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Explosionen in Istanbul – 38 Tote und 155 Verletzte

Nach einem Erstligaspiel detonierten Bomben vor einem Fussballstadion in Istanbul. Es gibt viele Tote und Verletzte.

Scharfe Verurteilung der Anschläge: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Mitte) mit seinem Vorgänger Abdullah Gul (r.) und Premierminister Binali Yildirim (l.) bei einer Gedenkveranstaltung für die getöteten Polizisten in Istanbul. (11. Dezember 2016)
Scharfe Verurteilung der Anschläge: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (Mitte) mit seinem Vorgänger Abdullah Gul (r.) und Premierminister Binali Yildirim (l.) bei einer Gedenkveranstaltung für die getöteten Polizisten in Istanbul. (11. Dezember 2016)
AP Photo/Emrah Gurel, Keystone
Das Sicherheitsaufgebot ist nach dem Doppelanschlag gross: Spezialeinheiten patrouillieren in Istanbul. (11. Dezember 2016)
Das Sicherheitsaufgebot ist nach dem Doppelanschlag gross: Spezialeinheiten patrouillieren in Istanbul. (11. Dezember 2016)
Yasin Akgul, AFP
Wer hinter den Bluttaten steckt, ist noch unklar. (10. Dezember 2016)
Wer hinter den Bluttaten steckt, ist noch unklar. (10. Dezember 2016)
Ismail Coskun, Keystone
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Bei zwei Anschlägen in der türkischen Metropole Istanbul sind mindestens 38 Menschen getötet worden. Zudem gebe es 155 Verletzte, sagte Innenminister Süleyman Soylu am Sonntag. Zehn Personen wurden festgenommen. Zuvor war von 29 Toten die Rede.

Eine kurdische Extremistengruppe hat sich inzwischen zu den beiden Anschlägen bekennt. Die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) hätten die Verantwortung für den Doppelanschlag von Samstagabend übernommen, meldete am Sonntag die Nachrichtenagentur Firat, die den kurdischen Rebellen nahesteht. Die TAK gilt als radikale Splittergruppe der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).

Es seien zwischen 300 und 400 Kilogramm Sprengstoff verwendet worden. «Wo das Auto in die Luft gesprengt wurde, ist ein Graben entstanden und das Auto gibt es nicht mehr», sagte Kurtulmus. «Es ist völlig zerstört worden. Es ist ein riesiger Krater entstanden.»

Inzwischen ist ein Video aufgetaucht, dass die Explosion zeigen soll. Es wurde von Jugendlichen zufällig aufgenommen:

Erdogan verurteilt Tat aufs Schärfste

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor bereits von Toten gesprochen. «Leider gab es Märtyrer und Verletzte», sagte er. Der Präsident verurteilte die Tat nach Angaben der staatlichen Agentur Anadolu aufs Schärfste.

Auch der Nationale Sicherheitsrat der USA verurteilte die Anschläge. «Wir stehen der Türkei zur Seite, unserem NATO-Verbündeten, gegen alle Terroristen, die die Türkei, die USA und den Weltfrieden und die Stabilität bedrohen», sagte Sicherheitsrats-Sprecher Ned Price in Washington. Aussenminister Didier Burkhalter habe seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu ein Kondolenz- und Freundschaftsschreiben zukommen lassen, teilte das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit.

Zwei Explosionen innerhalb einer Minute

Auf Bildern vom Tatort im Stadtteil Besiktas waren die Leichen von Polizisten und Leichensäcke zu sehen. Den Angaben zufolge wurden zwei Bomben innerhalb weniger als einer Minute vor dem Fussballstadion gezündet. Man gehe von einem Autobombenanschlag auf die Sondereinsatzpolizei aus, sagte der Innenminister nach Angaben des Senders CNN Türk.

(Video: Tamedia)

Etwa anderthalb Stunden vor der ersten Explosion endete das Spiel zwischen den Erstligisten Besiktas und Bursaspor. Soylu sagte weiter, die Bombe sei explodiert, nachdem sich die Zuschauer zerstreut hatten. Unter den Toten seien mindestens 27 Polizisten und zwei Zivilisten.

Viel Polizei wegen Hochrisikospiel

Das Match zwischen den verfeindeten Mannschaften galt als Hochrisikospiel, bei dem die Polizei Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen verhindern sollte. Ein Reporter sagte dem Sender CNN Türk, an diesem Samstagabend seien besonders viele Polizisten zur Absicherung des Spiels im Einsatz gewesen, weil es in der Vergangenheit Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fangruppen gegeben hatte. Die Fans von Bursaspor seien wegen einer Strafe überhaupt das erste Mal seit Jahren wieder zu einem Besiktas-Spiel zugelassen worden.

Bei der zweiten Explosion in der Nähe des Parks Macka soll ein Selbstmordattentäter einen Sprengsatz gezündet haben, erklärte Innenminister Soylu. Der Park liegt ebenfalls im Viertel Besiktas.

Beliebtes Ausgehviertel

Auf Fernsehbildern waren in der Nacht Rettungswagen zu sehen, die zur Unfallstelle rasten. Mehrere zerstörte Autos wurden gezeigt, darunter ein Minibus und ein von der Explosion getroffener Wasserwerfer. Die Explosionen waren mehrere Kilometer weit zu hören. Besiktas ist ein beliebtes Ausgehviertel und am Wochenende sehr belebt. Zunächst wurde von den Behörden eine Nachrichtensperre verhängt, die sich aber nicht auf öffentliche Verlautbarungen bezieht.

Das US-Konsulat in Istanbul warnt vor der Gefahr: Personen sollen sich vom Gebiet entfernt halten, die lokale Presse beobachten und Freunde und Familie wissen lassen, dass sie OK sind.

Sport-Moderatoren hören während ihrer Live-Sendung die Explosionen und rennen aus dem Studio. (Quelle: e-Football)

Die Behörden sprengten in der Nacht zum Sonntag ein verdächtiges Fahrzeug. Dies sei in der Nähe des Besiktas-Fussballstadions erfolgt.

Die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar. Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK oder deren Splittergruppe TAK verüben in der Türkei immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte. Die türkische Regierung macht aber auch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für zahlreiche Attentate im Land verantwortlich.

Während einer Videoaufnahme zweier Musiker, ein paar Kilometer vom Stadion entfernt, sieht man im Hintergrund eine Explosion. (Twitter: Michael Horowitz)

Merkel bietet Erdogan Hilfe und Zusammenarbeit an

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat Erdogan deutsche Unterstützung und eine engere Kooperation im Kampf gegen den Terrorismus angeboten. In einem Telefonat mit Erdogan bot die Kanzlerin Hilfe an, «sollte diese für die Versorgung der Verletzten gebraucht werden», erklärte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer heute in Berlin.

«Die Bundeskanzlerin und der Präsident vereinbarten, die Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Terrorismus zu intensivieren.» Die Regierung in Ankara warf Deutschland wiederholt vor, nicht entschieden genug gegen extremistische Kurden vorzugehen.

SDA/nag/chk

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