Zum Hauptinhalt springen

«Maul zu, Frau Merkel!»

Frankreich und Italien bräuchten stärkere Reformen, hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Wochenende gefordert. Die Angesprochenen reagierten heftig.

Ihre Äusserung in einem Interview bringt ihr Kritik ein: Bundeskanzlerin Angela Merkel in Köln. (8. Dezember 2014)
Ihre Äusserung in einem Interview bringt ihr Kritik ein: Bundeskanzlerin Angela Merkel in Köln. (8. Dezember 2014)
Wolfgang Rattay, Reuters

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat mit ihrem Reformaufruf vom Wochenende an Frankreich und Italien teils heftige Irritationen in beiden Ländern ausgelöst. Reformen mache man für Frankreich, weil sie notwendig seien, «und nicht, um diesen oder jenen europäischen Lenker zu beglücken», sagte der Pariser Finanzminister Michel Sapin an die Adresse der Bundeskanzlerin gerichtet im einer Sendung von France 5. Er machte deutlich, dass ihre Äusserungen vor dem CDU-Parteitag seiner Meinung nach mehr nach innen gerichtet waren denn ans Ausland.

Richtig drastisch twitterte dazu der Chef der Linkspartei, Jean-Luc Mélenchon: «Maul zu, Frau Merkel! Frankreich ist frei.» Sie solle sich lieber um die Armen in Deutschland kümmern.

«Wir verlangen den gleichen Respekt»

Jeder müsse erst einmal sein eigenes Haus in Ordnung bringen, bevor er anderen Lektionen erteile, sagte der Staatssekretär beim italienischen Regierungschef Matteo Renzi, Graziano Delrio, in einem Fernsehinterview.

Kritik kam auch vom Europastaatssekretär Sandro Gozi. Die italienische Regierung habe es sich nie erlaubt, anderen EU-Ländern ein Zeugnis auszustellen, «und wir verlangen den gleichen Respekt». Merkel solle sich auf interne Probleme wie fehlende Investitionen konzentrieren. Die deutsche Regierung wies den Vorwurf mangelnder Wertschätzung für die Wirtschaftsreformen der Länder am Montag zurück. Merkel habe wiederholt grossen Respekt für die Reformanstrengungen geäussert, betonte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

Merkel hatte in einem Interview am Wochenende Italien und Frankreich zu stärkeren Reformen aufgefordert. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hatte darauf verzichtet, Strafen gegen die beiden Staaten zu verhängen, obwohl sie mehr Schulden machen wollen, als nach den EU-Stabilitätsregeln erlaubt ist.

SDA/thu

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch