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Über 100 Tote an libyscher Küste entdeckt

Nach einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste sind zahlreiche Leichen geborgen worden. Auch vor der griechischen Küste spielt sich ein Flüchtlingsdrama ab.

Zwei Flüchtlingsdramen im Mittelmeer: Ein Leichensack an der libyschen Küste. (2. Juni 2016)
Zwei Flüchtlingsdramen im Mittelmeer: Ein Leichensack an der libyschen Küste. (2. Juni 2016)
Mohame ben Khalifa, Keystone

Bei zwei Schiffsunglücken im Mittelmeer sind mehr als 120 Flüchtlinge ums Leben gekommen. Allein 117 Leichen seien an der libyschen Küste nahe der Stadt Suwara angespült worden, sagte ein Sprecher des libyschen Roten Halbmonds. Die meisten von ihnen stammten aus afrikanischen Ländern, ebenso wie jene Flüchtlinge, die am Freitag südlich von Kreta in Seenot gerieten. 340 von ihnen konnten gerettet worden, bevor ihr Schiff sank, neun wurden tot geborgen. Doch wie viele Menschen wirklich an Bord waren, war unklar.

Vor der griechischen Küste ist ein überfülltes Flüchtlingsboot mit möglicherweise über 700 Passagieren gekentert. Das teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit.

Boot sank zur Hälfte

Das Unglück ereignete sich 75 Seemeilen südlich von Kreta. Das 25 Meter lange Boot sei gekentert und zur Hälfte untergegangen, sagte eine Sprecherin der griechischen Küstenwache der Nachrichtenagentur AFP. Eine Fähre alarmierte die Küstenwache.

Die griechischen Behörden starteten einen grossen Rettungseinsatz. Die Küstenwache schickte den Angaben zufolge zwei Patrouillenboote, ein Flugzeug und einen Hubschrauber los. Mindestens vier Schiffe, die in der Region unterwegs waren, beteiligten sich ebenfalls an dem Einsatz. Sie warfen Rettungsbojen aus, an denen sich die Flüchtlinge festhalten konnten.

Herkunft der Flüchtlinge noch unklar

Zur Nationalität der Flüchtlinge konnte die Küstenwache zunächst keine Angaben machen. Sie äusserte sich auch nicht dazu, ob das Boot in der Türkei, in Libyen oder Ägypten in See gestochen war. Nach Angaben der IOM kam das Boot vermutlich aus Afrika.

In der vergangenen Woche waren im südlichen Mittelmeer bereits drei Flüchtlingsboote gesunken. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR geht davon aus, dass fast 700 Menschen ertrunken sind, darunter auch 40 Kinder. Sie hatten nach Angaben von Überlebenden in drei Booten die libysche Küste verlassen, um nach Italien zu gelangen. Alle drei Boote sanken. Ob es sich bei den angespülten Leichen um Opfer der Unglücke handelt, konnte der Sprecher der libyschen Marine zunächst nicht sagen.

Mehr Überfahrten wegen gutem Wetter

Wegen des guten Wetters und der ruhigen See wagen derzeit besonders viele Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer nach Europa. Bei der gefährlichen Überfahrt zu den griechischen Inseln in der Ägäis kamen im vergangenen Jahr Hunderte Menschen ums Leben. Seit der Schliessung der sogenannten Balkanroute versuchten zuletzt aber weniger Flüchtlinge, über die Türkei und Griechenland in die EU zu gelangen. Stattdessen waren wieder mehr Flüchtlinge über Libyen nach Italien gekommen.

Ende Mai hatte die griechische Küstenwache vor der Küste Kretas ein Flüchtlingsboot abgefangen, auf dem zwei mutmassliche Schlepper 65 Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und Pakistan transportierten. Nach Angaben der Passagiere war das Boot in der Türkei losgefahren. Die Küstenwache äusserte sich nicht dazu, ob es auf dem Weg nach Italien oder Griechenland war. Möglicherweise hatte es die Route über Kreta gewählt, um den Nato-Patrouillen in der Nord-Ägäis auszuweichen.

AFP/nag

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