Mit dem nötigen Musikgefühl

Der Diplomat Felix Klein kämpft offiziell gegen Antisemitismus.

Felix Klein wird Antisemitismusbeauftragter Deutschlands. Bild: Keystone/DPA/Britta Pedersen

Felix Klein wird Antisemitismusbeauftragter Deutschlands. Bild: Keystone/DPA/Britta Pedersen

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Felix Klein ist nicht Jude, doch das Leben von Minderheiten ist ihm von klein auf vertraut. Sein Vater spielte Geige im Philharmonischen Orchester von Hermannstadt, einer Stadt im heute rumänischen, einst ethnisch vielgestaltigen Siebenbürgen. Der Sohn ging unter anderem im kulturell buntscheckigen Triest zur Schule, er promovierte als Völkerrechtler in St. Gallen und wirkte als Diplomat in Kamerun und Italien. Währen der letzten vier Jahre war er im Auswärtigen Amt in Berlin für die Beziehungen zu jüdischen Organisationen zuständig sowie für Fragen des Antisemitismus. In der Freizeit spielt er Geige im «Diplomatischen Streichquartett», das vor allem Werke jüdischer Komponisten aufführt.

Es war also kein Zufall, dass die deutsche Regierung auf Felix Klein stiess, als sie in den letzten Monaten einen Beauftragten suchte, um gegen den wachsenden Antisemitismus vorzugehen. Es gibt in Deutschland Dutzende von Beauftragten, die sich um alles Mögliche kümmern, das Patientenwohl etwa oder den Abbau der Bürokratie. Aber die wenigsten machen wirklich von sich reden. Auch bei Klein sind bislang vor allem die Erwartungen gross, über Mittel oder Kompetenzen verfügt er kaum. Die Bildung zum Beispiel ist wie in der Schweiz Sache der Länder, nicht des Bundes. Um Schüler gegen Judenhass und dessen verschiedene Erscheinungsformen zu sensibilisieren, ist Klein auf Zusammenarbeit angewiesen.

Muslimischer Judenhass nimmt stark zu

Als Erstes will der 49-Jährige ein zentrales Meldesystem einrichten, in dem antisemitische Vorfälle und Übergriffe bundesweit einheitlich erfasst werden. Die bestehenden Register bieten eine lückenhafte, teils verzerrte Sicht auf das Problem. Recke ein fanatischer Muslim an einer Demonstration gegen Israel den Arm zum Hitlergruss, werte die Polizei dies als «rechte Gewalt», beklagt Klein. Nur durch solche Automatismen sei zu erklären, warum nach der polizeilichen Statistik 90 Prozent der antisemitischen Vorfälle in Deutschland als rechtsextrem motiviert gelten. Dieses Lagebild widerspricht der Beobachtung vieler Juden, dass in den letzten Jahren vor allem der muslimische Judenhass stark zugenommen hat.

Klein hält es für wichtig, jüdisches Leben im Ganzen wieder deutlicher sichtbar zu machen. Antisemitismus sei nicht nur das Problem der Juden, sondern der gesamten ­Gesellschaft. Menschen in Deutschland sollen ­ die 100'000 Juden nicht nur als bedrängte Minderheit, sondern als Teil ihrer eigenen Kultur wahrnehmen. Auch deswegen alarmiert es ihn zutiefst, dass der Präsident des Zentralrats deutsche Juden jüngst davor warnte, mit Kippa auf die Strassen deutscher Grossstädte zu treten. Deutschland müsse alles dafür tun, sagt Klein, um zu verhindern, dass sich Juden in diesem Land wieder verstecken müssten – oder sogar daran dächten auszuwandern. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.05.2018, 20:28 Uhr

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