Lob und Tadel für Theresa May

Ob Merkel, Macron oder Juncker: Der angekündigte Rücktritt der britischen Premierministerin hat für Reaktionen gesorgt.

Eine mutige Frau, die er sehr respektiere: Jean-Claude Juncker bedauert Mays Abgang. Foto: Keystone

Eine mutige Frau, die er sehr respektiere: Jean-Claude Juncker bedauert Mays Abgang. Foto: Keystone

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Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Rücktrittserklärung von Theresa May «mit Respekt zur Kenntnis genommen». Die Kanzlerin habe «stets mit Frau May gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet und wird dies auch weiterhin tun, solange sie im Amt ist», sagte eine Regierungssprecherin am Freitag in Berlin. Sie werde «auch weiter gute Beziehungen zu Grossbritannien pflegen».

Der französische Präsident Emmanuel Macron lobte die britische Premierministerin für ihre «mutige Arbeit». Zugleich forderte er «eine schnelle Klarstellung» beim Brexit. «Es ist zu früh, um über die Konsequenzen dieser Entscheidung zu spekulieren», erklärte Macron in Paris mit Blick auf Mays Rücktritt. Priorität sei es nun, «den guten Weiterbetrieb der EU zu sichern».

Video: Theresa May kämpft mit den Tränen

Die britische Premierministerin hat ihren Rücktritt verkündet. (Video: Reuters/Tamedia)

Juncker bedauert Mays Rückzug

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bedauert Mays Schritt. Juncker habe die Zusammenarbeit mit May geschätzt, sagte eine Sprecherin am Freitag in Brüssel. May sei eine mutige Frau, die er sehr respektiere. Juncker werde aber auch zu einem neuen Regierungschef in London Arbeitsbeziehungen aufbauen. An der bisherigen Position der EU ändere sich damit aber nichts.

Die Arbeitshypothese bleibe, dass Grossbritannien die Europäische Union am 31. Oktober verlasse, fügte die Sprecherin hinzu. Die EU setze auf einen geordneten Brexit. Änderungen am in London höchst umstrittenen Austrittsvertrag seien aber nicht möglich.

May hatte am Freitag ihren Rücktritt bekanntgegeben. Sie werde als Parteichefin der Konservativen am 7. Juni zurücktreten, nachdem es ihr nicht gelungen sei, das Parlament von ihrem Brexit-Abkommen zu überzeugen, sagte sie. Mit dem Rücktritt vom Parteivorsitz gibt May auch ihr Amt als Regierungschefin auf.

Der parteiinterne Prozess um ihre Nachfolge soll May zufolge in der Woche ab dem 10. Juni beginnen. Das Rennen um den Parteivorsitz dürfte einige Wochen dauern. May bleibt in dieser Phase kommissarisch als Regierungschefin im Amt.

«Unfähig zum Regieren»

Als möglicher Nachfolger Mays wird unter anderen Ex-Aussenminister und Brexit-Hardliner Boris Johnson gehandelt. Dieser forderte am Freitag, Mays Nachfolger müsse beim Brexit nun «liefern». «Vielen Dank für Ihren stoischen Dienst für unser Land und die konservative Partei», schrieb Johnson mit Blick auf May.

Labour-Chef Jeremy Corbyn erklärte, May sei «unfähig zum Regieren» gewesen und habe «Grund zum Rücktritt» gehabt. Um das Land aus der Sackgasse zu manövrieren, müsse ihr Nachfolger Neuwahlen organisieren.

Nigel Farage, Vorsitzender der EU-feindlichen Brexit-Partei, warf May vor, die Stimmung im Land falsch eingeschätzt zu haben. Nach Ex-Premierminister David Cameron sei May bereits der zweite pro-europäische Tory-Chef, der gehen müsse.

Auch die Satiresendung «ZDF heute-show» befasste sich auf Twitter mit dem Rücktritt der britischen Premierministerin.

(fal/afp)

Erstellt: 24.05.2019, 14:41 Uhr

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