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Mehr als nur Folklore

Berlin begeht das Jubiläum des Mauerfalls mit fröhlicher Lebendigkeit. Doch die Feier ist auch eine Erinnerung daran, wie bedroht die friedliche Welt ist, in der wir Europäer leben.

Die «Lichtgrenze» wird aufgehoben: 8000 Ballone, die entlang des Verlaufs der früheren Mauer platziert worden waren, werden steigen gelassen. (9. November 2014)
Die «Lichtgrenze» wird aufgehoben: 8000 Ballone, die entlang des Verlaufs der früheren Mauer platziert worden waren, werden steigen gelassen. (9. November 2014)
Reuters
Ballone über dem Reichstag. (9. November 2014)
Ballone über dem Reichstag. (9. November 2014)
Keystone
Hunderttausende waren in Berlin unterwegs und feierten. (9. November 2014)
Hunderttausende waren in Berlin unterwegs und feierten. (9. November 2014)
Keystone
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Ein freudiges Bürgerfest mit Bier und Bratwurst, spektakulär leuchtende Luftballons, die in den Himmel steigen. Sogar einen offiziellen Souvenirshop mit Kaffeetassen und Kühlschrankmagneten im «25 Jahre Mauerfall»-Look gab es. Deutschland hat den Jahrestag vom Wochenende mit einer fröhlichen Leichtigkeit gefeiert, wie sie normalerweise auf Jahrmarkt- und Chilbiplätzen herrscht.

Doch die Bedeutung dieses Jubiläums weist weit über den Eventcharakter hinaus, den es auf den ersten Blick hat. Nicht umsonst investierte die Bundesregierung erheblich Zeit und Mittel in das Fest. Der Mauerfall ist die Geburtsstunde der heutigen Bundesrepublik. Am 9. November 1989 haben endlich alle Deutschen die Chance bekommen, in Demokratie und Freiheit zu leben.

Die Werte der Wende

Es ist schön, dass Europas grösstes Land ein so friedfertiges Ereignis zelebriert, um sich seiner selbst bewusst zu werden. Umso betrüblicher, dass die Gespenster, die man damals überwunden glaubte, heute wieder an die Tür klopfen. 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Untergang der Sowjetunion stehen Deutschland und Europa vor einer neuen Auseinandersetzung mit Russland. An der Ostgrenze der Nato häufen sich militärisch gefährliche Konfrontationen, wie eine am Sonntag publizierte Studie enthüllt.

Dazu kommt: Die Werte der Wende von 1989 haben sich längst nicht überall durchgesetzt. Freiheit, Demokratie und Menschenrechte geraten akut unter Druck: in der Ukraine, im Irak und in Syrien sowieso. Selbst im EU-Land Ungarn wankt die freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Die Feier von Berlin ist deswegen mehr als Freiheitsfolklore. Sie ist auch eine Erinnerung daran, wie bedroht die friedliche Welt ist, in der wir Europäer leben. Und sie ist eine Aufforderung an uns, für die Werte zu kämpfen, für die vor 25 Jahren die Ostdeutschen eine scheinbar unverrückbare Mauer umgestossen haben.

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