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Margaret Thatcher gestorben – Begräbnis mit militärischen Ehren

England verliert seine eiserne Lady: Margaret Thatcher ist gestern nach einem Schlaganfall gestorben. Politiker würdigen sie als umstrittene, aber herausragende Persönlichkeit, die ihr Land nachhaltig veränderte.

Den Spitznamen «eiserne Lady» erhielt Thatcher 1976 in einem Kommentar von Radio Moskau – zu ihrem Wohlgefallen offenbar.Im Bild: Thatcher an einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen. (23. Juni 1982)
Den Spitznamen «eiserne Lady» erhielt Thatcher 1976 in einem Kommentar von Radio Moskau – zu ihrem Wohlgefallen offenbar.Im Bild: Thatcher an einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen. (23. Juni 1982)
AP
Trauer in Grossbritannien: Die Flaggen auf der Residenz des britischen Premiers ...
Trauer in Grossbritannien: Die Flaggen auf der Residenz des britischen Premiers ...
AFP
Margaret Thatcher wuchs als Margaret Roberts auf. Die Tochter eines Kolonialwarenhändlers und einer Schneiderin besuchte dank einem Stipendium die Schule.Im Bild (von links nach rechts): Schwester Muriel, Vater Alfred, Mutter Beatrice und Margaret Roberts. (1945)
Margaret Thatcher wuchs als Margaret Roberts auf. Die Tochter eines Kolonialwarenhändlers und einer Schneiderin besuchte dank einem Stipendium die Schule.Im Bild (von links nach rechts): Schwester Muriel, Vater Alfred, Mutter Beatrice und Margaret Roberts. (1945)
Keystone
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Die frühere britische Premierministerin Margaret Thatcher ist tot. «Mit grosser Betroffenheit» hätten ihre Kinder Mark und Carol Thatcher bekannt gegeben, dass ihre Mutter, Baronin Thatcher, gestern Morgen an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben sei, sagte ihr Sprecher Lord Tim Bell in London.

Die als eiserne Lady bekannt gewordene konservative Politikerin hatte bereits mehrere Schlaganfälle erlitten. Nach Angaben ihrer Tochter war die 87-Jährige seit Jahren dement. Im Dezember musste sie sich einer Operation an der Harnblase unterziehen. Sie hatte sich nur noch selten in der Öffentlichkeit gezeigt.

Königin Elizabeth II. trauert

Die britische Königin Elizabeth II. hat ihre Bestürzung über den Tod der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher ausgedrückt. Die Königin sei «traurig, diese Nachricht zu hören», und werde im Laufe des Tages eine private Nachricht der Anteilnahme an die Familie Thatcher senden, sagte ein Palastsprecher am Montag.

Nach dem Tod von Margaret Thatcher hat der britische Regierungschef David Cameron eine Tour durch europäische Hauptstädte abgebrochen und kehrt nach London zurück. «Wir haben eine grosse Führerin verloren, eine grosse Premierministerin und eine grosse Britin», würdigte Cameron die Verstorbene. Cameron war auf seiner Europareise am Montag nach Madrid gereist, am Abend stand auch Paris auf dem Programm.

Nach Angaben der britischen Regierung wird Thatcher ein feierliches Begräbnis mit militärischen Ehren in der St. Paul's Kathedrale erhalten. Ein «weites und vielfältiges Spektrum an Menschen» werde am Gottesdienst teilnehmen, danach erfolge eine private Einäscherung, hiess es weiter aus der Downing Street. Die Bestattung erfolge «entsprechend den Wünschen» von Thatchers Familie.

Merkel: «Keine Frauenpolitikerin»

Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Thatcher als «grosse Persönlichkeit», die die Geschichte ihres Landes nachhaltig geprägt habe. «Ihr gesamtes öffentliches Leben lang war sie mit ihren konservativen Überzeugungen, zu denen sie voll stand, auf den Einfluss Grossbritanniens und auf die Verteidigung seiner Interessen bedacht», hob Hollande in einer Erklärung in Paris hervor. Thatchers Beziehungen zu Frankreich seien stets «offen und loyal» gewesen, fügte Hollande hinzu. Gemeinsam mit dem damaligen französischen Staatschef François Mitterrand habe sie die Verbindungen zwischen beiden Ländern gestärkt. So habe sie einen entscheidenden Impuls zum Bau des Tunnels unter dem Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien gegeben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Thatcher als «eine der überragenden Führungspersönlichkeiten der Weltpolitik ihrer Zeit». Sie habe «das moderne Grossbritannien» in einer Weise geprägt «wie wenige vor oder nach ihr», erklärte die Kanzlerin. Die erste und bislang einzige Frau an der Spitze der britischen Regierung sei «keine Frauenpolitikerin» gewesen. Trotzdem habe sie «vielen nach ihr ein Beispiel gegeben», sagte Merkel.

Der Chef der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, bezeichnete die oft europakritisch aufgetretene Thatcher als «vorsichtige, aber engagierte Spielerin in der Europäischen Union». Die frühere Premierministerin werde «genauso für ihre Beiträge wie für ihre Vorbehalte gegenüber unserem gemeinsamen Vorhaben» in Erinnerung bleiben. Der Präsident des Europäischen Parlaments, der deutsche Sozialdemokrat Martin Schulz, erklärte: «Ob man mit ihrer Politik übereinstimmt oder nicht: Margaret Thatcher hat gezeigt, dass Politik immer noch in der Lage ist, Änderungen zu erzwingen.»

Auch der frühere sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow würdigte Thatcher als «grosse politische Persönlichkeit». Der deutschen Wiedervereinigung hatte Thatcher nach dem Ende der DDR zunächst ablehnend gegenüber gestanden.

Britische Lokalpolitiker sind voll des Lobes

Der frühere konservative Premier John Major hat seine direkte Vorgängerin Margaret Thatcher als «Naturgewalt» und «politisches Phänomen» gewürdigt. Ihre Wirtschafts- und Gewerkschaftsreformen sowie ihr Einsatz für die Falklandinseln stelle sie «über die normale Politik».

«Alle, die mit ihr zusammengearbeitet haben, werden sich immer an ihre herausragenden Charakteristiken erinnern: Ihren Mut und ihre Willenskraft in der Politik, ihre Menschlichkeit und geistige Grosszügigkeit im Privaten.»

Vize-Premier Nick Clegg von den Liberaldemokraten würdigte Thatcher als «eine der bestimmenden Figuren der modernen britischen Politik». Egal, auf welcher Seite der politischen Debatte man stehe: Niemand könne der Tatsache widersprechen, dass sie in dem Land, dem sie gedient habe, einen «einzigartigen und bleibenden Eindruck» hinterlassen habe.

«Sie mag während ihrer Zeit in der Politik geteilte Meinungen ausgelöst haben, aber heute sind wir alle darin vereinigt, die Stärke ihrer Persönlichkeit und den Radikalismus ihrer Politik zu würdigen.»

Londons Bürgermeister und Thatcher-Parteikollege Boris Johnson erklärte: «An sie wird man sich noch lange erinnern, wenn die Welt die grauen Anzüge der Politik von heute schon vergessen hat.»

«Ich will mein Geld zurück»

Die am 13. Oktober 1925 geborene Thatcher regierte Grossbritannien über drei Amtsperioden von 1979 bis 1990 und damit länger als jeder andere Premierminister im 20. Jahrhundert. Während ihrer elfjährigen Regierungszeit fand sie einen Verbündeten im ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan, wandelte ihr Land mit ihrer umstrittenen Politik der Marktliberalisierung und zögerte nicht, europäische Verbündete gegen sich aufzubringen.

Sie machte sich vor allem durch den Falkland-Krieg gegen Argentinien und ihre Rolle innerhalb der damaligen Europäischen Gemeinschaft einen Namen. Ihre Worte «Ich will mein Geld zurück», mit denen sie den sogenannten «Britenrabatt» durchsetzte, sind legendär geworden.

2002 zog sich Thatcher aus öffentlichen Ämtern nach einer Reihe kleinerer Schlaganfälle zurück. Nur selten trat sie seither in der Öffentlichkeit auf.

AFP/AP/sam/fko

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