Merkel reagiert auf Zitteranfälle

Die deutsche Kanzlerin hat den heutigen Staatsempfang anders als üblich gestaltet.

Sitzen hilft – und die Hand beim Aufstehen auch: Angela Merkel beim Empfang der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Foto: Omer Messinger/Getty Images

Sitzen hilft – und die Hand beim Aufstehen auch: Angela Merkel beim Empfang der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Foto: Omer Messinger/Getty Images

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Nach ihren drei öffentlichen Zitteranfällen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Empfang der neuen dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am Donnerstag im Sitzen absolviert. Die beiden Regierungschefinnen nahmen vor dem Kanzleramt auf zwei weissen Stühlen Platz, kurz darauf begann das Stabsmusikkorps der Bundeswehr mit dem Spielen der Nationalhymnen. Danach schritten die beiden die Ehrenformation des Bundeswehr-Wachbataillons ab.

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Die Kanzlerin hatte schon drei Auftritte, bei denen sie plötzlich zu zittern begann. Video: AP/Reuters

Merkel hatte am Vortag beim Empfang des finnischen Ministerpräsidenten Antti Rinne in Berlin am ganzen Körper gezittert. Das erste Mal war das Zittern am 18. Juni beim Empfang des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aufgetreten. Wenig später, am 27. Juni, hatte die Kanzlerin einen weiteren Zitteranfall, diesmal bei einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier anlässlich der Übergabe der Ernennungsurkunde an die neue Justizministerin Christine Lambrecht (SPD).

Annegret Kramp-Karrenbauer hatte die Gesundheit von Kanzlerin Angela Merkel nach deren beiden ersten Zitteranfällen als stabil bezeichnet. «Angela Merkel hat eine stabile Gesundheit», sagte die CDU-Chefin Anfangs Juli. «Wir haben immer wieder telefoniert – und es geht ihr gut.» Dass der Gesundheitszustand der Kanzlerin international Beachtung findet, kommentierte sie mit den Worten: Dies zeige, welche «grossartig wichtige Rolle» Merkel auf der Welt spiele. «Es wird eben besonders auf sie geschaut.»

Auch die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer hat gesundheitliche Probleme bei der deutschen Regierungschefin bestritten. «Der Bundeskanzlerin geht es gut», versicherte Demmer am Mittwoch in Berlin mehrfach. Zu möglichen Ursachen und eventuellen ärztlichen Untersuchungen wollte sich Demmer nicht äussern. Dazu gibt es aber inzwischen einige Ferndiagnosen. (AFP)

Erstellt: 11.07.2019, 13:48 Uhr

Irgendwann kann nur noch ein Gesundheitscheck die Sorgen auflösen

Zum dritten Mal binnen weniger Wochen hat die Kanzlerin bei einem öffentlichen Auftritt ein Zittern ergriffen. Es kommt schleichend daher, ist zunächst kaum zu erkennen, dauert letztlich aber wieder ein, zwei Minuten, in denen jeder sehen kann, wie Angela Merkel dagegen ankämpft. Diese Momente sind selbst für Zuschauer schmerzhaft, weil sie den Blick auf eine sehr persönliche Verwundbarkeit öffnen. Das mag niemand erleben.

Aus diesem Grund ist es sehr verständlich, dass die Kanzlerin abwiegelt. Dass sie erklärt, es gebe keine Probleme, sie sei «gut leistungsfähig». Und dann fügt sie wie zuletzt noch hinzu, dass das eigentliche Problem eines im Kopf sei, nämlich die Angst vor der Wiederholung, die derzeit genau diese Wiederholung auslöse.

Es geht nicht um ein detailliertes ärztliches Bulletin

Hinter der Erklärung verbirgt sich die Furcht Merkels, die Öffentlichkeit könne an ihrer Kraft und Befähigung zweifeln. Insbesondere dann, wenn sie zugäbe, dass sie sich habe untersuchen lassen. Nach dem Motto: Sie habe selbst Zweifel.

Irgendwann aber dreht sich das um. Dann beruhigt es nicht mehr, wenn Merkel einfach erklärt, alles sei in Ordnung. Dann kann nur die Botschaft, sie habe sich durchchecken lassen, Sorgen auflösen. Dabei geht es nicht um ein detailliertes ärztliches Bulletin. Es geht um das Signal, auch die eigene Gesundheit angemessen ernst zu nehmen.
Von Stefan Braun, Berlin

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