politiker der alten Bundesrepublik immer wieder solche unsäglichen Vergleiche bemühen und auf diese Art und Weise im Übrigen den Nationalsozialismus verharmlosen». Auch für die harte politische Auseinandersetzung stünden andere Mittel zur Verfügung.

«Eins zu Eins zwischen Schmidt und Lafontaine»

Thierse sagte im selben Sender, Schmidts Äusserungen erinnerten an Lafontaines Attacke auf den Exkanzler selbst. Insofern stehe es Eins zu Eins zwischen Schmidt und Lafontaine.

Unterstützung für Schmidt kam vom SPD-Politiker Michael Müller. «In der Vergangenheit war Lafontaine in der Ausländer- und Asylfrage nie ein Parteilinker. Er scheute auch nicht vor Begriffen wie Fremdarbeiter zurück, die historisch sehr fragwürdig besetzt sind», sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium der Tageszeitung «Die Welt». Lafontaine verführe die Menschen mit populistischen Sprüchen, die keine Substanz hätten.

AP/bru

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