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Macrons Freund soll die Parteiseele wiederfinden

Die Partei des französischen Präsidenten Emmanuel Macron hat einen neuen Chef. Christophe Castaner hat die heikle Aufgabe, den Macronismus zu definieren.

Der Vorsitz von La République En Marche sei «kein Traum» von ihm gewesen: Christophe Castaner. (18. November 2017)
Der Vorsitz von La République En Marche sei «kein Traum» von ihm gewesen: Christophe Castaner. (18. November 2017)
Laurent Cipriani, Keystone

Christophe Castaner hat die Rolle des ­loyalen Parteisoldaten schon voll und ganz verinnerlicht: Der Vorsitz von La République En Marche (En Marche) sei «kein Traum» von ihm gewesen, wohl aber sei die neue Aufgabe an der Spitze von Frankreichs Regierungspartei «eine Ehre und eine Verpflichtung», sagte Castaner vor den versammelten Delegierten. «Ich werde nicht der Chef sein, sondern ein Moderator.»

Tatsächlich ist der wahre Chef von En Marche bei diesem ersten Parteitag, der am Wochenende in Lyon abgehalten wurde, nicht dabei. Emmanuel Macron ist schliesslich seit Mai Frankreichs Staatspräsident und hält deshalb gegen aussen Distanz zu der Bewegung, die ihn an die Macht getragen hat. Dennoch war es Macron, der seinen treuen Gefolgsmann Castaner als einzigen Anwärter für die Parteiführung designiert hat – obwohl der lieber Regierungssprecher geblieben wäre. In Lyon bestätigen die 750 Delegierten diese Entscheidung in nicht geheimer Abstimmung mit 748 Stimmen bei zwei Enthaltungen. Die übrigen Vorstandsposten gehen mit breiter Mehrheit an von Castaner unterstützte Kandidaten.

Das Ergebnis mag eindeutig sein. Trotzdem gibt es ein halbes Jahr nach Macrons Triumph und dem Sieg von En Marche bei der Parlamentswahl einiges zu klären und zu erklären: Die Formation war in Opposition zur hergebrachten Links-rechts-Spaltung des Landes angetreten und hatte so 380 000 Mitglieder und eine Mehrheit der Wähler für sich gewonnen. Doch nun ähnelt sie zunehmend den etablierten, von Kadern beherrschten Parteien Frankreichs. Castaner verspricht deshalb, er wolle bei En Marche rasch «die Seele wiederfinden».

Zudem soll er der Partei mit Blick auf die nächsten Wahlen Strukturen geben und «einen programmatischen Korpus ausarbeiten», wie er sagt. Es kommt nicht von ungefähr, dass Macron es Freund Castaner am ehesten zutraut, diese Spannung aufzulösen: Der 51-jährige Südfranzose ist ein erfahrener Polit-Profi. 2016 zählte er zu den ersten sozialistischen Abgeordneten, die den Wechsel ins Macron-Lager wagten. Ausserdem gilt er als guter Kommunikator.

Nun soll er helfen, den Macronismus zu definieren. Denn die programmatische Verortung von En Marche ist diffus. Das hatte bei der Wahl Macrons den Erfolg möglich gemacht, ist nun in Regierungsverantwortung aber schwer durchzuhalten. In der Fraktion in der Nationalversammlung gab es zuletzt etwa wegen der Steuerpolitik Streit, der offenbarte, welch unterschiedliche Prägungen sich in der Partei wiederfinden. Macron selbst hatte sich im Wahlkampf als gemässigter Linker präsentiert. Doch seine Politik wird jetzt in Umfragen als Mitte-rechts wahrgenommen.

Dutzende Rebellen treten aus

Trotz der Zustimmung auf dem Parteitag sieht sich Castaner mit grundsätzlicher Kritik konfrontiert: Gut 100 En-Marche-Mitglieder waren zuvor ausgetreten, weil der Partei im Inneren die Demokratie fehle. Die Organisation sei «des Ancien Régimes würdig». Unter den Rebellen befinden sich keine prominente Parteimitglieder. Nach seiner Wahl sagte Castaner: «Alles, was verbessert werden muss, wird verbessert werden, auf demokratische Art.» Doch Streitereien sollten bitte nicht öffentlich ausgetragen werden.

Weniger einsichtig zeigte sich Chris­tophe Castaner bei einem anderen Kritikpunkt: Zwar gibt er das Amt des Regierungssprechers auf, was in den nächsten Tagen eine Kabinettsumbildung nötig machen wird. An seinem Posten als Staatssekretär für die Beziehungen zum Parlament hält er dagegen fest. Den Job, erklärt Castaner, müsse ihm Macron schon selbst nehmen.

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