Meilensteine in der 70-jährigen Geschichte der Nato

Die Geschichte des Militärbündnisses war lange vom Kalten Krieg geprägt. Aber erst nach 45 Jahren feuerte es den ersten Schuss ab.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Über Jahrzehnte war die Nato-Geschichte von Abschreckung im Kalten Krieg und der Konfrontation mit der Sowjetunion geprägt. Erst nach 45 Jahren feuerte das Militärbündnis auf dem Balkan den ersten Schuss ab. Seither war die Nato auch an Konflikten in Afrika und Asien beteiligt.

1949
In Washington wird am 4. April der Nordatlantikvertrag unterzeichnet. Das Bündnis hat anfangs zwölf Mitglieder: Belgien, Dänemark, Frankreich, Grossbritannien, Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA. Die sei gegründet worden, um «die Russen draussen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten» zu halten, sagte Lord Ismay, der erste Generalsekretär der Allianz.

US-Präsident Truman unterzeichnet die Geburtskunde der Nato, hinter ihm die Chefs der Gründungsstaten.

1955
Die Bundesrepublik Deutschland wird Mitglied, nachdem der Kalte Krieg in Korea heiss geworden war.

1957
Angesichts der wachsenden Konfrontation mit der Sowjetunion verabschiedet die Nato auf Betreiben der Regierung von US-Präsident Eisenhower ihre Strategie der «massiven Vergeltung»: Jeder Angriff sollte demnach mit einem vernichtenden atomaren Gegenschlag beantwortet werden.

1966
Frankreich verlässt unter Präsident Charles de Gaulle das integrierte Militärkommando des Bündnisses, um sich die alleinige Befehlsgewalt über seine Atomstreitmacht zu sichern.

1967
Das Nato-Hauptquartier wird von Paris nach Brüssel verlegt. Das Bündnis schwenkt auf die Militärstrategie der «flexiblen Erwiderung» um. Sie sieht bei einem Angriff mit konventionellen Truppen nicht automatisch einen Einsatz von Atomwaffen vor, sondern ein abgestuftes Vorgehen.

1979
Als Reaktion auf sowjetische SS-20-Raketen kündigt die Nato die Stationierung von atomwaffenfähigen Raketen und Marschflugkörpern in Westeuropa an. Gleichzeitig werden Moskau Verhandlungen über die Begrenzung atomarer Mittelstreckenraketen angeboten (Nato-Doppelbeschluss).

1983
Die USA beginnen mit der Stationierung von Pershing-II-Raketen und Marschflugkörpern in mehreren Nato-Staaten, darunter die Bundesrepublik.

Drei atomare Mittelstreckenraketen vom Typ Pershing II und ihre Abschussrampen werden am 3. April 1987 in Mutlangen, Deutschland, der Presse präsentiert.

1987
Die USA und die Sowjetunion schliessen den INF-Vertrag zur Abschaffung atomarer, landgestützter Mittelstreckenraketen und Marschflugkörper mit Reichweiten von 500 bis 5500 Kilometer.

1991
Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion wird auch der 1955 als Gegenbündnis zur Nato gegründete Warschauer Pakt aufgelöst.

1994
Bei der Durchsetzung einer UN-Flugverbotszone über Bosnien schiesst die Nato vier serbische Militärmaschinen ab. Es ist die erste Kampfhandlung in der Geschichte des Militärbündnisses.

1995
Nach dem Friedensabkommen von Dayton zum Bosnien-Krieg überwacht die Nato-geführte Ifor-Truppe dessen Einhaltung.

Archivbild 1995 eines französischen IFOR-Soldaten beim Entschärfen einer Mine in einem Vorort von Sarajewo.

1997
Das westliche Militärbündnis vereinbart mit Moskau die Nato-Russland-Grundakte. In ihr sagt die Nato zu, auf eine dauerhafte und umfangreiche Stationierung von Truppen in Osteuropa zu verzichten.

1999
Die Nato greift mit massiven Luftangriffen gegen Serbien in den Kosovo-Konflikt ein.

Ein kanadischer F-18-Jagdbomber startet am Abend des 24.3.1999 von der Nato-Airbase in Aviano in Norditalien zu Luftangriffen auf Ziele in Serbien.

2001
Nach den Terroranschlägen vom 11. September wird zum bisher einzigen Mal die Beistandsklausel nach Artikel 5 ausgelöst. Das Bündnis entsendet daraufhin Awacs-Aufklärungsflugzeuge in die USA.

2003
Die Nato übernimmt die Führung über den Kampfeinsatz gegen die Taliban in Afghanistan.

US-Soldaten nach einer Taliban-Attacke im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan.

2011
Luftangriffe unter Nato-Führung tragen zum Sturz von Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi bei.

2014
Nach der Annexion der Krim durch Russland beschliesst das Bündnis eine massive Verstärkung seiner Truppenpräsenz in Osteuropa. Gleichzeitig legen die Nato-Mitglieder das Ziel fest, ihre Verteidigungsausgaben bis 2024 «Richtung zwei Prozent» der Wirtschaftsleistung zu steigern.

2017
Die Nato tritt auf Druck der USA der internationalen Koalition gegen die IS-Terrormiliz bei.

2019
Die USA kündigen den INF-Vertrag mit Russland. Sie werfen dem Kreml vor, mit neuen Marschflugkörpern gegen das Abkommen zu verstossen. Nach Beilegung des Namensstreits mit Griechenland soll Nordmazedonien 2020 das 30. Mitglied der Allianz werden.

Erstellt: 04.12.2019, 18:28 Uhr

Artikel zum Thema

Lästern hier Macron, Trudeau und Co. über Trump?

Video Ein Video vom Nato-Gipfel zeigt, wie sich mehrere Staatschefs angeregt und ungehemmt unterhalten – offenbar über den US-Präsidenten. Mehr...

Die Nato wird ihre eigene Feindin

Analyse Vor dem heutigen Gipfel zeigt sich die Militärallianz so orientierungslos wie nie. Die Verbündeten streiten vor allem. Mehr...

Trump und Macron streiten – Merkel bleibt optimistisch

Der erste Tag des Nato-Jubiläumsgipfels in London verlief keineswegs in Minne. Immerhin endete er mit einer gemeinsamen Erklärung. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Aufgeblasen, aber nicht abgehoben: Vor dem Start in Chateau-d'Oex kontrollieren Besatzungsmitglieder die Hülle ihres Heissluftsballons. In der Schweizer Berggemeinde findet bis derzeit die 42. Internationalen Heissluftballonwoche statt. (26. Januar 2020)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...